Hoher Wellengang Modellsegler lassen ihre Boote zu Wasser

Obwohl sie nur ein Meter lang sind: Die Modellsegelboote der Mitglieder des Bayreuther Yachtclubs fahren sich wie die großen Vorbilder. Einziger Unterschied: Sie werden vom Ufer aus gesteuert. Am Sonntag eröffnete der Yachtclub Bayreuth seine Regattasaison.

Bayreuth - Hoher Wellengang und Sturmböen: Trotz widriger äußerer Umstände ließen die Mitglieder des RC Yachtclubs Bayreuth am Sonntag ihre Segelyachten zu Wasser. An ihrem Revier, dem Hammerstätter See, trafen sich sieben der zwölf Mitglieder zum Ansegeln der neuen Regattasaison. Sieger des Frühjahrswettbewerbs, der coronabedingt in den Mai verschoben werden musste, wurde erwartungsgemäß Andreas Hoffmann.

„Andreas ist unser Spezialist, an dem normalerweise kein Weg vorbeiführt“, sagt Clubpräsident Josef Bayer, der nach acht Durchgängen den zweiten Platz belegte. „Bei guten äußeren Bedingungen schaffen die Segler auch schon mal bis zu 20 Durchgänge an einem Regattatag“, sagt Bayer. Am Sonntag war das Wetter jedoch durchwachsen. Um nicht zu sagen so schlecht, dass Bayer und seine Kontrahenten – darunter eine Seglerin – sogar die einstündige Mittagspause ausfallen ließen.

Seit 30 Jahren Präsident

Fast 50 Jahre schon gibt es den Bayreuther Yachtclub, 1978 trat Bayer dem Verein bei und seit 30 Jahren führt er als Präsident den Verein an. Segeln mit Modellbooten sei nicht einfach ein Hobby von bastelfanatischen älteren Männern, wehrt Bayer ab. Die wenigsten Mitglieder würden ihre Schiffe selbst zusammenleimen. Und wenn, dann sei das nicht einfach nur Basteln, sondern hoch kompliziert und erfordere neben Talent viel Geschick. Denn einfach ein Segelboot bauen reicht nicht. Schließlich gehen die Segelboote in verschiedenen Klassen an den Start, was bedeutet, dass sie unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen: Größe, Gewicht, Ausstattung. Selbst die Fläche der Segel ist genau vorgegeben, sagt Bayer. Wer an Regatten außerhalb des Vereins teilnimmt, benötigt einen Messbrief. Den stellt ein unabhängiger Gutachter aus, der das Boot vor der Teilnahme unter die Lupe nimmt und pingelig genau prüft, ob die Vorgaben des Verbandes erfüllt werden. Ohne Messbrief keine Teilnahme.

Modellsegelboote sind kein Spielzeug, wenn sie auch so aussehen mögen. Sondern technisch hochwertig ausgestattete Sportgeräte. Allerdings, betont Bayer ausdrücklich, ohne Motorantrieb. Deshalb sei der Sport auch „brutal umweltfreundlich“. Sie vom Ufer aus mittels Fernsteuerung zu lenken, erfordere großes Geschick. Es unterscheide sich eigentlich kaum vom großen Segelsport. Man muss den Wind berechnen, die Wellen beachten, die Konkurrenz im Blick haben. Die Manöver unterscheiden sich nur dadurch, dass sie nicht im Boot, sondern vom Ufer aus erfolgen. „In unserem Sport muss man auch denken“, sagt Bayer.

Nachwuchs gesucht

Schade ist nur, dass der Spaß am Modellbootsport nicht mehr auf junge Menschen überspringt. Im Moment gehören noch zwölf Mitglieder dem Yachtclub an. „Wir werden immer weniger“, bedauert Bayer. Zum Clubabend im Gasthaus Grüner Baum treffe sich nur noch ein kleiner Kern. Wer mal ausprobieren will, ob er Spaß an diesem Sport hat: Am 20. Juni findet der nächste Regattatag auf dem Hammerstätter See statt. Und dann lassen Bayer und seine Sportfreunde auch Interessenten gerne mal ans Ruder zum Ausprobieren. Angst mus man nicht haben, dass man ein Boot versenkt. Sie können nicht untergehen, sagt Bayer, weil sie wasserdicht abgeschlossen sind. Und wenn das Boot dann doch mal außer Kontrolle gerät und abdriftet? Dann springt der Präsident auch schon mal in den Hammerstätter See, um es zu bergen. Das sei aber, sagt er, bisher erst einmal passiert.

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