Hauchdünne Mehrheit Annekathrin Preidel zur Präsidentin der Synode gewählt

Die neu gewählte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel (links) nimmt unter dem Beifall der Synodalen die Glückwünsche der knapp unterlegenen Gegenkandidatin Beate Schobert-Zeidler entgegen.⋌ Foto: Wittek

Im zweiten Wahlgang klappte es: Mit einer hauchdünnen Mehrheit wurde die Erlanger Biologin Annekathrin Preidel (57) in Bayreuth zur neuen Präsidentin der evangelischen Landessynode gewählt. Im zweiten Wahlgang bekam sie 54 von 53 notwendigen Stimmen.Ihre Mitkonkurrentin, die Augsburger Verwaltungsrichterin Beate Schabert-Zeidler (61), fand nur 48 Unterstützer.

Im ersten Wahlgang war das Rennen 52 zu 49 für Preidel ausgegangen. Der Wahlausgang kam für manche überraschend. Frisch und frei hatte sich Schabert-Zeidler in einer auch emotional ansprechenden Vorstellung präsentiert, während Preidel eher nüchtern eine vorbereitete Rede verlas.Im Ruhrgebiet aufgewachsen, lebt Preidel seit 1980 in Erlangen. „Ich bin eine Netzwerkerin“, sagt die promovierte Biologin über sich selbst. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder. Preidel ist Mitglied im Kirchenvorstand, in der Landessynode (seit 2008) und in der EKD-Synode (seit 2009). „Mein Herz schlägt für die Synodenarbeit.“ Die Erlangerin folgt der Ingolstädterin Dorothea Deneke-Stoll, die nach sechs Jahren an der Spitze der Synode nicht mehr kandidierte.

Das knappe Ergebnis zeigt, wie eng die Mehrheitsverhältnisse in der Synode sind. Preidel zählt zum eher linken Arbeitskreis Offene Kirche, Schabert-Zeidler gehört dem konservativen Arbeitskreis Gemeinde unterwegs an. Offensichtlich hat der Dritte Arbeitskreis bei der Wahl den Ausschlag gegeben. Die drei Arbeitskreise repräsentieren jeweils rund ein Drittel der Synodalen. Im Präsidium sind sie künftig alle vertreten: Der Ansbacher Dekan Hans Stiegler (Gemeinde unterwegs) und der Kemptener Hans Christoph Bodenschatz (Dritter Arbeitskreis) wurden zu Vizepräsidenten gewählt. Ex-Landrat Peter Seißer (Wunsiedel), bisher Vizepräsident, schaffte die Wiederwahl nicht.

Nach Meinung der Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner ist die Bedeutung der Synode und ihrer Spitze in den letzten Jahren gestiegen. „Ihr Wort hat wirklich Gewicht.“

Am Morgen hatte die Bayreuther Synodale Stefanie Finzel die Synode mit einer Andacht eröffnet, deren Inhalt sich an Psalm 73 („Dennoch bleibe ich stets bei dir“) orientierte. „Nichts, was uns zu unserer Kirche auf Distanz gehen lassen könnte, kann uns von Gott trennen“, sagte sie. Man sei in Bayreuth zusammengekommen, „um das Schiff unserer Kirche für seine weitere Fahrt langfristig gut auszustatten und flott zu machen“. Regierungspräsident Wilhelm Wenning („der einzige evangelische Regierungspräsident in Bayern“) bescheinigte der Synode, mit ihrem Tagungsort „eine außerordentlich gute Wahl“ getroffen zu haben. In Bayreuth würden die Weichen für die Periode 2014 bis 2020 gestellt.“

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick weiß, dass es bei der konstituierenden Synode „zuerst um Wahlen geht“. Trotzdem erhofft er sich einen Impuls, der das Zusammenkommen und Zusammengehen mit Jesus Christus erneuere. Die Ökumene sei heute nicht leichter geworden als vor 50 Jahren. Schick wandte sich gegen Patchwork-Religion, Gebrauchs- und Wohlfühlreligionen. „Beten, reden, tun, was dem Herrn entspricht – nur das wird uns zusammenführen.“

Synoden-Neuling Markus Söder, Bayerns Finanzminister, meinte im Kurier-Gespräch, er hoffe, dass der Heilige Geist bei allen Absprachen gute Regie führe. Die Synode dauert bis Donnerstag, und Söder will die meiste Zeit dabei sein. „Ich will mir schon die Zeit nehmen. Im Prinzip ist das ein Bekenntnis.“ Söders Verständnis von der Synode? „Sie soll kein Ersatzparlament für Politik sein, sondern sich mehr mit dem Kernfragen des Glaubens beschäftigen. Ihre Kernkompetenz ist Glaube.“

Am Dienstag wird Präsidentin Preidel dem Kirchenparlament ihre Vorstellungen für die anstehende Amtszeit erläutern. Danach folgt der Bericht von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

 

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