Huml will mehr Zuschüsse für junge Mediziner Landärzte von Ministerin heiß umworben

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Die Staatsministerin Melanie Humel hat viel Geld in die Hand genommen, um dem Ärztemangel auf dem Land beizukommen.  Die Fördermittel zeitigen zwar kleine Erfolge, doch wie es scheint, kann die Staatsregierung im Ringen gegen den Strukturwandel doch den Kürzen ziehen.

Dr. Philipp Eder, 37, hat sich vor zwei Jahren in Mistelbach niedergelassen. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Die Zeit läuft unbarmherzig und es bleibt noch viel zu tun, um die medizinische Versorgung auf den Dörfern zu sichern. Trotz hoher Zuschüsse musste Staatsministerin Melanie Huml am Freitag beim Hausarzt-Tag von Oberfranken Offensiv in der Schesslitzer Jura-Klinik einräumen: „Nur zehn Prozent des Ärztenachwuchses will Hausarzt werden“. Bei den älteren Medizinern laufe die Weiterbildung in die falsche Richtung: „Nur noch zehn Prozent absolvieren eine fachärztliche Weiterbildung, die in eine hausärztliche Tätigkeit mündet.“

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Die Zeit drängt

Die Ministerin, selbst Medizinerin, weiter: „Das wird knapp,wenn es uns nicht gelingt, mehr jüngere Menschen von der Attraktivität des Hausarztberufes zu überzeugen. Dabei hatte sie ihre Programm erst im vergangenen Jahr ausgeweitet.

Dabei greift die Staatsministerin anständig in die Staatskasse, um es jungen Ärzten schmackhaft zu machen, sich auf dem Land niederzulassen. 2012 bis 2014 standen 15,5 Millionen Euro bereit. Der Doppelhaushalt 2015/2016 sieht weitere 11,7 Millionen Euro bereit. Die Förderung setzt schon früh bei den Studierenden mit Stipendien an. Wer bereit ist, seine praktische Weiterbildung auf dem Land zu absolvieren und anschließend dort weitere fünf Jahre tätig zu sein, erhält 300 Euro. Die Summe soll auf 500 Euro steigen. Für innovative medizinische Versorgungskonzepte, die helfen, den Strukturwandel zu bewältigen, gibt es sogar 200 000 Euro. Und mit 170 000 Euro hilft die Staatsministerin denjenigen auf die Sprünge, die aus ganz persönlichen Hemmnissen“ davon absehen, Landarzt zu werden. Dabei gibt es auch einfache Mittel.

Auch für Psychotherapeuten

Das Ergebnis der ausgereichten Subventionen lässt sich zwar sehen, genügt aber nach den Worten der Ministerin noch nicht. Ihr Ministerium förderte bislang 182 Niederlassungen, darunter 161 Hausärzte, 17 Psychotherapeuten, ein Frauenarzt, drei Kinder- und Jugendpsychiater. Unterstützung bekamen 81 Studenten und elf Mal zahlte das Ministerium Zuschüsse für innovative medizinische Konzepte, die im Strukturwandel nützlich sind. Da gerieten schon der Landkreis und die Stadt Bayreuth aneinander.

Den Kreis der Personen, die in den Genuss von Zuschüssen kommen können, will die Ministerin ausweiten. Künftig sollen auch Ärzte und Psychotherapeuten Geld bekommen, wenn sie Filialen in Nachbarorten bilden. Altersdurchschnitt: Jeder dritte Hausarzt ist inzwischen 60 Jahre alt, wie sie sagt. Im Landkreis Wunsiedel fehlen schon jetzt Hals-, Nasen- Ohrenärzte. Im Landkreis Kronach droht Unterversorung bei den Augenärzten und in Selb steht die Unterversorgung bei Hausärzten bevor. Die Patienten müssen länger warten.

Was es bedeutet, wenn die ärztliche Versorgung nicht gesichert ist, schilderte die Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch dem Kurier. Senioren müssen unter Umständen lange Busfahrten nach Bayreuth oder Bamberg auf sich nehmen. Wie die Bürgermeisterin sagte fehlen in absehbarer Zeit drei Ärzte. In den vergangenen vier Jahren hätten sich zehn Interessenten vorgestellt, doch keiner davon ließ sich nieder. Die Prognosen sind düster.

Dr. Eder ging nach Mistelbach

Glücklich können sich da die Mistelbacher schätzen. Dort ließ sich vor zwei Jahren der 37-jährige Dr. Philipp Eder nieder. Sein Motiv: „Ich sehe es als eine einzigartige Chance als Familienmediziner, den Patienten kennen zu lernen, also nicht nur punktuell wie in der Klinik oder als Facharzt. Oft geht man ja durch dick und dünn mit den Menschen“, so Eder auf Anfrage. So wie er denken gerade zehn Prozent der Nachwuchsärzte.

Um dem Problem beizukommen, hat auch der Hausärzteverband etliche Initiativen entfaltet. Vor Kommunalpolitikern und 20 Medizinstudenten aus Erlangen warb die Vorsitzende des Bezirksverbands, die Allgemeinärztin Dr. Petra Reis-Berkowicz aus Gefrees für den Beruf. Sie bezeichnete die Allgemeinmedizin als Königsdisziplin und warb für die Selbstständigkeit als Arzt. Die Arbeit in einer Praxis erlaube es, Familie und Beruf zu vereinen, der ländliche Raum biete eine hohe Lebensqualität. „Die Menschen brauchen Sie“, sagte sie den Medizinstudenten. „Die Bedingungen für Hausärzte waren nie so gut wie heute“, so Reis-Berkowicz.

Nur zehn Prozent wollen

Weil aber nur ein Zehntel aller Studierenden den Weg aufs Land wählt, steht Staatsministerin Huml weiter vor einer großen Aufgabe. Huml: „Der Strukturwandel führt zu Veränderungen, die wir forsch, respektive offensiv bei den Hörner packen müssen, damit sie sich nicht zu Problemen auswachsen.“ Es zehre am Heimatgefühl, wenn die Wege zum Arzt als mühsam empfunden werden. Besonders ältere Menschen und Familien mit Kindern empfänden das so.