Hochwasser Land unter in den Maintälern

Schneeschmelze und Dauerregen haben die Flüsse über die Ufer treten lassen. Zahlreiche Straßen waren unpassierbar.

Kulmbach - Die Anlieger in Gebieten, die regelmäßig von Hochwasser in Flüssen heimgesucht werden, hatten sich vorbereitet. Schon am Donnerstag war klar, dass die Flüsse über die Ufer treten würden. Am Freitag war es so weit. Sowohl im Bereich des Weißen als auch des Roten Mains mussten Straßen gesperrt werden. 19 Mal musste die Integrierte Rettungsleitstelle Bayreuth-Kulmbach Einsatzkräfte auf den Weg schicken. Einige Bäume waren umgefallen, Straßen waren unpassierbar. In einigen Fällen, sagte ein Sprecher der Leitstelle, sei Wasser in Keller eingedrungen. Feuerwehrleute mussten verstopfte Gullys ausräumen, damit das Wasser abfließen konnte.

Wenn es um Straßensperrungen wegen Hochwassers geht, spricht die Polizei von den „üblichen Verdächtigen“. Bei Ködnitz gehört die Straße nach Ebersbach dazu, im Rotmaintal ist es die Strecke zwischen Thurnau und Neuenreuth, und auch in der Ortsdurchfahrt von Langenstadt mussten wieder die Sperrschilder aufgestellt werden.

Um 17.03 Uhr am Freitag meldete der Hochwasserwarndienst Bayern, dass das Tauwetter und ergiebige Regenfälle die Pegel steigen ließen und erste Meldestufen ausgelöst werden mussten. Bei Ködnitz war zu dieser Zeit der Pegel schon über die Schwelle zur Stufe 2 gestiegen, Tendenzsteigend. Die Vorhersage, es könnte eventuell Stufe 3 erreicht werden, traf ein. In der Nacht zum Samstag war es dort so weit. Um Mitternacht war das Wasser bis auf 3,54 Meter gestiegen. Zum Vergleich: Am Donnerstag um 10 Uhr waren es nur nur 1,55 Meter gewesen. Die Stufe 3 wird an dieser Stelle des Weißen Mains ab einem Wasserstand von 3,50 Meter erreicht.

Einen deutlichen Anstieg gab es auch in der Schorgast bei Wirsberg. Dort überstieg der Pegel die Warnstufe 1.1,23 Meter Wasser hatte die Schorgast am Donnerstagvormittag noch geführt. 1,67 Meter waren es am Samstagvormittag. Auch in Untersteinach wurde im Bereich der Unteren Steinach die Meldestufe 1 erreicht.

Während sich an den Oberläufen die Lage stabilisierte oder sogar beruhigte, sah es flussabwärts anders aus. Der Main bei Mainleus stieg auch am Samstagnachmittag noch deutlich an. 1,66 Meter tief war das Wasser am Donnerstag, am Samstag um 15 Uhr war der Stand bei 3,64 Meter. Da war die Warnstufe 3, die bei einem Pegel von 3,20 Meter ausgelöst wird, längst überschritten. Die Vorhersagen des Hochwasserwarndienstes kündigten ein weiteres Ansteigen an. Beruhigende Nachricht für alle Anrainer: Die höchste Hochwasserwarnstufe 4 würde diesmal nicht erreicht werden. Würde das Wasser des Mains bei Mainleus auf vier Meter steigen, käme es auch zu Überflutungen in größerem Umfang in bebauten Gebieten, der Einsatz der Wasser- oder Dammwehr wäre dann in größerem Umfang erforderlich geworden. Nur wenige Zentimeter trennten die Menschen in den betroffenen Gebieten von einem Hochwasser größeren Ausmaßes.

Den ganzen Samstag über blieben die Flüsse auf relativ hohem Niveau. Sinkende Temperaturen und nachlassende Niederschläge sorgten dann am Sonntag dafür, dass sich die Wasserstände langsam wieder absenkten. Einzelne Straßen an besonders neuralgischen Punkten werden aber voraussichtlich auch am Montag noch gesperrt sein.

Was die Feuerwehren an Tagen wie diesen gar nicht gebrauchen können sind „Witzbolde“, die unnötige Einsätze auslösen. Wegen einer offensichtlichen Falschmeldung musste die Kulmbacher Feuerwehr am Freitag zum Bahnhof ausrücken. Dort sei, so hatte ein Anrufer behauptet, die Unterführung zu den Bahngleisen vollgelaufen. Als der Einsatzleiter dort eintraf, war alles wie es sein sollte. „Nicht einmal eine Wasserpfütze war vorzufinden“ teilt die Wehr auf ihrer Homepage mit. Vorsichtshalber haben die Einsatzkräfte dann auch noch die Unterführungen in der Kronacher Straße und im Pörbitscher Weg kontrolliert, aber auch da war kein Wasser eingedrungen.

 

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