Hubschrauberabsturz Fischelhöhe Die Tragik nicht erfasst

Vor 50 Jahren erlebte Bernhard Mönch als neunjähriger Bub den Hubschrauberabsturz an der Fischelhöhe mit. Heute wohnt er ganz idyllisch im Kirchenthumbacher Ortsteil Haselmühle und bereitet sich unter anderem auf den nächsten Winter vor. Foto: fe/Frauke Engelbrecht

Als neunjähriger Bub hat Bernhard Mönch vor 50 Jahren den Absturz des US-Hubschraubers an der Fischelhöhe damals miterlebt. Für ihn und seine Kumpels war es ein Ferienerlebnis, die Tragik war ihnen nicht bewusst.

Pegnitz -

Wir waren damals so eine richtige Kinderclique“, erinnert sich Bernhard Mönch. Der 59-Jährige wohnte vor 50 Jahren in Pegnitz, in der oberen Blumenstraße, gegenüber der Kleinen Kneipe. Zusammen mit zwei seiner Geschwister, die drei größeren waren schon außer Haus. Heute ist er im Kirchenthumbacher Ortsteil Haselmühle wohnhaft.

Lange überlegt

Aufmerksam hat er in der Vergangenheit die Berichterstattung anlässlich des 50. Jahrestages des Absturzes des US-Hubschraubers an der Fischelhöhe verfolgt. Lange hat er überlegt, ob er sich auch melden soll, denn er hat das Ereignis damals ebenfalls als neunjähriger Bub mit erlebt.

„Ich habe damals im Sandkasten gespielt und andere Kumpel waren am Acker und haben Rangers geklaut. Unsere Reviere waren klar aufgeteilt“, erinnert er sich. Über das Gebiet fliegende Hubschrauber waren nicht außergewöhnlich, sie gehörten dazu. Auf einmal hat er eine riesige Rauchwolke am Himmel Richtung Winterleite gesehen und dachte schon, ein Benzinkanister, den sie mal in die Hecke geworfen hatten, sei explodiert. Dann sei sein Bruder angelaufen gekommen und habe von Menschen erzählt, die aus einem Hubschrauber gesprungen seien, einer sei in den Bäumen hängen geblieben. Dann sind sie zum damaligen Wirt der Kleinen Kneipe gerannt und hätten gerufen, er solle die Polizei anrufen, ein Hubschrauber sei abgestürzt. „Der dachte, wir wollen ihn veräppeln“, so Mönch.

Danach habe er sich sein Rad geschnappt. Seiner Mutter habe er sicherheitshalber nichts gesagt, weil er dachte, sie würde ihn sonst nicht gehen lassen. Mit den Brüdern Jürgen und Emil ist er dann zur Absturzstelle gerannt, die Räder haben sie geschoben, immer auf dem Feldweg entlang. „Oben haben wir Trümmer rumliegen sehen, die haben gebrannt“, so der 59-Jährige. „Jetzt ist in Pegnitz auch was passiert“, sei sein erster Gedanke gewesen, denn von abstürzenden Flugzeugen und Hubschraubern hatte er bislang nur aus dem Fernsehen in Berichterstattungen über den Vietnamkrieg gehört.

An der Absturzstelle haben sie dann abgedeckte Leichen gesehen, nur Feuerwehr und Sanitäter waren schon da, die Polizei noch nicht. Einer seiner Brüder war damals bei der Bundeswehr, sagt Mönch, und er habe völlig verwirrt auf die Namensschilder vereinzelter Leichen geschaut, ob er dabei sei. Dass es sich um Amerikaner handelte, sei ihm in dem Moment nicht bewusst gewesen. Was hat er empfunden, als er das alles gesehen hat? „In erster Linie Neugierde“, sagt Mönch, „wir waren damals Buben. Für uns war das in erster Linie ein aufregendes Ereignis in den Sommerferien.“ Die ganze Tragik, die dahinter steckte, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Dann ist er zum Mittagessen nach Hause gelaufen, er wollte keinen Ärger mit der Mutter bekommen. „Danach hat uns die Mutter an die Leine genommen und wir mussten daheim bleiben“, erzählt er weiter. Mit seinen Kumpeln hat er sich über das Erlebte dann noch ausgetauscht. „Für den Tag war dann erst mal Schluss“, sagt Mönch. Erst am nächsten Tag sei er mit seiner Bande wieder mit dem Rad rauf zur Absturzstelle. Da waren alle Leichen weg, nur eine habe noch im Baum gehangen, ist er sich sicher. Und überall lagen noch die Trümmer verteilt. Mönch erinnert sich an einen Syckorsky-Hubschrauber, der den Motorblock des abgestürzten Bananenhubschraubers abholte.

„Wir haben die nächsten beiden Wochen jeden Tag an der Fischelhöhe verbracht“, sagt er, „für uns war das Ganze ein Abenteuer.“ Die Jungs haben Kontakt mit den Amerikanern, die dort oben aufräumten, aufgenommen. Einmal habe ihn sogar einer mit dem Jeep nach Hause gefahren. Was hat seine Mutter dazu gesagt? „Nichts“, sagt Mönch, „sie wusste, dass wir in guten Händen waren und nichts anderes anstellen konnten.“ Für ihn und seine Freunde waren die Sommerferien gerettet. In der Schule anschießend war der Absturz dann kein Thema mehr.

Am Sonntag nach dem Absturz habe eine regelrechte Völkerwanderung zur Fischelhöhe stattgefunden, weiß Mönch noch. Jeder wollte mal schauen, was da passiert war. „Wir Kinder haben da nicht so drüber nachgedacht.“

Autor

 

Bilder