IHK-Konjunkturumfrage Bayreuther Wirtschaft verliert deutlich an Fahrt

Die Konjunktur in der Wirtschaftsregion Bayreuth kühlt erheblich ab. Das zeigt die aktuelle IHK-Konjunkturbefragung. Warum IHK-Vizepräsident Jörg Lichtenegger trotzdem Hoffnung hat.

In der Bayreuther Wirtschaft nimmt der Pessimismus deutlich zu, meldet die IHK. Foto: /dpa

Die Unternehmer in und um Bayreuth sind deutlich pessimistischer als zuletzt, ergab die aktuelle Konjunkturbefragung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken (Bayreuth). Die aktuelle Geschäftslage – bei der vergangenen Befragung noch recht positiv bewertet – wird nur noch ausgeglichen gesehen, die Erwartungen haben sich spürbar eingetrübt. Folge: Der IHK-Konjunkturklimaindex für Bayreuth sinkt um satte 14 auf 91 Punkte. Werte unter 100 signalisieren eine schlechte Grundstimmung.

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Nicht schlechtreden

Jörg Lichtenegger, Vorsitzender des IHK-Gremiums Bayreuth und IHK-Vizepräsident, warnt in einer Mitteilung aber trotz der schwierigen Rahmenbedingungen und der schwierigen Konjunktur davor, den Standort Bayreuth schlecht zu reden: „Die konjunkturellen Rahmenbedingungen fordern unsere Unternehmen so stark wie selten zuvor“, sagt Lichtenegger: „Ich habe aber Vertrauen in die Krisenresilienz und den Ideenreichtum unserer Unternehmen. Deshalb: Mehr Unternehmertum statt zu viel Bürokratie, fehlender Planungssicherheit oder nicht wettbewerbsfähiger Energiepreise.“

Zu den Zahlen: Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen aus Stadt und Landkreis Bayreuth deutlich kritischer beurteilt als noch zu Jahresbeginn. 24 Prozent der Befragten bewerten ihre Lage positiv, 25 Prozent negativ. Mit einem Saldo von minus eins ist die Lagebewertung damit von einem soliden Wert von plus 14 wie zur Jahreswende weit entfernt.

Weniger Aufträge

Ein Grund: Das Auftragsvolumen verschlechtert sich spürbar. 38 Prozent der Unternehmen berichten von gesunkenen Aufträgen in den vorangegangenen sechs Monaten, nur 16 Prozent verzeichnen einen Aufwärtstrend. Der Saldo rutscht damit von minus drei auf minus 22 Punkte.

Immerhin: Besser als in anderen Teilregionen Oberfrankens wird die Kapazitätsauslastung beurteilt. Positive und negative Bewertungen halten sich hier die Waage (je 23 Prozent).

Trübe Aussichten

Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate trüben sich merklich ein. Zwar erwarten zwölf Prozent der Befragten laut Umfrage eine Verbesserung ihrer Geschäftslage, 29 Prozent dagegen eine Verschlechterung. Der Saldo sinkt von minus zwei auf minus 17 Punkte.

Das hat Auswirkungen auf die Investitionsplanungen, die zurückgehen und vor allem auch auf die Prognosen zur Beschäftigungsentwicklung. Nur noch neun Prozent der Bayreuther Unternehmen planen einen Beschäftigtenzuwachs, mehr als jedes vierte Unternehmen geht dagegen von einem Beschäftigtenabbau aus.

„Dass der Konjunkturklimaindex für die Region Bayreuth nach über einem Jahr wieder unter die Wachstumsschwelle von 100 Punkten gefallen ist, macht deutlich, dass sich unsere vergleichsweise robuste Wirtschaftsregion Bayreuth dem bundesweiten Abwärtstrend nicht entziehen kann. Steigende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts und die Unsicherheit durch Handelskonflikte mit den USA belasten zunehmend auch unsere heimische Wirtschaft“, kommentiert Jörg Lichtenegger.

IHK-Vizepräsident Jörg Lichtenegger. Foto: IHK

„Ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung erfordert stabile und verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Unternehmen benötigen insbesondere wettbewerbsfähige Energiekosten, eine spürbare Entlastung von bürokratischen Hürden sowie eine moderne, zukunftsfähige Infrastruktur. Von zentraler Bedeutung ist dabei eine leistungsfähige Bahnanbindung, um die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Region langfristig zu sichern“, so Lichtenegger weiter, und: „Solange der Bürokratieriegel hält, solange wird es mit dem Standort Deutschland nicht wieder aufwärts gehen.“

Lichtenegger sieht aber auch positive Signale: „In letzter Zeit registriere ich eine Änderung in der Tonalität. Das politische Berlin spricht neuerdings wieder über Tempo und über Wettbewerbsfähigkeit. Da könnte sich tatsächlich ein Bruch anbahnen mit dem lähmenden Klein-Klein der vergangenen Jahre. Bitte mehr davon!“