Im Berufungsprozess um eine mutmaßliche Brandstiftung in Hummeltal sagen die Feuerwehrleute aus Richter: "Aufbauen und nochmal abfackeln"

Von Thorsten Gütling

Der Berufungsprozess gegen den 35 Jahre alten Mann, der im März 2014 in Hummeltal einen Schuppen in Brand gesteckt haben soll, geht auf die Zielgerade.

Der Berufungsprozess um eine mutmaßliche Brandstiftung in Hummeltal im März des vergangenen Jahres geht auf die Zielgerade. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Der Mann, der früher in Hummeltal und jetzt im Landkreis Bamberg wohnt, wurde im Februar dieses Jahres zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann den Schuppen in der Geseeser Straße angesteckt hatte und ein Abbrennen des benachbarten Wohnhauses billigend in Kauf genommen hatte. In diesem Haus wohnten die Eltern seiner Ex-Freundin. Mit dieser hatte der Angeklagte ein Kind. Das Kind hielt sich oft bei den Großeltern auf. Es tobte ein Streit ums Sorge- und Umgangsrecht. Am Tag vor dem Brand sei dem Angeklagten der Zugang zu seinem Kind verweigert worden.

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Zwölf Verhandlungstage dauert der Berufungsprozess nun schon

Gegen das Urteil legte der frühere Hummeltaler Berufung ein. Nach zwölf Verhandlungstagen sind etliche Zeugen gehört. Darunter zwei Hummeltaler Feuerwehrmänner die halfen, den Brand zu löschen. Das Gute für den Angeklagten: Sie können sich an so gut wie nichts mehr erinnern. Nicht daran, ob ihnen auf dem Weg zum Einsatzort ein Fahrzeug aufgefallen ist. Nicht daran, woher die Gerüchte um einen dunklen Wagen kamen, die bereits in der Brandnacht die Runde machten.

Feuerwehrleute können sich kaum erinnern

Kein Wunder, nach so langer Zeit, findet Richter Werner Kahler. Komisch nur, dass die Feuerwehrleute die Brandursache nicht interessiert hat, entgegnet Strafverteidiger Maximilian Glabasnia. Und dass sie den Hinweis eines Zeitungszustellers, der vor Ort behauptet hatte, ein davonfahrendes Auto gesehen zu haben, nicht weitergegeben haben.

Ein Zeitungszusteller belastet den Angeklagten

Letzteres sei geschehen, weil der Zusteller gesagt habe, dass er seine Beobachtung bereits einem anderen Feuerwehrmann geschildert habe, sagt einer der Feuerwehrleute vor Gericht. Der andere versichert: Man habe bei der Feuerwehr nie mehr über die mögliche Brandursache gesprochen. Er habe sich auch nicht dafür interessiert. "Schwer vorstellbar, dass man als Feuerwehrmann nicht wissen will, was da passiert ist", sagt Verteidiger Glabasnia.

Zuvor hatte der Zeitungszusteller den Angeklagten schwer belastet. Zur Tatzeit, mitten in der Nacht, will er den Wagen des Angeklagten in Hummeltal gesehen haben. Will sich sogar noch an einen Teil des Nummernschilds erinnern können.

Brand soll noch einmal nachgestellt werden

Verteidiger Glabasnia will beweisen, dass das gar nicht möglich ist. Dass die Lichtverhältnisse das gar nicht zugelassen haben. Er sagt: "Das Problem von Zeugenaussagen ist, dass Wahrnehmung und Rückschlüsse oft nicht getrennt werden."

Um seinen Mandanten zu entlasten, will er zu drastischen Mitteln greifen. Notfalls soll es in Hummeltal noch einmal brennen. Feuerwehr, Polizei, Anwohner, Bauhofmitarbeiter, alle müssten dazu noch einmal Mitten in der Nacht anrücken. Das benachbarte und frisch gestrichene Haus, das die Feuerwehr vor eineinhalb Jahre gerade noch vor einem Übergreifen der Flammen schützen konnte, würde noch einmal verrußt.

Richter: "Das ist ein Riesenaufwand"

Richter Kahler spricht von einem "Riesenaufwand". Sagt aber: "Ich mache alles mit. Nehmen wir trockenes Holz, bauen den Schuppen und das mittlerweile abgerissen Steinhaus wieder auf und fackeln es noch einmal ab."

Nach kurzer Bedenkzeit verzichtet Verteidiger Glabasnia auf das erneute Abfackeln - vorerst. In zwei Wochen soll ohne Feuerschein herausgefunden werden, ob der Zeitungszusteller das Nummernschild eines vorbeifahrenden Autos hätte erkennen können oder nicht. Drei Verhandlungstage soll es mindestens noch geben. Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia rechnet damit, dass noch in diesem Jahr ein Urteil fällt.