"Ich kauf in der Region" Drei Wege zum Erfolg für den regionalen Handel

BAYREUTH/PEGNITZ. „Ich kauf in der Region“ heißt eine Initiative des „Nordbayerischen Kuriers“ und seiner Schwesterblätter Frankenpost (Hof) und „Neue Presse“ (Coburg). Wir stellen heute drei Händler vor, die daran arbeiten, dass das auch in ein paar Jahren noch möglich ist.

Der Visionär: Der Elektronikhandel ist eine der Branchen im Einzelhandel, in der die Konkurrenz durch das Internet ganz besonders groß ist. Eine Herausforderung, die sie bei Euronics Baumann gleich doppelt angehen. Indem die Filialen in Bayreuth und Pegnitz mit besonderen Maßnahmen gestärkt wurden, das Internet aber keinesfalls verteufelt, sondern vielmehr selber genutzt wird.

Geschäftsführer Uwe Baumann hat abgekupfert, das gibt er unumwunden zu. Er war viel unterwegs in Deutschland, bevor er und sein Bruder Andreas rund 400.000 Euro in ihre beiden Standorte investiert haben. Er hat gesehen, dass in Möbelhäusern die Cafés immer voll sind; er hat gesehen, dass sich Kunden zum Beispiel in Modeläden gern auch mal hinsetzen; er hat beobachtet, dass in manchen Restaurants und vor allem in Biergärten Pager zum Einsatz kommen, die die Gäste darauf hinweisen, dass ihr Essen abholbereit ist; und er weiß natürlich, dass immer mehr Verbraucher heute im Internet kaufen.

Alles Punkte, die Baumann in sein neues Konzept aufgenommen hat. So sind etwa in Bayreuth 34 Sitzplätze im Laden verteilt. Ein Kunde, der Beratung will, bekommt einen Pager. Ist ein Berater frei, wird er informiert, kann sich bis dahin die Ware, für die er sich interessiert, aber schon mal anschauen. Oder einen kostenlosen Kaffee trinken und dabei mit den auf den Tischen stehenden Laptops die Internetpreise abrufen. Und sie anschließend mit dem Verkäufer besprechen.

„Es ist doch besser, wir erklären unsere Preise, als dass die Leute aus dem Laden gehen und dann daheim im Internet bestellen. Zumal wir oft die gleichen Preise haben“, sagt Baumann. Außerdem könne man dann auch Serviceleistungen anbieten, die es im Netz eben nicht gibt. Und nicht zuletzt hat Baumann auch einen eigenen Onlineshop, der rund 20 Prozent zum Umsatz beiträgt.

In der Summe sei das ein in seiner Branche in Deutschland noch einzigartiges Konzept. Allerdings, sagt Baumann nicht ohne Stolz: „Die ersten Kollegen fangen an abzukupfern.“

Der Traditionalist: Wenn man Markus Bauer fragt, ob man ihn und seinen Laden traditionalistisch nennen darf, dann stimmt er unumwunden zu. Weil es Becker & Exner nun schon seit über 70 Jahren gibt in Bayreuth; aber auch, weil hier die Tradition des Herrenausstatters hochgehalten wird, wie es sie nicht mehr oft gibt. „Bei uns wird jeder Kunde noch vermessen“, sagt Markus Bauer, der den Laden mit seinem Bruder Stefan führt. Der Vorteil: „Auch wenn die Figur des Kunden nicht der Norm entspricht – und wer tut das schon – haben wir eine Lösung“, sagt Bauer. Sind bei einem Kleidungsstück Änderungen nötig, werden die gleich von einer der Schneiderinnen im Haus erledigt.

Ein Service, der schon so manchem aus der Patsche geholfen hat. Festspielgästen etwa, die ihren Smoking daheim vergessen hatten oder deren Koffer im Flieger nicht mitgekommen war. Kann hier geholfen werden, gibt es meist einen treuen Stammkunden gleich dazu, sagt Bauer: „Die kommen dann immer bei uns vorbei und kaufen ein, wenn sie mal wieder in Bayreuth sind. Oder sie kommen sogar extra vorbei – aus ganz Deutschland.“

Die Stärken von Becker & Exner liegen laut Bauer im Anzugbereich – Hochzeit, Jubelkommunion, Konfirmation, Abschlussball und natürlich Business. Aber auch Jeans, Hemden, Pullover oder Jacken aus dem sogenannten Casual-Bereich gibt es. Dabei kann eine Beratung für einen Hochzeitsanzug schon mal zwei bis drei Stunden dauern, sagt Bauer, der auch an anderer Stelle die zunehmende zeitliche Verdichtung nicht mitmacht: „Fünf, sechs Kollektionen im Jahr können und wollen wir nicht anbieten. Wir ordern unsere Markenware weiter zweimal im Jahr.“

Auf eine eigene Homepage und Aktivitäten in den sozialen Medien kann übrigens auch ein Traditionalist nicht verzichten. „Aber in einem vernünftigen Maß“, sagt Bauer.

Die Netzwerkerin: Angefangen hat alles 2005 mit der Pegnitzer 650-Jahr-Feier. „Damals haben viele Einzelhändler zusammengearbeitet, um ein Jubiläumsprogramm auf die Beine zu stellen. Daraus ist dann der Arbeitskreis Unser Pegnitz entstanden“, erzählt Christina Wellhöfer, die zusammen mit ihrem Mann einen Weinhandel betreibt und Vorsitzende des Vereins Unser Pegnitz ist. Der hat knapp 40 Mitglieder und stellt in der Innenstadt immer wieder gemeinsame Aktionen auf die Beine: Autosalon, Halloween-Party, Suppentag zugunsten von Menschen in Not oder aktuell das Adventsdorf. „Wir müssen doch als innerstädtischer Einzelhandel dem Internet, aber auch der Konkurrenz außerhalb etwas entgegensetzen“, sagt Wellhöfer.

Aber muss denn nicht jeder Einzelhändler selber schauen, wo er bleibt? „Auf keinen Fall“, sagt Wellhöfer: „Nur wenn wir zusammenarbeiten, hat der Einzelne eine Chance. Weil dann sichtbarer wird, was es alles gibt in unserer Stadt.“ Ohne den Arbeitskreis wäre es leerer in Pegnitz, davon ist sie überzeugt. Die Mitglieder treffen sich einmal im Monat zum Stammtisch. „Jeder, wie er es einrichten kann. Es wird niemand zu irgendetwas gezwungen“, sagt Wellhöfer. Dort ist auch die neueste Idee geboren worden – Gutscheine, rustikal auf kleinen Holztäfelchen und bei allen Mitgliedern des Arbeitskreises einzulösen. Auch das zeige, dass die teilnehmenden Händler an einem Strang ziehen.

 

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