Illegale Finanzgeschäfte Schlag gegen Ring von Cyberbetrügern

Matthias Will
Mit vermeintlich lukrativen Finanzangeboten – vor allem mit Kryptowährungen wie Bitcoin – lockten die Kriminellen viele ihrer Opfer. Foto: /dpa-Zentralbild/Fernando Gutierrez-Juarez

Unter Federführung von Spezialermittlern aus Oberfranken sprengt die Polizei ein Netzwerk, das mit Internetkriminalität einen Milliardenschaden verursacht hat. Hunderttausende Menschen gingen den Kriminellen auf den Leim.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben bei Großrazzien in mehreren Ländern ein internationales Netzwerk aus Finanzbetrügern enttarnt. Die Ermittler beschlagnahmten Computer, Mobiltelefone, Konten, Bargeld und digitale Geldbörsen, sogenannte Bitcoin-Wallets, wie die Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) mitteilt. Sie nahmen demnach ebenfalls Verdächtige fest und führten zahlreiche Vernehmungsgespräche. Die in Bamberg ansässige ZCB leitete die groß angelegte Aktion gemeinsam mit der Zentralstelle Cybercrime Sachsen und arbeitete auch mit etlichen ausländischen Strafverfolgungsbehörden zusammen.

Allein in Georgien und Nordmazedonien durchsuchten die Ermittler – darunter auch Spezialisten der Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberfranken – sechs Callcenter sowie 25 weitere Privat- und Geschäftsräume. Der Schwerpunkt der Operation lag auf der georgischen Hauptstadt Tiflis. Oberstaatsanwalt Nino Goldbeck, stellvertretender Pressesprecher der ZCB Bayern, sagte unserer Zeitung, es sei einer der umfangreichsten Aktionen der vergangenen Jahre gewesen. Insgesamt waren Hunderte Ermittler unter anderem auch in Tirana (Albanien), Kiew (Ukraine) und Sofia (Bulgarien) im Einsatz. Die Strafverfolger gehen davon aus, dass es Hunderttausende Geschädigte weltweit gibt. Der Gesamtschaden liegt Schätzungen zufolge im Milliardenbereich. Allein in Deutschland sollen Anleger mehr als 100 Millionen Euro verloren haben.

Vorsicht bei digitalen Finanzgeschäften

Schon seit mehreren Jahren wird den Angaben zufolge gegen das kriminelle Netzwerk wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche ermittelt. Über die Gruppierung sei bereits international in der Vergangenheit unter dem Schlagwort „Milton Group“ öffentlich berichtet worden. Sie nutzte eine Betrugsmasche, die als „Cybertrading“ bezeichnet wird, wie die ZCB schildert. Dabei beraten angebliche Finanzexperten ihre potenziellen Opfer über vermeintlich lukrative Anlageprodukte, die überwiegend im Zusammenhang mit Kryptowährungen wie Bitcoin stehen, und verleiten dadurch zur Geldanlage. Tatsächlich werden die Einzahlungen von Anlegern jedoch nie gewinnbringend investiert. Über unterschiedliche Plattformen und Internetseiten erhalten die Kriminellen gegenüber den Opfern den Eindruck eines existierenden Internetzugangs aufrecht. Dort werden den Geschädigten durch vermeintlich erfolgreiche Transaktionen Gewinne vorgetäuscht, um weitere Investitionen anzuregen. Sobald ein Anleger skeptisch wird oder eine Auszahlung wünscht, bricht der Kontakt oftmals ab oder das Investment erleidet einen überraschenden Einbruch, der einen plötzlichen Totalverlust des Investments suggerieren soll.

Oberstaatsanwalt Goldbeck sprach mit Blick auf die Vorgehensweise des kriminellen Netzwerks von einem „sehr hohen Professionalisierungsgrad“. Den Tätern habe man Hunderte betrügerische Trading-Plattformen und Dutzende Callcenter in verschiedenen Ländern zuordnen können.

Goldbeck sagte, Cyberkriminalität habe generell erheblich zugenommen. Er warnt Bürgerinnen und Bürgern gerade bei Finanzgeschäften im Internet vor Sorglosigkeit: „Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, sollte man ganz vorsichtig sein.“ Es sei generell wichtig, zu hinterfragen und sich gut über das jeweilige Anlageprodukt zu informieren.

 

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