Hatespeech Weibliche Abgeordnete besonders betroffen

Hier tagen die Abgeordneten des Bundestages. Foto: Lisa Ducret/Archiv

MÜNCHEN. Der Hass im Netz nimmt vor allem gegenüber Politikerinnen stark zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine exklusive Umfrage des ARD-Politmagazins report München unter allen weiblichen Bundestagsabgeordneten.

Demnach wurden sage und schreibe 87 Prozent der befragten deutschen Parlamentarierinnen bereits Opfer von Hass und Bedrohung im Netz. Einige gaben an, nahezu täglich damit konfrontiert zu sein.

Im Unterschied zu Männern trifft die digitale Gewalt Frauen häufiger auf persönlicher Ebene. Viele der vom ARD-Politmagazin report München befragten Politikerinnen erzählen, es gehe in den Hassbotschaften häufig um ihr Aussehen, immer wieder werde ihnen mit brutalen Vergewaltigungen gedroht. Insgesamt haben 57 Prozent der Befragten mit sexistischen Beleidigungen und Bedrohungen zu kämpfen – quer durch alle Parteien. Ein paar Beispiele seien hier exemplarisch genannt:

"Lass dich vom Nigger totficken und deine Familie gleich mit." (Die Linke)

"Von nichts eine Ahnung aber das Maul aufreißen. Als Soldat sollte man solchen Tussen sofort eine Kugel verpassen." (FDP)

Wie eine neue Studie zeigt, suchen sich die Hater zum Teil Opfer, die sie zum Beispiel im Wahlkampf gezielt mundtot machen wollen. Im Bayerischen Landtagswahlkampf 2018 traf das auch die Spitzenkandidatin der Bayerischen Grünen Katharina Schulze. Internationale rechte Aktivisten mobilisierten im Netz gegen sie, riefen dazu auf "Schmutz zu finden" und massenhaft zu verbreiten.

38 Prozent der Befragten bringen Hassnachrichten inzwischen zur Anzeige. Allerdings werden nach wie vor die meisten Verfahren eingestellt.

Dr. Maria Wersig vom Deutschen Juristinnenbund gegenüber report München: "Es gibt Beleidigungen, die auch eine strafrechtliche Komponente haben, und man kann sich auch auf zivilrechtlichem Wege wehren, hat rechtliche Ansprüche gegen die Täter. Auf beiden Ebenen gibt es viel Bedarf an rechtlicher Verbesserung. Das Thema wird vielleicht auch noch nicht so richtig ernst genommen in der Strafverfolgung."

11 Prozent, also rund jede zehnte weibliche Abgeordnete, gab an, die Beleidigungen und Bedrohungen ließen sie an ihrem Beruf als Politikerin zweifeln und übers Aufhören nachdenken.

Für die Umfrage hat das ARD-Politmagazin report München alle 221 weiblichen Bundestagsabgeordneten angeschrieben, 77 haben geantwortet. Sie bilden einen Querschnitt der Parteien ab.

 

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