Haustiere im Tierheim Nicht nur zur Reisezeit ungeliebt

WEIDENBERG/BETZENSTEIN. Ab in den Urlaub: Das Hotel ist gebucht, die Koffer sind gepackt – doch wohin mit Hund oder Katze? In den Ferienmonaten ist mancherorts häufig die Rede von ausgesetzten Haustieren und überfüllten Tierheimen. Aber gibt es tatsächlich so viele verantwortungslose Besitzer?

„Das Telefon geht rund um die Uhr“, sagt Harald Hahnefeld von der Tierhilfe Weidenberg. Der erste Vorstand berichtet von einer „massiven Zunahme“ an Fundtieren in den letzten drei Wochen. Die Tierhilfe in Weidenberg ist allerdings nicht mit einem klassischen Tierheim zu vergleichen. Der Verein kümmert sich schwerpunktmäßig um Katzen – ausgesetzte, misshandelte, kranke oder verletzte Tiere – die in dessen Obhut gepflegt, wenn nötig kastriert, und weitervermittelt werden. Neben 71 Futterstellen hat die Tierhilfe Weidenberg insgesamt 71 Pflegeplätze: 42 Vereinsmitglieder bieten Fundkatzen hier eine Unterkunft, bis sie ein Zuhause gefunden haben. „Wir sind am Limit“, erzählt Hahnefeld. Aufnehmen kann die Tierhilfe zurzeit keine Katze mehr.

Tierarztkosten sind fünfstellig

Mit der sechs- bis siebenfachen Menge an Fundtieren sähen sie sich in den Ferienwochen jedes Jahr aufs Neue konfrontiert, erzählt Hahnefeld. Sonst hätten sie im Schnitt 15 bis 20 Katzen auf ihren Pflegeplätzen verteilt. Impfen, entwurmen, entflohen und kastrieren, zudem ein Chip und eine Registrierung: Dieses Prozedere muss jede neu aufgenommene Katze über sich ergehen lassen. Das geht ins Geld. „Die Tierarztkosten belaufen sich jährlich auf 25 000 bis 30 000 Euro“, sagt Harald Hahnefeld. Als Verein finanziert sich die Tierhilfe Weidenberg über ihre Mitgliedsbeiträge, Verkaufserlöse auf Märkten und Spenden, wobei sie auch – wie bei einer noch laufenden Aktion – Unterstützung vom Deutschen Tierschutzbund erhalten. „Zum Glück finden die meisten unserer Katzen bald wieder ein gutes Zuhause“, sagt Harald Hahnefeld.

Hunde aus dem Internet bereiten Probleme

Mit einem ganz anderen Problem kämpft dagegen Carmen Baur von der Tierhilfe Franken in Betzenstein. Dort kümmert man sich überwiegend um Hunde. „Die Ferien machen sich bei uns nicht unbedingt bemerkbar“, sagt sie. Aber seit etwa eineinhalb Jahren hätten sie vermehrt mit Hunden zu tun, die im Internet quasi bestellt würden: „Von privat oder über eine Vermittlung für Hunde aus dem Ausland.“ Nie hätte sie gedacht, dass so ein Geschäftsmodell funktioniert. Die Leute sähen nur das Foto und wenn der Hund da ist, dann seien sie überfordert. „Klar, die kennen ja den Charakter des Hundes gar nicht“, empört sich Baur. Die Hunde bringt die Tierhilfe in ihren 60 Pflegestellen unter, bis sie einen neuen Besitzer gefunden haben. Doch obwohl es damit im Prinzip viele Plätze gibt, stoßen auch sie aktuell an ihre Grenzen: „Wir müssen immer schauen, ob der Hund da hinpasst.“ Bösartig sei kaum einer, aber, wie eben jeder Mensch, ein Individuum – wie Sall: Ein wohlerzogenes Tier, das aber so auf seine ehemaligen Besitzer fixiert war, dass kein Besuch mehr ins Haus konnte, ohne verbellt zu werden. „Deswegen brauchen wir immer Pflegeplätze“, sagt Carmen Baur. Erfahrung mit Hunden sei dabei keine Voraussetzung. Und: „Wir kommen für alles auf. Tierarzt, Futterkosten und auch einen Hundetrainer.“ Allein der Tierarzt kostet den Verein jährlich 15 000 bis 20 000 Euro.

Wenn die Tiere nicht gleich abgeholt werden, werden sie nie abgeholt

„Im Tierheim Bayreuth steigt die Anzahl in den Ferienmonaten nur moderat“, berichtet Guido Zahn. Aber man halte auch immer Plätze vor, „für unvorhersehbare behördliche Beschlagnahmungen“, sagt er. Doch Fundtiere sind natürlich keine Unbekannte: „Wenn es nach ein bis drei Tagen nicht abgeholt wird, wird in der Regel nie mehr abgeholt“, berichtet Zahn. Die Arbeit im Tierheim stemmt man Dank langjähriger Mitarbeiter und vieler ehrenamtlicher Helfer auch in den Urlaubsmonaten. „Unterstützung ist aber stets willkommen.“

 

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