Die Gegenwartsfischchen
Irgendwann waren wir bei der Frage, warum Frau Hoppe über historische Persönlichkeiten schreibt, aber nicht eigentlich historische Romane. Sie sagte: „Das hängt mit meinem Zeitbewusstein zusammen. Für mich spielt sich alles zu gleichen Zeit ab. Unser Bewusstsein bestimmen diese Persönlichkeiten gleichzeitig. Klar gibt es einen Zeitstrahl. Aber wenn ich mich damit beschäftige, dann gewinnent diese Figuren eine Gegenwart, die ist stärker als der Alltag. Die kommen mir realer vor als mein Bäcker oder Friseur. Durch Bilder, durch Texte triit die Gestalt einem vor Augen, man nimmt bei allen Vorbehalten Kontakt auf. Ich kann mir Gegenwart ohne Vergangenheit nicht vorstellen. Vergangenheit, Gegenwart , Zukunft: ich stelle mir da als Becken vor, mit Vergangenheitsfischen, mit Gegenwartsfischen.... Deswegen kommt es vor, dass ich beim Erzählen das Tempus wechsle. Das hat meinen Lektor krank gemacht.“
Comics sind besser als ihr Ruf
Sie fragte mich dann aber auch noch etwas. Nämlich: „Lesen Sie Comics?“ Was ich zugebe. Warum auch nicht?
Sie liest sie ebenfalls gerne. Und bricht eine Lanze für die Bewohner Entenhausens. „Bei Donald Duck gibt da die Instanz der Vorgeschichte. Da wird ein Rahmen geschaffen. Aus diesem Rahmen heraus wird man in die eigentliche Geschichte hineingeführt, wie im Märchen. Ich glaube, dass die Menschen das lieben. Ich habe sehr oft mit Comics gearbeitet. Und wenn Vorwürfe kommen, dass das keine Literatur sei, dass das nur verhäckselte Sprache sei, kann ich nur sagen: Tick Trick und Track sprechen ein feines Hochdeutsch.“
INFO: Mit dem Germanistentag geht es am Mittwoch auf die Schlussgeraden. Das Programm beginnt um 9 Uhr im Audimax mit dem Plenarvortrag von Ulrike Almut Sandig, ",Ich bin mein eigenes Lied aus dem Off.' Über die Hörbarkeit von Dichtung am Beispiel der eigenen Stimme."
Die Poetin Ulrike Almut Sandig.