Grüner Faden Jens Beller: Eine Schmetterhand führt die Kettensäge

Hier wuchs er auf und hier macht er heute Kunst aus Holz: Jens Beller steht auf dem Bauernhof seiner Eltern in Tröbersdorf. Hier war er als Kind immer sehr aktiv, was er noch heute ist. Ein Schreibtischjob war nichts für ihn. Es gab in den 43 Jahren seines bisherigen Lebens viele andere thematische Bereiche, in die er besser passte. Foto: Andreas Harbach

Jens Beller ist nicht nur über eine Tätigkeit zu definieren. Der 43-Jährige ist Gärtner, Sportler und Künstler. Und er versucht, nicht alles so ernst zu nehmen. Das merkt man auch an seinen Werken aus Holz, die die Leichtigkeit des Organischen darstellen.

Bayreuth/Tröbersdorf - Irgendwann war der Punkt da. Der Punkt, an dem Jens Beller gemerkt hat, dass so ein Schreibtischjob auf Dauer nichts für ihn ist. Trotz seinem abgeschlossenen Diplom in Kommunikationsdesign. Beller hat mit sich selbst gerungen. Am Ende des Prozesses war klar: „Ich brauche den körperlichen Ausgleich.“

Als Kind holte er sich diesen Ausgleich auf dem ehemaligen Bauernhof, wo der gebürtige Bayreuther seit seinem sechsten Lebensjahr mit den Eltern und seinen zwei älteren Brüdern lebte. Dort gab es immer etwas zu tun. Seit zwölf Jahren wohnt Beller wieder in Bayreuth. Als Erwachsener klappt das mit dem Ausgleich mittlerweile auch gut. Durch einen praktischen Beruf. Beller ist im Garten- und Landschaftsbau tätig bei der Bayreuther Firma Feustel. An drei bis vier Tagen pro Woche pflegt er Gärten und legt Gärten an, auf privaten und öffentlichen Grundstücken.

Doch Jens Beller ist noch viel mehr; er ist nicht nur durch eine Tätigkeit zu definieren. Allen voran hat er sich in der Region als Sportler einen Namen gemacht. Als Volleyballer. Im Volleyball schaffte er es bis in die Zweite Liga in Marktredwitz und in Friedberg bei Augsburg. Begonnen hat er aber mit einer kleineren Kugel. Bis er 18 Jahre alt war, spielte Beller in der Eckersdorfer Jugendmannschaft Tischtennis. Dann erst kam er über seinen älteren Bruder Andreas, der schon dort war, zum Volleyball. Und damit zum BSV 98 Bayreuth. „Da war meine Statur auch passender“, scherzt Beller. Er ist 1,98 Meter groß. Und hat damit ein Körpermaß, das ihm sportlich Vorteile brachte, das es ihm manchmal aber auch nicht leicht macht. „Beim Hosenkauf und bei niedrigen Türstöcken zum Beispiel.“ Letztere gibt es auf dem alten Bauernhof in Tröbersdorf zuhauf.

Volleyball-Trainer war nichts für ihn

Beim Volleyball stieß Beller, der auf allen Positionen zu Hause war, selten an. Er sorgte stets für die gute Stimmung in der Mannschaft. „Leidenschaft statt Technik“, sagt er über seine Spielweise. Eine Leidenschaft, die ihn durchaus weit brachte. Nach seiner aktiven Karriere war Beller auch Trainer – in der Jugend und bei der zweiten Mannschaft des BSV. „Aber das ist nichts für mich“, sagt Beller, dessen emotionales Mitfiebern an der Seitenlinie im Verein schnell Kultstatus erreichte. „Wenn du lange auf hohem Niveau spielst, machst du weniger Fehler“, sagt Beller. Diese Fehler bei seinen Spielern anzuschauen, ohne aktiv eingreifen zu können – das ist nicht seine Welt. Immerhin hat Beller einen Ruf „als ungeschlagener Bayernliga-Zuspieler“ zu verteidigen. Als er das erzählt, grinst er. Es war nur ein Spiel, bei dem er in der Liga dabei war. Aber Statistik ist bekanntlich Statistik.

Beller ist zwar gerne mal alleine, ist aber auch ein absoluter Vereinsmensch. Neben dem BSV 98 Bayreuth war er auch im Brandenburger Kulturstadl aktiv. „Da treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander. Ich habe durch die Vereine viel übers Leben gelernt.“

Beller ist einfach ein Typ, der aktiv sein will. Im Job, beim Sport – und auch als Künstler. Eine Rolle, in der er schon immer zu Hause war, etwa als er während seiner Studienzeit in Augsburg mithalf, einen Kurzfilm namens „Christina“ zu drehen. Auch mit der Technik des Radierens hat sich Beller intensiver befasst. Und mit dem Holz.

Seit der 43-Jährige vor zwei bis drei Jahren seine aktive Zeit im Volleyball beendete, ist er wieder öfter auf dem elterlichen Anwesen in Tröbersdorf zu finden. Und zwar in der Scheune neben dem Haus. Dort schnitzt und sägt er Kunstwerke aus Holz. „Mittlerweile nimmt das 70 bis 80 Prozent meiner Freizeit ein.“ Vor allem organische Dinge wie Natur- und Körperfiguren faszinieren ihn. Und die künstlerische Freiheit, genau das tun zu können, wonach ihm gerade ist.

Nach der Kettensäge ist es spontan

„Am Anfang ist da nur ein Stamm“, sagt Beller. Und zwar wilde Stämme direkt aus dem Wald. Nicht getrocknet, nicht zurechtgeschnitten und völlig ungleichmäßig mit Wurzeln durchzogen. Und dann fließen die Ideen. Der erste Schnitt mit der Kettensäge legt die Grundlage. Was danach kommt, ist meist vollkommen spontan. „Zuerst mache ich ein paar Schnitte für die Augen, dann zeichne ich grob auf“, sagt der Quereinsteiger in Sachen Holzbearbeitung, als er einen seiner Köpfe zeigt. Eine Holzfigur, die ein Handtuch als Stirnband trägt.

Seit zehn Jahren befasst sich Beller schon mit Holz. Ihn fasziniert vor allem dessen Struktur. „Die blau-graue Maserung ist Pilzbefall“, erklärt er an einem seiner Werke. Seit rund zehn Jahren befasst er sich schon mit Holz, seit einigen Jahren investiert er mehr Zeit dafür. Jetzt möchte er seine Arbeit auch ausstellen. Etwa 20 bis 25 von ihm gefertigte Unikate warten darauf, an die Öffentlichkeit zu gelangen. „Eigentlich sollte es 2020 bei der Arts and Crafts so weit sein“, sagt Beller. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Falls es das Event 2021 geben wird, ist der 43-Jährige dabei.

Die Ideen gehen Beller nie aus. „Zeit, Kraft und Finanzen sind das Problem“, sagt er. Das Geld spielt beispielsweise bei der Herstellung von Holzlampen eine größere Rolle. Normale LED-Größen passen da oft nicht.

Beheizte Werkstatt als ein Ziel

Doch wenn mal etwas in der Scheune liegen bleibt, dann macht das nichts. „Man sollte nicht alles so ernst nehmen“, sagt er über sein Lebensmotto. „Manchmal bleibt ein Werk mal ein Jahr liegen.“ Und so arbeitet Beller gut und gerne an zehn Stücken gleichzeitig, für die er immer mal wieder neue Ideen hat. Fertig werden die Werke meist bei Zeitdruck. „Wenn eines verschenkt werden soll, zum Beispiel“, sagt Jens Beller. Professioneller soll sein Hobby aber werden. Seine Freundin hat ihm eine Homepage gebaut. „Und in fünf Jahren will ich in einer beheizten Holzwerkstatt sitzen“, sagt er über seine mittelfristigen künstlerischen Ziele. Denn gerade im Winter habe er Zeit. Dann ist seine Tätigkeit als Garten- und Landschaftsbauer nicht so oft gefragt. Gerade dann aber ist es in der Tröbersdorfer Scheune nach einiger Zeit doch recht frisch.

Und was für weitere Ziele verfolgt Jens Beller? Vielleicht will er irgendwann mit seiner Freundin zusammenziehen. Vielleicht will er einmal Kinder. Doch zu viele Gedanken darüber will sich Beller gar nicht machen. „Vieles kommt von alleine“, sagt er. „Ziele zu verfolgen, ist gut. Sie dürfen aber dich selbst nicht verfolgen“, sagt er. Beller schiebt hinterher: „Dauerhafte Zufriedenheit ist besser als kurzfristiges Glück.“ Und lässt den Blick ein wenig schweifen. Von den 1,98 Metern nach unten. Aufs Holz. Und auf das, was man daraus alles machen kann.

 

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