Idee mit Potenzial Zenob wächst weit über die Region hinaus

Matthias Bäumler
Nach der Windkraft will die Zenob nun verstärkt weitere Potenziale erneuerbarer Energien nutzen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Immer mehr Kommunen, Landkreise und Versorger wollen die Potenziale der regenerativen Energien nutzen. Das in Wunsiedel entwickelte Modell gewinnt weitere Anhänger.

Was 2011 als Kooperation der SWW Wunsiedel sowie der Städte Arzberg, Wunsiedel und Kirchenlamitz in bescheidenem Rahmen und kaum beachtet begann, wird immer mehr zum bundesweiten Erfolgsmodell: die Zenob. Die dahintersteckende Idee ist es, das Potenzial der regenerativen Energie in der Region für die eigene, sichere klimaneutrale Energieversorgung zu erschließen. Zugleich sollen die erzielten Gewinne nicht an fernen Gesellschaften fließen, sondern in der Region bleiben. Ursprünglich nannte sich die Gesellschaft „Zukunftsenergie Fichtelgebirge“. Da das Fichtelgebirge längst zu klein ist, heißt sie seit 2021 „Zukunftsenergie Nordostbayern“, kurz Zenob. Seit Ende vergangener Woche ist auch der Landkreis Hof Mitglied in dem innovativen „Energie-Club“. Der Hofer Kreistag hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für den Beitritt gestimmt.

Ungenutztes Potenzial für Wasserstoff

Wie der Hofer Landrat Oliver Bär sagte, will der Landkreis das in der Zenob vorhandene Wissen zum Wohle der Bürger und der Gewerbebetriebe nutzen. „Auch unsere Kommunen können wir im Rahmen der Zenob unterstützen und ihnen einen Wissenstransfer ermöglichen.“ So gelte es, das Thema Wasserstoff noch stärker in der Region zu bearbeiten. Innerhalb der Gesellschaft könne man die regionalen Kräfte zum Thema erneuerbare Energien weiter bündeln und eine starke Einheit bilden.

Mittlerweile reicht das Zenob-Gebiet übrigens mehr als hundert Kilometer von Trogen im Norden bis Tännesberg im Süden.

Nach Windkraft jetzt Photovoltaik

In den ersten Jahren fokussierten sich die Zenob-Mitglieder auf die Windenergie im Landkreis Wunsiedel. „Natürlich kümmern wir uns weiterhin intensiv um diese Sparte“, sagt Zenob-Geschäftsführer Marco Krasser im Gespräch mit der Frankenpost. Kooperationspartner hierfür sei das Unternehmen Ostwind. Aber längst sind weitere Projekte im Entstehen: So übernimmt aktuell das Rugendorfer Unternehmen Münch für die Zenob ein Flächenscreening in der Region. Hierbei geht es um den Bau von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen. Die Zenob legt laut Krasser einen strengen Kriterienkatalog zugrunde. „Unser Ziel ist die Mehrfachnutzung von Flächen.“ Das heißt, dass unter den PV-Panels zum Beispiel Schafe oder Hühner weiden. Auch sollen für die Anlagen keine ertragreichen landwirtschaftlichen Flächen oder Naturschutzgebiete geopfert werden. Die Zenob-Verantwortlichen stünden im steten Austausch mit den Vertretern der Landwirtschaft.

Atomkraft bleibt Auslaufmodell

Energie ist in der politischen Diskussion momentan eines der wichtigsten Themen. Umso mehr interessieren sich die umliegenden Kommunen für das Zenob-Modell. In Zukunft wird nach Ansicht von Bürgermeistern und Kommunalexperten die sichere und zudem klimaneutrale Energieversorgung eines der wichtigsten Standortkriterien für Unternehmen sein. Die Renaissance der Großanlagen ist trotz der Forderungen nach einer Laufzeitverlängerung der bestehenden oder dem Bau neuer Atomkraftwerk ein vorübergehende Phänomen. Kernenergie ist letztlich viel zu unsicher, volkswirtschaftlich wegen der ungeklärten Lagerung des strahlenden Abfalls teuer und nach wie vor ein Auslaufmodell.

„Wir setzen auf eine dezentrale Energieversorgung, die für jede Kommune passgenau sein muss“, sagt Krasser. Die Stadt Marktredwitz baut zum Beispiel für das Schulzentrum eine Nahwärme-Zentrale. Auch Wunsiedel will in einigen Jahren das komplette Stadtgebiet mit Abwärme über ein eigenes Netz versorgen. Letztlich soll laut dem Zenob-Konzept keine Energie verloren gehen, egal ob Strom oder Wärme.

 

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