Heute vor 25 Jahren Nürnberg erinnert an NSU-Mord an Enver Şimşek

Der Blumenhändler Enver Şimşek ist heute vor 25 Jahren in Nürnberg erschossen worden. Er war das erste von mindestens neun Mordopfern der Terror-Organisation.

Der Blumenhändler Enver Şimşek ist am 9. September 2000 in Nürnberg von der Terror-Organisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) erschossen worden. Şimşek wurde an seinem mobilen Blumenstand niedergeschossen und starb zwei Tage später an seinen Verletzungen. Der damals 38-jährige Familienvater mit türkischen Wurzeln war das erste von zehn Mordopfern, die die Neonazis zwischen 2000 und 2007 ermordet haben.

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In Nürnberg erinnert nun der Enver-Şimşek-Platz an das erste Mordopfer des NSU. Am heutigen Jahrestag findet eine Gedenkveranstaltung in Nürnberg statt, an der auch die Familie des Verstorbenen teilnehmen wird.

Neonazis morden weitere Male in Nürnberg

Der NSU ermordete noch zwei weitere Menschen in Nürnberg zu. Abdurrahim Özüdoğru ist am 13. Juni 2001 in seiner Änderungsschneiderei in der Südstadt mit zwei Kopfschüssen getötet worden. Er hinterlässt eine Tochter. Das insgesamt sechste Opfer der Terrororganisation war İsmail Yaşar, der 9. Juni 2005 im Nürnberger Stadtteil Gleißhammer erschossen wurde. Er war 50 Jahre alt und hatte einen Sohn.

Die Ermittlungen zum Mord am ersten Opfer Şimşek verliefen zunächst ergebnislos. Die Polizei verdächtigte sogar die Familie des Opfers. Erst Jahre später, nach dem Auffliegen des NSU, wurde bekannt, dass Şimşek Opfer eines rassistisch motivierten Mordes wurde. Seine Tochter, Semiya Şimşek, hat sich seitdem für die Aufarbeitung und Erinnerung an die Opfer des NSU eingesetzt.

Nürnberger OB sieht Staatsverschulden

Über die Gefahren des Rechtsextremismus aufzuklären, „ist der Auftrag der gesamten Gesellschaft“, betont der Nürnberger Oberbürgermeister Marcus König gegenüber der Nachrichtenagentur „News5“. König hatte die Familie Şimşek ins Rathaus geladen. Der Oberbürgermeister verwies auch auf offene Fragen. „Es gibt immer noch Hintermänner, die bis heute nichts entlarvt worden sind.“ König sei mit Semiya Şimşek auch an der Einweihungen des Platzes gewesen. „Und da habe ich gesagt: ,Das ist ein Staatsverschulden gewesen, und das muss aufgeklärt werden’“.

Wichtig sei dem OB zufolge auch, zuzuhören, den Opfer-Familien Gehör zu schenken. Um neonazistischen Strömungen in Deutschland etwas entgegenzusetzen, dürfe man nicht wegschauen. „Wie oft fallen rassistische Äußerungen und man dreht sich um und denkt: ,Hab ich nicht gehört’? Ich glaube, da ist jeder gefragt, dass er einschreitet“, sagt König.

„Jugendliche müssen aufgeklärt werden“

Wichtig sei zudem, „dass wir die Jugend aufklären. Und wenn ich mir die Wahlen anschaue, auch die unter 18-Jährigen. Da ist unser Auftrag in den Schulen“. König sei dankbar, dass sich auch die Familie Şimşek und auch andere Opferfamilien bereit erklärt hätten, in Schulen zu sprechen, um Jugendliche davon wegzubringen, „eine Partei oder Parteien zu wählen, die demokratische Strukturen zerstören wollen“.