Auch letzte Chargen der Lang-Bräu Unter Fichtelberg lagert ein flüssiger Schatz

Im Bergwerk Gleißinger Fels haben zwei Sommeliers eine einzigartige Genussaktion geplant. Bald sollen Besucher in den Stollen gereifte Spirituosen und Biere verkosten können – darunter auch zwei der letzten Chargen der Lang-Bräu.

Biersommelier Thomas Ernstberger, Bürgermeister Sebastian Voit, Landrat Florian Wiedemann und Edelbrenner Mathias Gerstner (von links) lagern im Fichtelberger Bergwerk Whisky, Doppelbock und Bierbrand ein. Foto: Thomas Geißler

Eine gewiss nicht alltägliche Szenerie im Fichtelberger Besucherbergwerk Gleißinger Fels: Metallkannen, Holzfässer, Druckluftflaschen und weiteres Equipment füllen den Platz in zwei engen Seitengängen des ehemaligen Untertagebaus. Mathias Gerstner und Thomas Ernstberger haben all dies in den Stollen hinab geschafft, dazu noch Spirituosen und zwei besondere Chargen Bier.

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Natürlich nicht grundlos: Gerstner ist Edelbrandsommelier, Ernstberger Biersommelier. Beide wollen an diesem Tag den Grundstein für drei besondere alkoholische Schätze aus dem Fichtelberger Untergrund legen: im Bergwerk gereifter Whisky, Bierbrand und Doppelbock.

Klima im Bergwerk beeinflusst Reifung

Die auserkorenen Spirituosen und Biere sollen durch die Reifung im kühlfeuchten Klima zwischen den Felswänden einen unverkennbaren Eigengeschmack entwickeln, so die Idee hinter der Einlagerung im Bergwerk. Besucher sollen dann die Gelegenheit haben, bei Whisky- und Biertastings unter Tage die Kreationen zu verkosten.

„Unser Besucherbergwerk ist ja bereits ein kleiner Rohdiamant. Und ich denke, diese Aktion ist etwas, mit der wir hier noch das i-Pünktchen obendraufsetzen“, sagt Fichtelbergs Bürgermeister Sebastian Voit. „Etwas, mit dem unser Bergwerk noch bekannter wird und hoffentlich noch mehr Besucher anzieht. Die Möglichkeit, in Fichtelberg eingelagerten Whisky in dieser Kulisse zu verkosten, ist schließlich etwas Einmaliges.“

Bierbrand lagert in besonderem Fass

Dafür packt der Bürgermeister sogar selbst mit an. Zusammen mit Landrat Florian Wiedemann füllt er eine der Spirituosen – den Bierbrand – in eines der Holzfässer ein. Einige Gemeinderäte aus Fichtelberg sind ebenfalls ins Bergwerk gekommen, um sich die Einlagerung anzusehen. Während das erste Fass befüllt wird, erklärt ihnen Brenner Mathias Gerstner näheres zu diesem Brand.

„Wir haben hier einen Bierbrand aus einer Marktredwitzer Brauerei. Die hatten Bier übrig, dass zwar nicht mehr verkaufsfähig, aber noch ohne Bedenken genussfähig ist. 750 Liter davon haben wir bei mir daheim in Unterfranken gebrannt.“ Denn Gerstner hat zwar eine Filiale mit seinen Produkten in Marktredwitz, hat seine Brennerei aber im unterfränkischen Trappstadt.

1400 Flaschen mussten er und befreundete Helfer für den Brand öffnen, denn das Bier der Marktredwitzer Brauerei war bereits in kleine 0,33-Liter-Flaschen abgefüllt, erzählt Gerstner lachend. Herausgekommen ist ein hochprozentiger Bierbrand, den er mit fränkischem Quellwasser auf 44 Prozent Alkoholgehalt reduziert hat.

„Das ist fast schon Trinkstärke, denn der Brand soll nur bis Weihnachten reifen.“ Durch die vergleichsweise kurze Lagerung soll der Bierbrand seinen malzigen Charakter behalten. Dennoch seien auch die Aromen aus dem verwendeten Holzfass entscheidend für den Geschmack.

Deshalb hat sich Gerstner für seinen Bierbrand ein schon mehrfach verwendetes Fass einer Büttnerei aus Würzburg ausgesucht: „In diesem Fass war erst fränkischer Rotwein drin, dann ein fränkischer Whisky. Anschließend hatten wir darin in der Oberpfalz Bier gelagert. Und zum Abschluss seiner Lebensphase darf das Fass nun noch einmal einen Bierbrand genießen.“

Der letzte Doppelbock der Lang-Bräu

Wohl noch etwas einzigartiger dürfte allerdings der eingelagerte Doppelbock werden, denn der stammt aus einer bekannten Brauerei der Region, die es bald nicht mehr geben wird: „Ich arbeite ja gerne mit den Produkten aus regionalen Brauereien“, erklärt Biersommelier Thomas Ernstberger seine Wahl. „In diesem Fall hab ich von der Lang-Bräu in Wunsiedel, die ja leider Ende Mai schließt, den letzten hellen Doppelbock und auch den letzten dunklen Doppelbock aus dem Fass mitgenommen.“

Für die helle Variante versucht sich Ernstberger an einer Premiere. Dieses Bier reift in einem Fass, in dem zuvor in Mexiko fünf Jahre lang ein Tequila lagerte. Dessen krautig-würzige Aromen würden sich gut am Bock machen. „Man darf aber keinen Desperados erwarten, so eine Limo wird das nicht.“ Etwa ein halbes Jahr wird der Doppelbock darin lagern. Denn: „Ein Bock darf nicht zu frisch sein. Er braucht einfach eine gewisse Reifezeit, dann wird er runder. Wenn er zu jung ist, schmeckt er zu spritzig. Das Hopfenaroma ist dann noch nicht sauber eingebunden“, erklärt der Biersommelier.

Wesentlich länger wird der Whisky von Edelbrenner Gerstner im Gleißinger Fels verweilen. Mindestens drei Jahre Reifezeit wäre ohnehin vorgeschrieben – „der Plan hier im Bergwerk ist sogar, den Whisky vier bis fünf Jahre reifen zu lassen und zwischendurch immer Fassproben zu nehmen.“

Den Bergwerk-Besuchern, die sich für ein Whisky- oder Biertasting entscheiden, wollen die beiden Sommeliers dann während der Verkostung verdeutlichen, wie sich die hohe Luftfeuchtigkeit und die konstanten Temperaturen auf die Reifung im Fass auswirken.

Info: Bis zu den Herbstferien hat das Bergwerk Gleißinger Fels täglich geöffnet zu den Führungen um 11, 13 und 15 Uhr.