Sie haben am Mittwoch Ihren Abschied gefeiert. Wie fühlen Sie sich jetzt?
Professor Klaus Henneking war 13 Jahre lang Ärztlicher Direktor am Klinikum, 18 Jahre lang Chefarzt. Im Kurier-Interview spricht er am ersten Tag seines Ruhestands über seine Arbeit, die schwierigen Zeiten am Klinikum und seine Zukunft.
Sie haben am Mittwoch Ihren Abschied gefeiert. Wie fühlen Sie sich jetzt?
Nach der Werbung weiterlesen
Klaus Henneking: Gut. Auf der einen Seite traurig, dass man nichts mehr machen kann. Auf der andern Seite ist es aber auch gut, dass man frei hat. Aber das ist schon ein Umbruch.
18 Jahre lang waren Sie Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, 13 Jahre lang Ärztlicher Direktor. In Ihre Zeit fallen einige unerfreuliche Geschichten, darunter die verstorbenen oder behinderten Säuglinge, kürzlich die Streitereien um ihren Nachfolger als Chefarzt, Dr. Ponsel. Was war Ihre Taktik in schwierigen Zeiten?
Henneking: Mir ging es immer darum, die Klinik am Laufen zu halten. Ich habe vier Geschäftsführer miterlebt, das ist für ein kommunales Haus relativ viel. Als Ärztlicher Direktor hat man schon Einflussmöglichkeiten im Aufsichtsrat. Wir haben 2300 Mitarbeiter bei 1089 Betten und sind der größte Arbeitgeber in Bayreuth. Wir haben einen Umsatz von 210 Millionen Euro. Mein Bestreben war immer, dass das Klinikum in kommunaler Hand bleibt, dass es nicht an einen privaten Träger übertragen wird. Und als Vorsitzender der Hygienekommission war mir immer besonders wichtig, dass in Sachen Hygiene nichts Schlimmes passiert.
Welche Jahre sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Henneking: Die letzten drei waren die anstrengendsten. In dieser Zeit lagen die Gründung der Kommission Beatmung, und die Neustrukturierung der Kardiologie und Intensivmedizin.
Sie haben in den vergangenen 18 Jahren etwa 6000 Patienten operiert. Abgesehen von der medizinischen Entwicklung: Wie wirkt sich diese Menge auf Ihre Arbeit als Chirurg aus?
Henneking: Mich haben die Jahre nicht abgehärtet, sondern kritischer gegenüber mir selbst gemacht. Komplikationen hat jeder Chirurg. Wenn bei einer Operation etwas nicht so wird, wie man es sich vorgestellt hat, dann belastet das mich psychisch mehr als früher.
Sie operieren täglich Menschen mit Krebsgeschwüren in der Lunge. Trotzdem waren Sie lange Zeit starker Raucher. Wie passt das zusammen?
Henneking: Woher wissen Sie das? Das Rauchen habe ich vor einem Dreivierteljahr aufgegeben wegen Herzbeschwerden, bis auf eine gelegentliche Cigarillo. Zu 85 Prozent ist Rauchen schuld am Bronchialkarzinom. Chirurgen sind andere Menschen. Das ist der Stress, das ist ein automatisches Handeln. Man geht aus dem OP, telefoniert, holt sich einen Kaffee und raucht. Das ist eben so.
Mit Ihrem Ruhestand ist auch die Schließung der Abteilung für Thoraxchirurgie verbunden.
Henneking: Ich hätte das gerne aufrechterhalten, weil mir das Klinikum am Herzen liegt. Das ist ein Verlust fürs Klinikum. Ich habe in den letzten fünf Tagen noch fünf Lungen operiert. Mein Nachfolger kann die Thoraxchirurgie nicht machen, weil er hierfür keinen speziellen Facharzt hat. Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach darauf hingewiesen. Der Geschäftsführer Herr Haun hat sich dazu entschieden, die Thoraxchirurgie zu schließen.
Wenn Sie entscheiden dürften, wer entscheidet – also im Aufsichtsrat sitzt – was würden Sie anders besetzen?
Henneking: Ich halte die Zusammensetzung nur über die politischen Gremien für eine ungünstige Situation. Da müssen mehr Fachleute rein, zum Beispiel Juristen und Unternehmensberater. Ich sehe das in der aktuellen Form sehr kritisch.
Sie wollen nicht ganz aufhören zu arbeiten. Was genau bedeutet das?
Henneking: Es gibt Angebote. Man kann Vertretungen machen, auch mal zwei Tage in der Woche. Was ich nicht machen werde: Gutachten schreiben. Davon reicht mir alle acht Wochen oder drei Monate eins. Das ist mir zu theoretisch und ein immenser Arbeitseinsatz.
Wenn Sie ihrem Nachfolger als Ärztlicher Direktor einen Rat geben dürften: Welcher wäre das?
Henneking: Er soll alles gelassener sehen als ich, sich nicht so viele Gedanken machen, und zeitlich besser über die Runden kommen. Die zusätzlichen Aufgaben als Ärztlicher Direktor kosten unheimlich viel Zeit, und das wird immer mehr. Man hat Aufsichtsratssitzungen, alle vier Wochen Chefarzt-Konferenzen, die vorbereitet werden müssen, alle 14 Tage Direktorium, dazu kommen die Hygienekommission, Personalangelegenheiten, die Leitung des Archivs. Natürlich hat man einen Stellvertreter. Aber irgendwo muss alles zusammenlaufen.
Was machen Sie denn nun mit ihrer Freizeit?
Henneking: Das kann ich noch nicht sagen. Heute habe ich drei Zeugnisse unterschrieben und die letzten Kisten ausgeräumt. Jetzt beschäftige ich mich mit Rentenanträgen, muss noch ein Gutachten korrigieren und Zeugnisse schreiben. Ich habe ja bis zuletzt gearbeitet. Jetzt werden wir schauen, wie es weitergeht.
Klaus Henneking wurde am 29. März 1951 in Minden/Westfalen geboren. Er studierte an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, die dortige Universitätsklinik war seine erste berufliche Station. Henneking war 18 Jahre lang Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, 13 Jahre lang Ärztlicher Direktor am Klinikum. Er ist Vater von zwei erwachsenen Kindern.