HWK-Sommerempfang Ein Loblied auf das Handwerk

Sie  stoßen auf die Zukunft des Handwerks an (von links): HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller, Peter Stein, Leitender Ministerialrat im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Georg Rittmayer, Präsident des Verbandes der Privaten Brauereien Bayern, HWK-Präsident Thomas Zimmer sowie Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Foto: Frank Wunderatsch

BAYREUTH. Erst Brotzeit, danach weitere fränkische Spezialitäten, dazu ein kühles Bier und Musik – das Handwerk präsentierte sich beim Sommerempfang am Montagabend in Bayreuth als Garant für die Genussregion Oberfranken. Und seine Vertreter, zuvor hatte die Vollversammlung der Handwerkskammer getagt, zeigten sich bestens gelaunt.

Dazu dürfte auch Festredner Hubert Aiwanger (Freie Wähler) beigetragen haben. Denn der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident lobte das Handwerk vor zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verwaltung in den höchsten Tönen.

Er sprach von einer „Boombranche“, die trotz allgemein abflauender Konjunktur „wie eine Eins stehe“. Das Handwerk sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagte er. Es sei unverzichtbar für das Funktionieren von Staat und Wirtschaft. Berufliche Bildung habe einen hohen Stellenwert.

Theorie und Praxis gehören zusammen

Die Zeiten, in denen mancher Akademiker einen Handwerksmeister milde belächelte, seien vorbei. Das Handwerk sei im Hinblick auf Verdienst und Karrieremöglichkeiten attraktiv. „Sie brauchen sich von anderen nicht von oben herab anschauen zu lassen“, rief der Minister den Vertretern der Branche zu.

Im Ausland werde die hervorragende Qualität des dualen deutschen Ausbildungssystems so sehr geschätzt, dass es nun auch Polen und Tschechien übernehmen wollen. Auch China hat nach den Worten Aiwangers erkannt, dass Theorie und Praxis zusammengehören.

Aiwanger hob, ebenso wie Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer und der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, die Bedeutung des Meistertitels hervor. Bei diesem Thema kann die Handwerkslobby ziemlich ungemütlich werden.

Den Meister wieder zurückholen

Und findet im Wirtschaftsminister einen kräftigen Unterstützer. Die Liberalisierung der EU – die Meisterpflicht ist in etlichen Berufen weggefallen – hat sich in ihren Augen als der falsche Weg erwiesen. Aiwanger ätzte, nicht jeder, der eine Spritze aufziehen könne, habe das Zeug zum Chirurgen. Aber leider glaube mancher Theoretiker, im Handwerk sei das anders – nach dem Motto, es könne doch nicht so schwer sein, Leitungen zu verlegen oder Fliesen zu legen. Aiwanger forderte: „Wo der Meister hinausgemobbt worden ist, müssen wir ihn wieder zurückholen.“ Dafür werde er sich einsetzen.

Der Minister nutzte seinen Auftritt für einen Parforceritt durch die Politik. Und rüffelte dabei immer wieder die Bundesregierung. Die Energiepolitik? „Ein Desaster“, polterte er. Stromsteuer und EEG-Umlage müssten abgeschafft werden. Richtig sei es, die dezentrale Energieversorgung zu forcieren.

Aiwanger verwies auf ein Programm des Freistaats, mit dem die Ergänzung von Photovoltaik-Anlagen durch Batteriespeicher gefördert wird. Zu entsprechenden Bedenken aus der Wirtschaft sagte der Minister, die Versorgungssicherheit in Bayern könne durch neue Gaskraftwerke gewährleistet werden.

Betriebe entlasten

Die Energiewende sei eine große Chance. Sie müsse aber mit Bedacht und Augenmaß umgesetzt werden, ohne den Wirtschaftsstandort Bayern zu beschädigen. Eine CO2-Steuer sei per se weder schlecht noch gut. Aiwanger: „Es kommt drauf an, wie man es macht.“

Der Wirtschaftsminister forderte eine Entlastung der kleinen und mittleren Betriebe. Dazu sei eine Senkung der Unternehmenssteuern notwendig. Ebenso sprach er sich für weniger Regulierung aus. So sei etwa in puncto Arbeitszeit mehr Flexibilität für die Betriebe wichtig.

Aiwanger zeichnete anschließend verdiente Ausbilder aus. Sie seien mit ihrem herausragenden Engagement eine Stütze des Handwerks, betonte er.

 

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