Heckenhofer Kerwa Die Kerwa und die Feuerwehr

Von Peter Engelbrecht

KOMMENTAR. Die bekannte Kerwa in Heckenhof wird nun schon zum zweiten Mal kleiner gefeiert. Es gibt kein Bierzelt mehr, keinen Kerwabaum, keine Musik und kein Schubkarrenrennen. Das ist nachvollziehbar, denn der Chef der Kathi-Bräu, Josef Schmitt, argumentiert, er finde kein Personal mehr. Niemand kann es Schmitt übelnehmen, das Fest zurückzufahren.

Die Heckenhof-Kerwa wird heuer ohne das beliebte Schubkarrenrennen auskommen müssen. Archivfoto: Dieter Jenß Foto: Moritz Kircher

Denn viele Ortschaften landauf und landab feiern ihre Kirchweih schon lange wie nun in Heckenhof: Es gibt Essen und Trinken – das reicht. Wichtig ist doch, dass sich die Leute treffen, sich an einen Tisch setzen und miteinander ins Gespräch kommen. Auch andernorts im Landkreis Bayreuth wurde schon auf das Aufstellen des Kirchweihbaums und das sogenannte Aufspielen verzichtet. Denn es fehlt immer wieder an Leuten, die mit anpacken.

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Ja, das Personalproblem trifft nicht nur die Kirchweih, sondern auch viele andere Bereiche im ländlichen Raum. Beispiel eins: Bei vielen Dorffeuerwehren fehlen die jungen Nachwuchskräfte, viele Wehren sind überaltert, die notwendige Zahl der Aktiven existiert manchmal nur noch auf dem Papier.

Wenn nun niemand mehr den Schutzanzug anziehen will, gibt es nur eine Konsequenz: Die Auflösung der Feuerwehr. Die wird in vielen Dörfern kommen wie das Amen in der Kirche. Dann wird es halt noch einige größere, gut ausgerüstete Stützpunktfeuerwehren geben, die den ländlichen Bereich mit abdecken. Das wird die Zukunft sein, geschuldet eben dieser Denkweise: Warum soll ich mich für die Allgemeinheit engagieren, wenn ich doch genauso gut auf der Terrasse sitzen und das Leben genießen kann. „Der Staat“ wird es schon richten.

Vereine spüren verändertes Freizeitverhalten

Zweites Beispiel: Die vielen Vereine auf dem Land. Ob nun der Gesangverein oder der Schützenverein. Jahrzehntelang haben sie das Leben geprägt, nun lösen sich viele dieser Zusammenschlüsse sang- und klanglos auf. Auch hier fehlt der Nachwuchs. Für viele Menschen ist es nicht mehr erstrebenswert, Vereinen beizutreten. Das Freizeitverhalten hat sich verändert – das spüren die Vereine auf dem Land. Auch hier muss man nüchtern feststellen: Wenn keiner mehr beitreten will, dann muss man den Verein dichtmachen. So bitter das ist für die Ortschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen.

Drittes Beispiel: Die Wirtshäuser auf dem Land schwächeln seit langer Zeit. Gab es früher in fast jedem Dorf eine Kneipe, ist dort längst der Zapfhahn zugedreht. Auch hier war die Nachfrage nicht mehr da. Wegen einiger weniger Gäste als Wirt die halbe Nacht in der Stube zu sitzen, war nicht mehr machbar. Die Alten konnten nicht mehr, und die Jungen wollten nicht mehr. Das Wirtshaussterben wird viel beklagt – vor allem von denen, die kaum oder nie in die Kneipe gingen. Und das Wehgeschrei ist dann immer besonders groß, wenn das Wirtshaus gerade zugemacht hat.

Keine Sorgen um die Feste im Sommer

Trotz allem: Um die Kirchweih muss man sich keine Sorgen machen. Wer im Sommer die Zeitung durchblättert, der findet derart viele Feste, die man gar nicht alle besuchen kann. Manchmal erwecken die vielen Veranstaltungen den Eindruck, dass die Menschen aus dem Feiern gar nicht mehr herauskommen. Um die Lebensfreude sollte sich niemand ernstlich Gedanken machen. Der ländliche Raum hat eine hohe Lebensqualität und ist als Wohnort attraktiv. Einzelne Veränderungen, die dem Lebensgefühl der Menschen geschuldet sind, bedeuten nicht den Untergang des Abendlandes.