Historisch Anne Haug drittschnellste Frau aller Zeiten

Sogar noch eine Sekunde schneller, als auf der Anzeigetafel zu lesen, war Anne Haug bei ihrem ersten Ironman-Sieg in Kopenhagen. Foto: Benjamin Gardner Hall

TRIATHLON. Anne Haug hat den Ironman Kopenhagen nicht nur – wie berichtet – mit einem neuen Streckenrekord gewonnen, sondern dabei auch die bisherige deutsche Bestmarke auf der Langdistanz geknackt. Mit ihren 8:31:32 Stunden blieb die 36-jährige Bayreutherin fast dreieinhalb Minuten unter der Zeit, die Laura Philipp erst im vergangenen Jahr aufgestellt hatte.

Beim Ironman Barcelona hatte die 32-Jährige die 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in 8:34:57 Stunden absolviert und bei ihrem Langdistanz-Debüt gleich einen Sieg gefeiert. Diese Zeit, die ganz oben auf ihrer Homepage zu sehen ist, wird die Dritte der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2017 jetzt aber vielleicht entfernen können.

Denn Haug unterbot ihre eigene Bestleistung vom Ironman Hawaii (8:41:58) in der dänischen Hauptstadt um über zehn Minuten. „Ich war selber am meisten überrascht“, sagte sie am Tag nach ihrem Rekordrennen. Schließlich war es ihr erster Wettkampf nach der Verletzungspause. „Da herrscht immer große Unsicherheit, wo man steht. Ich hatte nur wenig Zeit, um mich vorzubereiten, bin erst seit vier Wochen wieder im Lauftraining. Umso mehr freue ich mich über das tolle Rennen.“

Nur Wellington und Ryf schneller

Und umso beeindruckender war ihre Leistung. Für eine erneute Hawaii-Qualifikation hätte sie als Vorjahresdritte nur ins Ziel kommen müssen. Stattdessen erzielte Haug die fünftbeste Zeit aller Zeiten. Nur die beiden Ausnahmetriathletinnen Chrissie Wellington aus Großbritannien und die Schweizerin Daniela Ryf waren jemals schneller – dreimal davon auf dem ultraschnellen Kurs in Roth. 2011 benötigte Wellington 8:18:13 Stunden, ein Jahr zuvor eine Minute länger. Ryf kam 2016 nach 8:22:04 Stunden ins Ziel, im vergangenen Jahr auf Hawaii nach 8:26:16.

Und auch die Disziplin-Zeiten von Haug können sich sehen lassen. In 4:37:28 Stunden (Schnitt 38,92 km/h) gehört ihr jetzt die fünftschnellste Radzeit hinter Ryf, deren Landsfrau Caroline Steffen, der Niederländerin Yvonne van Vlerken und Wellington. Für das Schwimmen – nur die am Ende zweitplatzierte Dänin Camilla Pedersen war zwei Sekunden vor ihr aus dem Wasser gestiegen – hatte Haug 51:04 Minuten benötigt, den abschließenden Marathon lief sie in 2:57:26 Stunden. Somit waren in Kopenhagen nur drei Männer schneller als sie: Sieger Philipp Herber aus Hamburg in 8:19:14 Stunden sowie die beiden Dänen Lars Dyrholm (8:22:31) und Jacob Aagaard Ernst (8:28:37).

„Ich wusste, dass ich eine gute Schwimmform habe, und habe auf dem Rad meinen Job gemacht“, sagte Haug. Und das, obwohl sie auf den letzten sieben Kilometern einen Platten hatte. Die Zeit hatte sie aber auch schon vorher nicht im Blick, wie sie verriet. „Das ist bei einem Ironman kein gutes Ding. Man muss in sich reinhören und sich selber pacen, damit man die Distanz schafft.“

Regenerieren für Hawaii

Vielleicht kann Haug ja aber im nächsten Jahr in Roth Wellingtons Weltbestzeit knacken. Beim diesjährigen Challenge hatte sie zumindest einen Start angedeutet, momentan will sie aber noch nicht so weit denken. „Jetzt muss ich erst einmal regenerieren, um fit für Hawaii zu sein. Was nächstes Jahr ist, werde ich erst danach entscheiden.“ Und auch eine Prognose für die Weltmeisterschaft am 12. Oktober in Kailua-Kona will Haug noch nicht abgeben. „Mir fehlen einfach drei Monate Lauftraining. Das kann man nicht ändern und muss das Beste daraus machen. Ich werde mich mit meinem Trainerteam vorbereiten und hoffe, dass das Bein gut hält.“

Auf Hawaii wird Haug dann auch wieder auf die ebenfalls von Dan Lorang trainierte Sarah True treffen. Der in Frankfurt in Führung liegend 900 Meter vor dem Ziel zusammengebrochenen US-Amerikanerin reichte in Mont-Tremblant (Kanada) der zweite Platz hinter der Australierin Carrie Lester, um sich zu qualifizieren.

 

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