Im HWK-Vorstand habe sich eine Mehrheit gegen ihn gewandt, sagte Zimmer dem Kurier. Um das Heft des Handelns selber in der Hand zu behalten, habe er sich deshalb entschlossen, in der Vorstandssitzung am Samstagmittag seinen Rücktritt bekanntzugeben. „Es geht mir darum, Schaden von der Kammer abzuwenden“, sagte Zimmer, der betonte, dass im Zusammenhang mit dem Millionenbetrug bei der früheren Kammertochter GTO, zu deren Aufsichtsrat er gehörte, nicht gegen ihn ermittelt werde. Grundsätzlich sei zu den Hintergründen Stillschweigen vereinbart worden. Auch sein Amt als Vizepräsident im Zentralverband des Deutschen Handwerks werde er abgeben.

Zu seiner Stimmungslage wollte Zimmer, der seit 1. Juli 2009 HWK-Präsident ist, nichts sagen. Allerdings könne er guten Gewissens behaupten, sich immer voll für das Handwerk eingesetzt zu haben.

Die Wahl eines neuen Präsidenten ist Aufgabe der Vollversammlung der Handwerkskammer, die turnusgemäß erst wieder am 30. November zusammenkommt. Es könnte aber auch eine außerordentliche Vollversammlung anberaumt werden.

Da die HWK unter anderem mit der Aufarbeitung des GTO-Skandals und der Unstimmigkeiten um das Berufsbildungszentrum in Coburg sowie der Suche nach einem Hauptgeschäftsführer große Aufgaben zu bewältigen hat, kommt die neueste Entwicklung zur Unzeit. Wie mehrfach berichtet, soll der frühere Geschäftsführer Klaus R. die Gewerbe-Treuhand Oberfranken (GTO), die seit 1978 als Beratungsgesellschaft für oberfränkische Handwerksbetriebe fungiert, sowie das Finanzamt in den Jahren 2009 bis 2019 um fast 2,1 Millionen Euro geprellt haben. Mittlerweile wird nach einer HWK-Anzeige auch gegen den ehemaligen Hauptgeschäftsführer und GTO-Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Eggers ermittelt, weil er zumindest nicht in vollem Umfang seinen Aufsichts- und weiteren vereinbarten Pflichten nachgekommen sei, für die er bis zu seinem Rücktritt Ende Juli 2019 rund 30 000 Euro im Jahr bekam. Auch Zimmer und Koller gehörten dem GTO-Aufsichtsrat an und bekamen dafür je 1500 Euro im Jahr.

Außerdem hatte es Streit mit dem Coburger Handwerk um die zunächst geplante Schließung des dortigen Berufsbildungszentrums gegeben. Die HWK war sogar verklagt worden, weil das Coburger Handwerk geltend machte, dass der Erhalt dieser Einrichtung im Fusionsvertrag festgeschrieben worden sei. Zuletzt hatte es hier aber offenbar gute Gespräche gegeben.

Zum HWK-Vorstand gehören neben dem Präsidenten die beiden Vizepräsidenten Matthias Graßmann (Bamberg) und Harald Sattler (Tröstau) sowie Peter Engelbrecht (Bad Berneck), Christian Herpich (Hof), Jens Beland (Großheirath), Werner Oppel (Forchheim), Michael Klein (Neuses) und Karl-Peter Wittig (Kronach).

Wie es in einer Pressemitteilung der HWK heißt, werden Thomas Timmer und die HWK keine weiteren Auskünfte über die Hintergründe des Rücktritts von Zimmer geben.

Der Vorstand der Handwerkskammer für Oberfranken hat am 26. September beschlossen, dass der bisherige Vizepräsident Matthias Graßmann aus Bamberg den Präsidenten bis zur Wahl eines neuen Präsidenten bei der Handwerkskammer für Oberfranken vertritt. Die Wahl des Präsidenten wird bei der nächsten Vollversammlung der Handwerkskammer am 30. November durchgeführt werden.

„Wir respektieren die Entscheidung von Thomas Zimmer", sagt Handwerkskammer-Vizepräsident Matthias Graßmann. "Wir sehen in dieser Entscheidung ein klares Signal für einen Neuanfang bei der Handwerkskammer. Die Handwerkskammer dankt Thomas Zimmer ausdrücklich für dessen langjährigen Einsatz für das Handwerk in Oberfranken“.