Hilfe für psychisch kranke Straftäter Bezirkskrankenhaus Bayreuth weiht Neubau für Ergotherapie und Sport ein

Von Michael Weiser

Die forensische Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth befindet sich auf der Schlussgeraden einer Runderneuerung: Mit einem Neubau für Sport- und Ergotherapie rüstet sich die Klinik für die gestiegene Patientenzahl und therapeutische Herausforderungen.

Die Räume sind nüchtern, hell und tatsächlich "klinisch" sauber, die Sicherungseinrichtungen   unauffällig: dickes Sicherheitsglas, vergitterte Dachluken in der Sporthalle, die mit einer Metallblende gegen Blicke abgeschirmten Zifferntasten für die Türen. 

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Schon anhand solcher Äußerlichkeiten kann man erahnen, wie weit sich in Bayreuth der Maßregelvollzug entwickelt hat: Vom "Narrenhäuslein" übers markgräfliche "Zucht- und Arbeitshaus" für "Melancholicos und Wahnwitzige, die in der Freyheit sich und andern zum Schaden sind", bis zur hochspezialisierten Klinik für forensische Psychiatrie der Gegenwart, die auf psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter eingehen kann.

Seit neuestem eben auch mit einem Angebot an Sport- und Ergotherapie: Am Montag wurde der dafür bestimmte Neubau eingeweiht und damit zwar nicht direkt der Öffentlichkeit übergeben, aber doch dem öffentlichen Interesse anbefohlen. Denn, wie einige Festredner durchblicken ließen: Von Einrichtungen der forensischen Psychiatrie werde wenig Notiz genommen. Sie seien, so Bezirkstagspräsident Günther Denzler, mit "Vorurteilen beladen". Und darüber hinaus gar mit "ungerechtfertigter Kritik" konfrontiert, wie Manfred Wolfersdorf, der ärztliche Leiter des Bezirkskrankenhauses, mit Blick auf den Fall Gustl Mollath sagte.

7,4 Millionen Euro hat die Regierung von Oberfranken für den neuen Trakt bezahlt, der auf 1250 Quadratmetern unter anderem Arbeitsräume - inklusive eines Raums mit PCs -, eine Turnhalle und einen Fitnessraum beherbergt. Schon bereitet man sich auf einen weiteren, abschließenden Bauabschnitt vor, der weitere Stationen in einem Neubau versammeln wird. Nötig sei das schon deswegen, weil Patienten in einem Altbau "nicht mehr zeitgemäß unterzubringen" seien, sagte Klaus Leipziger, Leiter der forensischen Psychiatrie. Das Geld ist gut investiert, folgt man Leipziger, der darauf hinwies, welch Arbeit im Maßregelvollzug geleistet werde, um die "Sicherheit der Bevölkerung hochzuhalten und zu gewährleisten". Überdies nutzt die hoch entwickelte Psychiatrie auch den Patienten: Bayreuth weise "stattliche Entlassungszahlen nach gelungener Rehabilitation" auf.

Allerdings könnten auch die Neubauten bald schon an ihre Grenzen stoßen: Innerhalb von nicht einmal 20 Jahren hat sich die Zahl der Patienten mehr als verdoppelt. Zurückzuführen ist dies nicht zuletzt auf die Chrystal-Meth-Schwemme der vergangenen Jahre. Zur Zeit sorgen in der forensischen Klink 240 Ärzte, Therapeuten und Pfleger für 160 ambulante und 209 stationäre Patienten.