Homophobie Demonstration und Kritik wegen Verpflichtung Gergievs

Dirigent Valery Gergiev dirigiert in diesem Jahr die Oper "Tannhäuser" in Bayreuth. Foto: Georg Hochmuth/dpa

BAYREUTH. Valerie Gergiev wird in diesem Jahr den neuen "Tannhäuser" bei den Bayreuther Festspielen dirigieren. Weil dem russischen Dirigenten eine homophobe Einstellung nachgesagt wird, ruft ein lokales Bündnis am Freitag in Bayreuth zu einer Demonstration auf dem La-Spezia-Platz auf. Denn am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie.

Ein Zeichen für Toleranz setzen: Das wollen die Partei Die Linke und Mut Oberfranken an diesem Tag. Sie rufen zu Solidarität mit Menschen auf, die wegen ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und verfolgt werden. In dem Aufruf heißt es, auch jene Menschen sollen damit unterstützt werden, "die sich unter großer Gefahr für Minderheiten und deren Rechte einsetzen".

Der Russe Gergiev, seit 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, gilt als Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seit 1996 ist er dessen künstlerischer Leiter und Intendant. Wegen seiner Nähe zu Putin und weil er angeblich die Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung Russlands verteidigte, war der Dirigent bereits vor einigen Jahren in die öffentliche Kritik geraten.

In einem offenen Brief an das Münchner Opernpublikum erklärte Gergiev später: "Ich achte mein Volk und seine Traditionen. Ich achte und respektiere auch das, was als Lebensmaxime in Russland den Menschen von hohem Wert ist. Dazu gehört auch das Festhalten an Tabus, die in den westlichen Ländern seit einigen Jahren nicht mehr gelten, aber zu deren Aufhebung es viele Anläufe und viel Zeit brauchte.“  

Bündnis: Position beziehen

Die Organisatoren der Demonstration wollen dies jedoch nicht gelten lassen: "Kunst findet nicht in einem Vakuum statt. Kunst und Künstler können nicht von ihrer gesellschaftlichen Bedeutung getrennt werden. Gergiev zu engagieren heißt, seine Unterstützung von menschenverachtender Politik zu akzeptieren. Wer das akzeptiert, der ebnet den Weg für Homosexuellenfeindlichkeit und Diskriminierung." Auch die Bayreuther Festspiele und die Musik- und Kulturlandschaft sollten Position beziehen und Valery Gergiev nicht engagieren.

Festspiele: Verständnis für Demonstranten

Wie der Pressesprecher der Bayreuther Festspiele, Peter Emmerich, dazu mitteilte, können die Festspiele das Anliegen der Demonstranten nur unterstützen. „Dass die Festspiele in irgendeiner Weise homophob sind oder waren, ist von der Hand zu weisen.“

Sebastian Sommerer, Sprecher der Linken Bayreuth, sagt auf Nachfrage: "Uns geht es darum, ein Bewusstsein für diese Fragen zu schaffen." Denn feindselige und abwertende Haltungen gegenüber Lesben und Schwulen sieht Sommerer als gesamtgesellschaftliches Problem. Der 26-jährige Student lebt selbst mit einem Partner zusammen und. "Aber es gibt immer noch zu viele Menschen, die sich nicht trauen, das offen zu leben", meint Sommerer und setzt sich gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen ein, die in Russland und anderswo Repressionen ausgesetzt seien.

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe wollte sich auf Anfrage nicht zu der Personalie Gergiev äußern.

Info: Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Kurier-Printausgabe vom 15.5.2019.

 

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