Höhenklinik Bischofsgrün Wie geht es nach 2026 weiter?

Von -Gagel
Die Höhenklinik der Deutschen Rentenversicherung in Bischofsgrün wird höchstwahrscheinlich im Jahr 2026 schließen. Mehr als 170 Arbeitsplätze gehen dann verloren. Foto: Wilhelm Zapf

Die Höhenklinik in Bischofsgrün soll 2026 schließen, dafür soll eine neue Klinik an der Lohengrin-Therme in Bayreuth gebaut werden. Gemeinde, Landratsamt und der aktuelle Betreiber – die Deutsche Rentenversicherung – suchen jetzt eine sinnvolle Nachnutzung für den Gebäudekomplex in Bischofsgrün.

Bischofsgrün - Die einen planen, die anderen müssen sich etwas Neues überlegen. Während der Bayreuther Stadtrat erst Ende Januar geschlossen für den Neubau einer Klinik der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Seulbitz gestimmt hat, heißt es für Bischofsgrün: eine Nachnutzung für die DRV-Höhenklinik zu finden. Deren Schließung ist seit 2016 im Gespräch, im vergangenen Jahr zeichnete sich dann das endgültige Aus des Bischofsgrüner Krankenhauses ab. 2026 soll endgültig Schluss sein, über 170 Arbeitsplätze gehen verloren.

Neun Millionen gehen verloren

„Für uns ist das ein ganz harter Schlag“, sagt Bischofsgrüns Bürgermeister Michael Schreier (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. Rund neun Millionen Euro Wertschöpfung bringe die Höhenklinik der Region rund um den Ochsenkopf pro Jahr. Und auch der Gemeinde selbst gingen Einnahmen, wie der Kurbeitrag, verloren.

Sanierung wäre günstiger

Wilhelm Zapf, Gemeinderat (FW) und Leiter der Touristinfo in Bischofsgrün, hat sich in einem Schreiben an unsere Zeitung gewandt – als Reaktion auf den beschlossenen Klinikneubau der DRV in Bayreuth. „Indirekt stimmt man hier also für die letztendliche Schließung der Höhenklinik bei Bischofsgrün, für die Schwächung des ländlichen Raumes in der Ochsenkopfregion, für den Abbau von Arbeitsplätzen in Bischofsgrün, Fichtelberg, Weißenstadt und Warmensteinach, für die Schwächung der Wirtschaft und des Tourismus in der Region“, heißt es darin unter anderem. Seiner Meinung nach sei die Lage der Höhenklinik optimal und auch die Patienten seien sehr zufrieden. „Außerdem ist der bauliche Zustand des Gebäudes gut. Eine Sanierung würde nur einen Bruchteil davon kosten, was der Neubau in Bayreuth verschlingt“, sagt Zapf auf Anfrage.

Unterlagen unter Verschluss

Rund 60 Millionen Euro waren 2016 vonseiten der DRV für die neue Klinik an der Lohengrin-Therme veranschlagt. Außerdem habe es vorab eine Wirtschaftlichkeitsberechnung gegeben. Der Gewinner dieser Berechnung sei laut der Deutschen Rentenversicherung eindeutig der Klinik-Neubau gewesen. Veröffentlicht hat die DRV diese Unterlagen aber bis heute nicht. „Vor Abschluss des derzeit laufenden Planungsverfahrens können keine Auskünfte erteilt werden“, heißt es auf Anfrage von einer Sprecherin der Deutschen Rentenversicherung.

Politiker setzen sich ein

Da halfen auch Nachfragen und Aufforderungen aus der Politik nichts. Auch der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek sowie Sozialministerin Carolina Trautner (beide CSU) hatten sich für den Erhalt der Höhenklinik eingesetzt. Das Sozialministerium hatte die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Deutschen Rentenversicherung rechtsaufsichtlich prüfen lassen. Aber auch darauf folgten Anfang 2022 keine guten Nachrichten: Es würde sich tatsächlich als wirtschaftlicher erweisen, neu zu bauen und die Höhenklinik in Bischofsgrün und die Klinik Herzoghöhe in Bayreuth zu schließen.

Verlust für Region

Für Landtagsabgeordnete Inge Aures ist das unverständlich: „Die Schließung ist ein Verlust für die ganze Region“, sagt sie auf Anfrage. Sie sei bei einigen Gesprächen mit Vertretern der DRV dabei gewesen. „Auf die Argumente, die von Bischofsgrüner Seite kamen, ist gar nicht eingegangen worden.“ Und auch die Kosten für den Neubau seien mit 60 Millionen Euro inzwischen wohl viel zu niedrig kalkuliert. Ähnlich sieht das der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel (CSU): „Bischofsgrün ist aufgrund seiner Lage der beste Standort für eine DRV-Klinik“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Für ihn sei es völlig unverständlich, das aufgeben zu wollen und einen Neubau zu wagen. Vor allem eines hätten sich die beiden Abgeordneten von der DRV gewünscht: mehr Transparenz und die Offenlegung der Wirtschaftlichkeitsberechnung.

Freie-Wähler-Landtagsabgeordneter Rainer Ludwig: „Die Höhenklinik war und ist eine wichtige Institution, nicht nur für die medizinische Versorgung vor Ort, sie stellt auch einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor dar. Es gab viele gute Konzepte zur Fortsetzung der Klinik, zum Beispiel zur Behandlung von Long-Covid-Patienten. Insofern bedauere ich es sehr, dass die massiven Standortvorteile der Höhenklinik nicht gesehen wurden und die Klinik voraussichtlich ihre Pforten schließen muss.“

Was soll in die Höhenklinik?

Und wie steht es um die Nachnutzung des Bischofsgrüner Klinikgebäudes? Die ersten Gespräche mit Vertretern der DRV, der Gemeinde Bischofsgrün und der Regionalentwicklung des Landkreises Bayreuth hätten inzwischen stattgefunden, sagt Bürgermeister Schreier. „Gemeinde und Landkreis dürfen aktiv auf mögliche Interessenten zugehen. Das hat man uns zugestanden. Bis 2026 eine sinnvolle Nachnutzung zu finden, ist allerdings eine Herausforderung.“

Behörde, Brauerei oder andere Varianten

Eine Möglichkeit: Es könnte eine Landes- oder Bundesbehörde in die Höhenklinik einziehen. Vielleicht sei das im Zuge der Verlagerung möglich. Die „sauberste Lösung“ für Inge Aures: Die Höhenklinik bleibt eine Klinik. „Es ist ja schon alles da“, sagt sie. Etwas unkonventionell ist eine Variante, die auch in der Sitzung des Bischofsgrüner Gemeinderats im Januar thematisiert wurde: eine Zweigstelle der Brauerei Maisel auf dem Gelände der Höhenklinik. „Das würde den Neubau ersparen und man kann ja mal anfragen“, sagt Wilhelm Zapf mit einem Augenzwinkern. Eines wollen die Bischofsgrüner auf jeden Fall: „In Sachen Höhenklinik im Gespräch und in Bewegung bleiben“, sagt der Bürgermeister.

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