Die Corona-Teststation mit Drive In an der Hofer Freiheitshalle öffnet wieder. Sie schloss Ende Juni, da es zu diesem Zeitpunkt keine nachgewiesenen Corona-Fälle in Stadt und Landkreis Hof gab. In dieser Woche sind sowohl am Donnerstag als auch am Freitag jeweils von 13 bis 14 Uhr Tests möglich. Ab nächster Woche hat die Teststelle an drei Tagen pro Woche - am Montag, Mittwoch und Freitag - ebenfalls in der Zeit zwischen 13 und 14 Uhr geöffnet. Je nach Bedarf ist es den Behörden möglich, die Öffnungszeiten auszuweiten oder zu reduzieren. "Wir können hier nur auf Sicht fahren", erklärt Landrat Oliver Bär am Mittwoch in einer telefonischen Pressekonferenz.

Auch Rehauer dürfen übernachten

Eine Leserin hat unserer Zeitung anonym mitgeteilt, dass der Betreiber einer Ferienwohnung an der Ostsee ihre Buchung wieder zurückgenommen habe, weil sie aus Rehau komme. Die Stadt sei bundesweit als Corona-Hotspot bekannt. Den Regeln, auf die sich Bund und Länder im Juni geeinigt haben, entspricht ein solches Vorgehen nicht. Stadt und Landkreis Hof liegen unterhalb des Werts von mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, ab dem ein Infektionsgeschehen als hoch gilt. Und läge er darüber, müssten die hier wohnenden Reisenden lediglich ein negatives Testergebnis aus den vergangenen 48 Stunden mit ins Hotel oder die Ferienwohnung bringen - dürften dann aber einchecken. Zudem gilt generell: Eine Unterkunft darf eine bestätigte Buchung nicht einfach zurücknehmen.

Gemeinsam mit Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla und Vertretern der Ärzteschaft stellte er das neue Corona-Testkonzept vor, das in Stadt und Landkreis künftig gilt. Es soll laut Bär ermöglichen, dass "sich jeder testen lassen kann, der sich testen lassen will - und zwar auf einfache Weise". Damit folgen die Behörden einerseits der Strategie des bayerischen Freistaats, der seit diesem Monat kostenlose Massentests für jedermann ermöglicht. Andererseits reagieren sie auf die bevorstehende Urlaubszeit und die durch einen Corona-Hotspot in Rehauer Großfamilien wieder rasch gestiegenen Fallzahlen in Stadt und Landkreis. "Das Virus macht keine Pause, keinen Urlaub", betont Döhla. "Wir dürfen uns jetzt nicht in Sicherheit wiegen."

Die zentrale Drive-In-Station am Backstage-Eingang der Freiheitshalle (Kulmbacher Straße 4) ist als Ergänzung des Testangebots der Ärzte zu verstehen und soll in erster Linie diejenigen Personen abdecken, die sich ohne begründeten Infektionsverdacht testen lassen möchten - etwa, weil sie ein negatives Testergebnis für die Urlaubsreise oder den Arbeitgeber benötigen. Eine Voranmeldung für Tests an der Freiheitshalle ist nicht notwendig.

Nötig ist allerdings, die Versicherungskarte mitzubringen. Nicht aus Gründen Abrechnung: Die Kosten trägt, wenn es keinen begründeten Infektionsverdacht gibt und die betreffende Person auch nicht zu gefährdeten Gruppen wie Klinik- oder Schulpersonal gehört, nicht die Krankenkasse sondern der Freistaat. Der Hofer Allgemeinmediziner Dr. Maximilian Dietrich, von Anfang an federführend mit dem Betrieb der Teststation betraut, erklärt: "Wir brauchen die Karte, weil darauf alle Namen korrekt dargestellt sind. Nicht alle Namen lassen sich beim Hören gut aufschreiben."

Eine "Renaissance der großen Teststelle, wie wir sie einmal hatten" gebe es trotz der Wiederaufnahme des Betriebs vorerst nicht. Besetzt sei sie aktuell nur mit einem Arzt und einer medizinischen Fachangestellten. Ändern könne sich das allerdings jederzeit. "In Stoßzeiten könnten wir auch problemlos jeden Tag testen", unterstreicht Dietrich. Das könne schnell wieder nötig werden, wenn die Sommerurlauber in die Heimat zurückkehren, fügt Landrat Bär an.

Die Benachrichtigung über ein negatives Testergebnis erfolgt digital. Sowohl das Testergebnis als auch ein Bestätigungsschreiben sind mittels einer Online-Identifikationsnummer einzusehen. Die Nummer erhalten die Getesteten bereits an der Teststelle. Die Testergebnisse liegen in der Regel innerhalb eines Tages vor.

Trotz Teststation sollte jedoch besonders in begründeten Corona-Verdachtsfällen nachwievor der Hausarzt erster Ansprechpartner sein - und zwar zunächst telefonisch. Doch auch generell können sich alle Bürgern nach Voranmeldung bei ihrem Hausarzt testen lassen. Ulrich Voit, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands, erklärt: "Alle Hausärzte bemühen sich, Abstriche zu machen. Es gibt allerdings viele Gründe, warum sich eine Praxis damit schwertun kann." Sollte der eigene Hausarzt nicht die Möglichkeit haben, einen Test vorzunehmen, werde er auf jeden Fall an einen Kollegen vermitteln, bei dem das der Fall ist.

So gibt es etwa Ärzte, die sich speziell für Abstriche anbieten. Sie sind auf einer Liste zusammengefasst, die sich auf der Internetseite des Landratsamt einsehen lässt. Aufgeführt sind aktuell zehn solcher Abstrichstellen. Auch Testzeiten und Voraussetzungen sind mit angegeben.

Eine zweite Säule des Testkonzepts bilden, neben den Tests für alle, Reihentests in Altenheimen. In regelmäßigen Abständen sollen sämtliche Bewohner und das Personal von Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit haben, sich freiwillig testen zu lassen.

Die dritte Säule besteht in lokalen Tests im Fall eines erhöhten Infektionsgeschehens. Bildet sich ein Hotspot, stellt das Landratsamt ein Testmobil zur Verfügung, das schnelle Tests an Ort und Stelle ermöglicht. Die Rehauer kennen das bereits: In der vergangenen Woche war, wie berichtet, ein solches Mobil bei ihnen im Einsatz. An drei Tagen mit einer Öffnungszeit von jeweils zweieinhalb Stunden hatten sich 678 Bürger auf Covid-19 testen lassen.

Alle dieser freiwilligen Tests waren negativ. Da sich die Infektionen auf zwei Großfamilien eingrenzen ließen, erachteten die Behörden einen erneuten Lockdown im Landkreis für nicht notwendig. Wie ein solcher im Fall der Fälle ablaufen würde, weiß auch Landrat Bär nicht: Es gebe dazu keine festen Vorgaben.

Damit es gar nicht erst zu kritischen Infektionswerten kommt, appellieren Behörden und Ärzte an die Bürger, sie mögen die Corona-Warnapp auf ihren Smartphones installieren und zur Sicherheit auch regelmäßig öffnen.