Trachten zu bewahren scheint schwierig zu sein. Nix ist fix, auch bei den Trachten. Jedes Jahr eine neue Mode, und das beim traditionellen Gewand...
Jauernig: Tracht war nie statisch. Kleidung ist nonverbale Sprache, und wie die Sprache ändert sich auch die Tracht. Das war schon immer so. Ein Brautpaar im Jahr 1820 kleidete sich anders als ein Brautpaar 1810. Tracht hat immer modische Einflüsse aufgenommen, im Spannungsfeld der Tradition. Wenn die Leute etwas neues ausprobiert haben, haben sie sich auch früher schon gefragt, wie das ankommt und was die anderen sagen werden. Es sind oft Nuancen, die sich ändern, etwa die Rocklänge, bestimmte Dessins oder die Vorliebe für spezielle Auszier an der Tracht. Es gab bei der Tracht, wenn wir die historische ländliche Kleidung so nennen wollen, auch große Brüche, etwa um 1800, als sich die Einflüsse der Empiremode auch auf dem Land bemerkbar machten: die hohe Taille, die kurzen Jacken, die langen Hosen bei den Männern. Dass die Kleidung auf dem Land zwar Modeströmungen aufnahm, sich aber der Mode nicht unterwarf, lag einfach daran, dass die Menschen in der dörflichen oder kleinstädtischen Gesellschaft sich in einem festen Rahmen von Traditionen, von Bräuchen und Sitten befanden. Aus diesem Spannungsfeld heraus entstanden Trachten als charakteristische regionale Kleidungsweisen.