Hoffen in Kronach Loewe-Deal steht kurz vor dem Abschluss

Symbolfoto: dpa

KRONACH.  Wer übernimmt den insolventen TV-Hersteller Loewe? Auch nach der Sitzung des Gläubigerausschusses am Dienstag gibt es kein greifbares Ergebnis. Der chinesische Konzern Hisense gilt bislang als Favorit für einen Einstieg bei Loewe. Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß will dies im Gespräch mit unserer Zeitung „weder bestätigen noch dementieren“

Es seien aktuell „nicht mehr als drei“ Interessenten im Rennen, sagt Weiß. In Kronach hofft man auf Hisense: „Wir hoffen es alle. Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt eine Loewe-Mitarbeiterin, die zum kleinen Rest der knapp 20 Beschäftigten in Kronach zählt.

Mit einer Entscheidung rechnet Weiß spätestens im Dezember. Er habe quasi ein Preisschild für Loewe ins Schaufenster gehängt. „Jetzt schleichen alle noch drumherum.“ Der Investor wird die Marke mit kaufen, bestätigt Weiß gegenüber unserer Zeitung. „Ohne Marke wird es keinen Deal geben.“ Mit dem Hauptgläubiger Riverrock sei man sich im Wesentlichen einig. Die Angebote der Interessenten seien aber noch nicht „annahmefähig“.

Loewe hat die Markenrechte an Riverrock gegen einen zweistelligen Millionenkredit verpfändet. Die britische Investmentgesellschaft soll mit rund 35 Millionen Euro bei Loewe engagiert sein. Riverrock selbst soll keine Ambitionen haben, Loewe zu übernehmen, kann aber über die Markenrechte den Investorenprozess beeinflussen. Ein Insider: „Riverrock versucht, die 35 Millionen Euro an Land zu ziehen.“

Zu einem angeblichen Treffen am 5. Dezember in der Staatskanzlei in München, bei dem es um mögliche Fördermöglichkeiten für Loewe gehen soll, meinte Weiß, er könne dazu nichts sagen. „Ich bin nicht eingeladen.“

Über die Aktion des Coburger CSU-Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach, der in einer Pressekonferenz Details einer möglichen Loewe-Übernahme bekannt gegeben hatte, zeigte sich Weiß verwundert. „Herr Michelbach verfügt offenbar über Auskünfte, die mir gar nicht vorliegen.“ Dass nur noch zwei Interessenten im Rennen seien, stimme nicht.

Hat Michelbach also Unsinn erzählt? So weit will Weiß nicht gehen, stellt aber zu von Michelbach zitierten Schreiben mit angeblich in Aussicht stehenden zweistelligen Millioneninvestitionen von Hisense in Kronach fest: „Ich kenne die Schreiben nicht, die er vorliegen hat. Es gibt kein entsprechendes Angebot.“

Michelbach hatte auch von angeblichen 18 Millionen an geplanten Investitionen in eine Supply Chain (Lieferkette) in Kronach berichtet. „Ich bin vor Lachen fast vom Stuhl gefallen“, sagt Weiß dazu.

Mit Hisense, Marktführer bei TV-Geräten in China, profitierte Loewe seit 2013 über ein Kooperationsabkommen von günstigeren Einkaufskonditionen bei Komponenten. Die Technologiepartnerschaft umfasst Einkauf, Entwicklung und Vertrieb.

Loewe unterstützte Hisense beim Geschäft der Chinesen in Europa. Eine Kapitalbeteiligung gibt es bisher nicht. Der chinesische Konzern mit über 30 Milliarden Euro Umsatz und 75.000 Mitarbeitern zählt nach eigenen Angaben zu den führenden Herstellern von Flachbildfernsehern, Haushaltsgeräten (Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Küchengeräte) sowie Klimaanlagen, Smartphones und Tablets.

Hisense ist neben China in 18 weiteren regionalen Standorten in Europa, Nordamerika, Australien, Afrika und Südasien präsent. Produziert wird in Europa, Mittelamerika und Südafrika. Weltweit unterhält der Konzern zwölf Forschungs- und Entwicklungszentren. Das europäische Forschungs- und Entwicklungszentrum befindet sich in Düsseldorf.

Der CSU-Abgeordnete Michelbach hatte in seiner Pressekonferenz die Hoffnung geweckt, dass Hisense in Kronach wieder produziert und vielleicht auch forscht und entwickelt. Hisense produziert bereits in Slowenien und Serbien und hat 2018 die Mehrheit am slowenischen Haushaltsgerätehersteller Gorenje übernommen.

 

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