Hochschule für Kirchenmusik Wie trotz Corona Chorleiter ausgebildet werden

So lernen die Studierenden an der Hochschule für Kirchenmusik das Dirigieren: Der Chor ist nur solistisch besetzt, die Sänger halten einen Abstand von mehreren Metern ein. Foto: red

Abstand halten: Das gilt auch bei der Ausbildung von Chorleitern. An der Hochschule für Kirchenmusik Bayreuth ist das auch in Zeiten der Corona-Pandemie möglich.

Bayreuth -

Die Chorszene liegt am Boden. Wieviele Chöre nach der Corona-Pandemie ihren Probenbetrieb wieder aufnehmen werden, ist offen. Jetzt schlagen der Deutsche Musikrat und die AG Chorleitung der deutschen Musikhochschulen Alarm. Sie fordern die Sicherstellung der Lehre für Chorleiterinnen. Ausgebildet werden Chordirigenten auch an der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik Bayreuth. Dort scheint man die Lage ganz gut im Griff zu haben.

Der Deutsche Musikrat weist in einer Pressemitteilung auf die schwierige Ausbildungssituation von Musikstudierenden hin und betont, dass durch den Corona-bedingten Mangel an Schlüsselerfahrungen wie dem gemeinsamen Proben, Projektarbeit und Auftritten vor Publikum junge Musiker dauerhaft in ihren Zukunftschancen und in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschädigt werden. Anne Kohler, Sprecherin der AG Chorleitung der deutschen Musikhochschulen teilt dazu mit: „Es ist alarmierend, dass wir eine Generation von Schul- und Kirchenmusikerinnen und -musikern ausbilden, die Chorsingen und Chorleitung nicht adäquat erlernen darf. Die jungen Menschen starten minderqualifiziert in die Berufspraxis, wenn die Politik die Hochschulen daran hindert, ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Das Singen an Schulen, in der Jugendchorarbeit, in Kirchen und im Profibereich ist in Gefahr!“

Solistisch besetzt

Nicht ganz so dramatisch schätzt Prof. Wolfgang Döberlein, Rektor der Bayreuther Hochschule, die Lage ein. Zwar weiß auch er von großen Musikhochschulen, an denen der Chorbetrieb Corona bedingt extrem leidet, doch in Bayreuth habe man die Situation ganz gut im Griff.

Jeder der Studierenden erhält hier unter anderem auch Unterricht in Chorleitung. Allerdings anders, als in normalen Zeiten. Seit mehr als einem Jahr ist der Chorleitungsunterricht so geregelt, dass man sich auf solistisch besetzte Quartette oder Quintette beschränkt. Die Proben mit diesen kleinen Ensembles finden in möglichst großen Räumen statt, die einen Mindestabstand von zwei bis vier Metern ermöglichen. Gegebenenfalls werden Nieß-Spuck-Trennwände aufgestellt. Die maximale Probenzeit beträgt 30 Minuten, auf die 15-minütiges Lüften folgt. Seit zwei Wochen werden vor den Proben Schnelltests vorgenommen.

Kein Konzertchor

„Alles, was die Probenmethodik anbelangt, geht zu 95 Prozent“, sagt Wolfgang Döberlein. Und er kann sogar einen Vorteil erkennen: Durch das solistische Singen werde das Bewusstsein für das chorische Singen umso mehr geschult. „Ich bin ganz dankbar, dass das so geht“, sagt der Rektor der Hochschule. Die Gefahr, dass die Ausbildung Schaden nimmt, sieht Döberlein im Moment nicht. Dies wäre dann der Fall, wenn sich Corona über acht Semester hinziehen würde und die Studierenden kein einziges Mal vor einem richtigen Chor stehen würden. „Wir haben das total im Griff“, sagt Döberlein, was jedoch nicht für den großen, 80-köpfigen Konzertchor gilt. Dieser darf im Moment auf keinen Fall proben, ebenso wie die Kinderchöre.

Chordirigenten werden in Bayreuth also auch in Zeiten der Pandemie professionell ausgebildet. Doch möglicherweise droht dem Chorgesang Gefahr von der anderen Seite. Was mit den vielen Chören auf Land passiert, die sich seit mehr als einem Jahr nicht mehr treffen können, kann im Moment niemand abschätzen. Droht hier sang- und klanglos das Ende? Zwei Szenarien sind denkbar: Entweder alles bricht weg, oder die Sehnsucht nach Gesang ist so groß, dass es wieder mit vollen Segeln losgeht.

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