Gründer-Studie Der Traum, sein eigener Chef zu sein

Christian König (links) und Wolfgang Bauer präsentierten die Gründer-Studie. Foto: Andreas Harbach

BAYREUTH. Sein eigener Chef sein, nicht mehr für andere arbeiten müssen, sich etwas Eigenes aufbauen – das sind die am häufigsten genannten Gründe für eine Unternehmensgründung, hat eine Studie im Auftrag der Commerzbank ergeben. Viele Gründer setzen aber allein auf ihr Eigenkapital und gehen damit nach Ansicht der Bankexperten ein vermeidbares Risiko ein.

Die Metropolregion Nürnberg scheint ein gutes bis sehr gutes Pflaster für Gründer zu sein. Gut zwei Drittel derer, die in den vergangenen sechs Jahren hier ein Unternehmen gegründet haben, schätzen das so ein. Nur neun Prozent sehen die Standortbedingungen negativ. Und: 72 Prozent würden ihr Unternehmen „auf jeden Fall“ wieder hier gründen, weitere 18 Prozent „vielleicht“.

Das sind teils deutlich bessere Werte als im Bundesschnitt, hat die Umfrage im Auftrag der Commerzbank ergeben, für die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos 3000 Gründer befragt hat, davon rund 100 in der Metropolregion Nürnberg.

Eigenkapital schnell aufgebraucht

Dass 78 Prozent der Gründer allein auf ihr Eigenkapital setzen, ist für Wolfgang Bauer, den Niederlassungsleiter der Commerzbank Bayreuth/Hof, und seinen für die Unternehmerkunden zuständigen Kollegen Christian König noch nicht einmal auf den ersten Blick positiv. Denn bei einem Drittel lag der zur Verfügung stehende Betrag bei unter 20.000 Euro, bei einem weiteren Drittel bei unter 50.000.

Da sei es kein Wunder, dass mehr als die Hälfte der Gründer angab, das Eigenkapital sei nach weniger als einem halben Jahr aufgebraucht gewesen und bei weiteren 19 Prozent nach einem Jahr. Das sei dann spätestens der Zeitpunkt, zu dem die Gründer bei der Bank nach einem Kredit nachfragen.

Und dieser Zeitpunkt sei nicht der günstigste, sagt Bauer, denn: „Wenn das Eigenkapital weg ist, dann ist es schwieriger, einen Kredit zu bekommen.“ Deshalb empfehle er dringend, schon vor der Gründung auch externen Rat zu nutzen. Ein guter Steuerberater könne „Gold wert“ sein und auch die Kammern böten fundierte Beratung.

Die Hausbank könne den Weg zu günstigen Förderkrediten aufzeigen und an einer Finanzierung mitarbeiten, bei der die Ersparnisse zwar eine wichtige, aber eben nicht die alleinige Säule sind.

Externer Rat

Bei der Finanzplanung könne externer Rat nicht schaden, zumal fast neun von zehn Gründern angaben, sich allein um diesen wichtigen Bereich zu kümmern. Dabei könnten viele Jungunternehmer viele Probleme wegen mangelnder Erfahrung im Vorfeld gar nicht abschätzen. Seien es hohe bürokratische Hürden (49 Prozent Nennung), seien es rechtliche (21) oder steuerliche (20) Themen.

Und nicht zuletzt sollte das Unternehmen im zweiten, spätestens aber im dritten Jahr in die Gewinnzone kommen. „Das ist oft nicht so durchdacht“, sagt König.

Interessant sind auch noch ein paar andere Zahlen. So scheinen in der Metropolregion Nürnberg unter den Gründern mehr Macher zu sein als im Bundesschnitt. So jedenfalls interpretiert Bauer die Tatsache, dass in der Region 39 Prozent der Gründer einen Hochschul-Hintergrund haben, aber 55 Prozent eine abgeschlossene Fach- oder Meisterschule (26) oder eine abgeschlossene Lehre (29) als höchsten Abschluss nennen. Bundesweit sieht es mit 57 und 35 Prozent genau anders herum aus.

Noch zum Alter der Gründer: Mehr als die Hälfte sind unter 40, aber immerhin 19 Prozent wagen den Sprung in die Selbstständigkeit noch mit mehr als 50 Jahren.

Und dann ist da noch die Geschlechterfrage: Warum 78 Prozent der Gründer männlich sind, das können weder Bauer und König noch die Studie sagen.


Im Umbruch: Dass die Commerzbank – mal wieder – im Umbruch steckt, ist kein Geheimnis. Vorstandschef Martin Zielke hat unter anderem verkündet, dass bis 2023 rund 200 der aktuell etwa 1000 Filialen geschlossen werden soll. Was das für die Region Bayreuth/Hof bedeutet, wo die Commerzbank gut 20 Filialen betreibt, konnte Niederlassungsleiter Wolfgang Bauer bei der Präsentation der Gründer-Studie nicht sagen.

Er verwies aber auf die in Oberfranken hohe Marktdurchdringung und die Zusage der Konzernleitung, weiter in der Fläche präsent sein zu wollen. Derzeit liefen erste Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern des Konzerns. Seinen Mitarbeitern müsse er jedenfalls kein Abbauszenario vermitteln.

Die Zahl der Beschäftigten in der Niederlassung liege konstant bei rund 180, derzeit würden neue Berater gesucht. 2019 sei bislang gut gelaufen. Unter anderem gebe es schon wieder einen Nettozuwachs von 1600 neuen Kunden.

 

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