Gute Nachricht in Corona-Zeiten Lebenshilfe für Gehandicapte

Der überwiegende Teil der Offenen Hilfen in Pegnitz findet in der Schulbetreuung von Kindern mit Unterstützungsbedarf statt. Dort sind rund 40 der insgesamt 70 Helferinnen und Helfer tätig. Foto: Regens-Wagner-StiFotos:Regens-Wagner-Stiftung

Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es im zweiten Corona-Jahr nicht nur schlechte Nachrichten. Zu einer wahren Erfolgsstory wurden die „Offenen Hilfen“ von Regens Wagner, deren Zentrale für Pegnitz und den Landkreis Bayreuth im Gesundheitszentrum an der Hauptstraße untergebracht ist.

Pegnitz - „Am Anfang war ich noch alleine, jetzt arbeiten wir hier zu fünft“, beschreibt die Sozialpädagogin Kerstin Waldmann die täglichen Arbeitsläufe. „Wir hatten ein stetiges Wachstum.“ Nach der Gründung im Jahr 2010 sei das Büro in der Pegnitzer Innenstadt kontinuierlich erweitert worden. „Schon nach eineinhalb Jahren sind wir aus den Räumen auf dem PEP-Gebäude in die Innenstadt umgezogen.“

Mit steigendem Bekanntheitsgrad wuchs auch die Zahl der Beschäftigten, die über die Offenen Hilfen eingesetzt werden, „aktuell sind es rund 70“, sagt Waldmann.

Ausfüllen von Anträgen

Zu den Hauptaufgaben im Zentralbüro gehört die Beratung Ratsuchender. „Da geht es um Fragen zum Pflegegrad, aber auch um Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen“, sagt die Fachfrau. In dieser Beratungsarbeit komme keine Langeweile auf. „Die Möglichkeiten sind breit gefächert.“ Denn nicht nur die Behinderungen seien verschieden, auch die „Lebensmodalitäten“ der Klienten seien unterschiedlich gelagert.

Gemeinsam ist den Klienten nur eines: Sie alle sind auf das ambulante Unterstützungsangebot angewiesen. „Keiner unserer Klienten lebt in einem Heim.“ Alle leben entweder nach wie vor bei ihren Familien oder allein in einer eigenen Wohnung. Grundsätzlich wären auch Unterstützungsangebote für eine Behinderten-Wohngruppe möglich. „Den Fall hatten wir hier in Pegnitz aber noch nicht.“ Die Leiterin führt weiter aus: „Viele unserer Klienten leben ein völlig normales Leben mit normalen Hobbys, normalen Träumen und normalen Bedürfnissen“, erläutert Waldmann. „Abgesehen von gewissen Hilfestellungen in bestimmten Lebensbereichen.“

Dabei macht die Schulbegleitung den Löwenanteil der hier organisierten Offenen Hilfen aus. 40 der 70 Betreuungsassistenten arbeiten in diesem Bereich. „Da gibt es zum Beispiel ein Kind mit einer Körperbehinderung, einer Spastik in beiden Händen.“

Der Schulbegleiter ist im Regelfall jeweils den ganzen Schultag dabei. „Der Assistent oder die Assistentin hilft beim An- und Auskleiden, beim Toilettengang, oder auch in der Handarbeitsstunde“, schildert Kerstin Waldmann. Manchmal könnten Assistenten aber auch in einzelnen Schulfächern pausieren.

Ziel sei, die Selbstständigkeit des gehandicapten Kindes zu fördern. Waldmann erinnert sich an ein stark sehbehindertes Mädchen, das mehrere Jahre betreut worden sei. Sie wertete es als großen Erfolg, dass dieses Kind inzwischen ohne Unterstützung der Offenen Hilfen auskomme.

Auch für andere Kinder mit Diagnosen wie einer seelischen Behinderung, mit ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefizit-Syndromen (ADHS), Autismus oder aus einer schwierigen häuslichen Situation müsse von den pädagogischen Fachleuten der Offenen Hilfen ein Unterstützungsangebot organisiert werden.

An weiterführenden Schulen wie dem Gymnasium wurde vor allem für Körperbehinderte der Unterrichtsalltag organisiert. „Das kann auch ein Rollstuhlfahrer sein, der je nach Gehbehinderung Hilfe braucht.“ Gerade bei den Schulbegleitungen gab es Corona-bedingt die größten Änderungen. „Der Schulbetrieb ist ja mehrfach längere Zeit ausgefallen, oder es gab einen Wechsel zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht.“ Das hatte gravierende Auswirkungen auf die Organisation und Durchführung der Schulbegleitung. Aus Hygieneschutzgründen erfolgt die Beratungsarbeit in der Hauptstraße inzwischen getrennt durch eine Plexiglasscheibe.

Nach gut zehn Jahren Offenen Hilfen in Pegnitz freut sich Leiterin Waldmann: „Wir haben zum ersten Mal die Anfragen nach einem Studienassistenten und nach einem Ausbildungsassistenten.“

In beiden Fällen kann geholfen werden. Allerdings beschränkt man sich bei der Unterstützung von Studenten auf Unis im näheren Bereich von Pegnitz – wie Bayreuth oder Nürnberg. „Konstanz wäre dafür zu weit weg.“ Dann würde der Klient an eine andere Niederlassung vor Ort vermittelt.

Natürlich geht es nicht nur um Schule, Ausbildung und Jobs. „Wir machen auch Angebote im Freizeitbereich. Auch wenn diese im abgelaufenen Jahr Corona-bedingt drastisch eingeschränkt waren.

In guten Zeiten wurden gemeinsame Kino- und Restaurantbesuche, Discoabende oder Tripps zu einem Weihnachtsmarkt auf die Beine gestellt. Außerdem noch Ausflugsfahrten für Kinder – oder Erwachsene – nach Dresden, Berlin, an den Ammersee oder in die Jugendherberge Weißenburg.

An Ideen herrscht in Waldmanns Team kein Mangel. Vielfach einzige Voraussetzung: das Abklingen der Corona-Pandemie.

 

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