Historische Rarität an das Deutsche Dampflok-Museum in Neuenmarkt übergeben Handmarie flirtet mit Dampfrössern

Von Wolfgang Schoberth

Während der Pfingstdampftage übergab das Rote Kreuz Neuenmarkt-Wirsberg eine historische Kostbarkeit an das Dampflokmuseum. Zum Fundus gehört nun auch eine Rettungskarre aus dem Ersten Weltkrieg.

Unser Bild, aufgenommen im Lokschuppen des DDM, zeigt die Übergabe der Rolltrage. Von links: Michael Bayer (BRK Lehenthal) an der Kopfseite der Rollbahre, daneben Rüdiger Köhler, Landrat Klaus-Peter Söllner, Jürgen Dippold (Kreisgeschäftsführer BRK), Bernd Winkler, Vorsitzender der CHW-Bezirksgruppe Kulmbach, der momentan zum 125-Bestehen zum BRK Kulmbach an ei er Chronik arbeitet, Marcus Pöhlmann, Detlef Fischer mit seinem Enkel Tony, Max Türk (BRK-Verwaltungsleiter Kulmbach) und Jürgen Häußinger aus Lehenthal. Foto: Wolfgang Schoberth Foto: red

Da nach Ausbruch des Krieges im August 1914 immer mehr verwundete und schwer verwundete Frontsoldaten ankamen und vom Bahnhof zum Lazarett, dem „Haus Ruth“ in der Wirsberger Straße, etwa einen Kilometer entfernt, transportiert werden mussten, legte sich die Rotkreuz-Kolonne die einachsige Trage zu. Über Jahrzehnte schlummerte es im Depot, bis Detlef Fischer die Initiative ergriff, das rare Stück restaurieren zu lassen. Für den Leiter der RK-Bereitschaft ist die „Handmarie“, wie sie liebevoll genannt wird, das Urmodell heutiger moderner Tragen, wie sie bei den Rettungsdiensten üblich sind.

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Mit ausgeklügelter Technik

Auf dem ersten Blick unscheinbar, weist die Räderbahre eine ausgeklügelte Technik auf. Als große Neuerung zu den üblichen Tragen, mit denen sich die Sanitäter und Krankenpersonal schwer plagen mussten, wurde sie erstmals bei der Weltausstellung in Wien 1873 vorgestellt: Große Speichenräder mit schmaler Hartgummibereifung erleichtern den Einsatz über weite Strecken. Durch Doppelblattfedern an Starrachse und Fahrgestell kann der Kranke sanft gebettet und schonend transportiert werden. Löst man eine Sicherung, lässt sich die Liege leicht anheben, wodurch die beiden Helfer an den vorderen und hinteren Holmen aufrecht schieben können.

Kurbel für die Kopfstütze

Die rostbraune Plane ist aus robuster, wasserdichter Segeltuchbespannung, so dass der Verwundete bei jedem Wetter trocken liegt. Zusätzlich kann man ihn mit Wolldecken und Wärmflaschen betten. Besonders raffiniert ist die Kopfstütze – sie kann über eine Kurbel exakt reguliert und den Bedürfnissen des Verletzten angepasst werden.