KULMBACH. Der penetrante Geruch von verbranntem Plastik zog sich bis nach Melkendorf. Wer am späten Samstagabend auf der Theodor-Heuss-Allee unterwegs war, hatte es allerdings noch mit etwas anderem zu tun als dem üblen Gestank: Dichter Rauch zog vom Industriegebiet her über die Straße und behinderte die Sicht. So sehr, dass die Polizei mit Rundfunkdurchsagen vor der Gefahr warnte. Die Ursache das Übels: In dem Kulmbacher Entsorgungsunternehmen Veolia in der Von-Linde-Straße war aus noch unbekannter Ursache ein etwa 300 Kubikmeter großer Haufen Müll in Brand geraten. Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehren aus dem Landkreis Kulmbach, des Technischen Hilfswerks und des BRK waren bis in die Morgenstunden des Sonntags im Einsatz.

Um 23.07 Uhr ging der Alarm bei der Rettungsleitstelle ein. Anwohner hatten die Feuerwehr alarmiert, weil sich aus der Von-Linde-Straße dichter Rauch im Goldenen Feld breit machte und über die Heuss-Allee bis nach Melkendorf zog. Vom Gelände der Firma Veolia waren schon aus der Entfernung deutlich Flammen zu sehen. Als die ersten Feuerwehrkräfte am Brandort eintrafen, schlugen die Flammen bereits hoch aus dem riesigen Müllberg, der zur weiteren Bearbeitung auf dem Gelände des Entsorgers zwischengelagert ist.

Massive Rauchausbreitung

Kreisbrandmeister Jürgen Hochgesang, der Einsatz leitete, erhöhte umgehend die Alarmierungsstufe auf B4, damit genügend Verstärkung zur Brandbekämpfung anrücken konnte. Nicht nur das bereits brennende Mülllager war ein Problem. Die Flammen hätten auch weitere angrenzende auf dem Firmengelände erfassen können. Deswegen war auch Kreisbrandrat Stefan Härtlein vor Ort und vorsorglich Vertreter der Stadtwerke.

"Wir hatten eine massive Rauchausbreitung", berichtet Feuerwehrsprecher Yves Wächter. "Die Rauchsäule hat sich fast horizontal bis nach Melkendorf gezogen." Mit der Polizei habe die Feuerwehr abgesprochen, ob Straßen gesperrt werden oder die Bevölkerung gewarnt werden muss. Die gesamte Kulmbacher Feuerwehr, die Kräfte aus Mainleus, Katschenreuth, Melkendorf, Rothwind, die Atemschutzlogistik aus Stadtsteinach und auch Unterstützung aus Kasendorf seien im Einsatz gewesen. 75 Kräfte der Feuerwehr, acht Helfer des THW mit schwerem Gerät und der Beleuchtungsgruppe und auch eine große Anzahl von Kräften des BRK waren am Brandort im Einsatz.

Drei B-Leitungen mussten die Feuerwehrleute von verschiedenen Punkten des Industriegebiets Am Goldenen Feld zur Von-Linde-Straße aufbauen, um genügend Löschwasser zur Verfügung zu haben, berichtet Yves Wächter. Eine der Leitungen speiste einen Wasserwerfer, der auf dem Dach eines der Einsatzfahrzeuge montiert war, um das Feuer besser unter Kontrolle zu bringen.

Mit zwei großen Radladern wurde der brennende Müllhaufen umgeschichtet, während die Löscharbeiten weiterliefen. Das war, wie Yves Wächter erklärte, nötig, um an alle Glutnester zu kommen, die im Inneren des Müllbergs verborgen waren. Schließlich wurde dann, nachdem die Löscharbeiten bereits knapp zwei Stunden im Gang gewesen sind, auch noch mit Löschschaum gearbeitet, um die letzten Flammen zu ersticken. Das war aber erst möglich, als durch die beiden Radlader, einer vom THW und einer von der betroffenen Firma, sowie durch einen Bagger der Hauptbrandort zugänglich gemacht war.

Auch die Kulmbacher Polizei war mit mehreren Streifen am Brandort. Ein Sprecher erklärte, es gebe noch keine konkreten Hinweise zur Brandursache. "Erkenntnisse zu Fremdverschulden liegen allerdings nicht vor." Es sei wohl eher davon auszugehen, dass es sich um Selbstentzündung handelt. Zum Sachschaden erklärt die Polizei, dass der sich angesichts der Tatsache, dass Müll gebrannt hat, in Grenzen hält. Weil in der Nacht nur wenige Autos unterwegs waren, sei es auch trotz der starken Rauchentwicklung nicht zu Verkehrsbehinderungen gekommen.