Griff in den Schritt Sieben Monate für Polizistenallergie

Weil es sich zu nächtlicher Stunde mit zwei Polizisten anlegte, sie beleidigte und tätlich angriff, verhängte das Amtsgericht eine siebenmonatige Bewährungsstrafe gegen einen 26-jährigen Angeklagten. Foto: David Ebener/dpa

Endstation Amtsgericht: Vier Männer essen nachts an einer Imbissbude Döner. Sie tragen keine Masken. Als zwei Polizisten sie kontrollieren wollen, rastet einer der Männer aus. Er beleidigt die Beamten und tritt nach ihnen.

Bayreuth - Sie hatten noch kein Wort gesagt, schon hagelte es Beleidigungen. Als zwei Polizisten vor fast genau einem Jahr gegen 2 Uhr eine unmaskierte vierköpfige Gruppe am Annecyplatz kontrollieren wollen, eskaliert die Situation. Einer der Männer, Lars R., beschimpft die Polizisten auf das Übelste, tritt nach den Beamten und landet letztendlich in einer Arrestzelle. Am Mittwoch erhielt er am Amtsgericht die Quittung für seinen Ausraster: sieben Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Kontrolle der Maskenpflicht

Zu den Aufgaben der beiden Polizisten gehörte es in jener Nacht auch, die Maskenpflicht in der Innenstadt zu kontrollieren. In seiner Zeugenaussage berichtete einer der Polizisten, dass sie die Gruppe einer Kontrolle unterziehen wollten. Zur Überprüfung kam es nicht. Der Angeklagte habe sie mit den Worten empfangen, dass er jetzt lieber seinen Döner essen wolle. In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft liest sich die Wortwahl deutlich drastischer. Dort ist von „ihr Ärsche“ die Rede und von einem Götz von Berlichingen zugeschriebenen Zitat als Antwort auf die Bitte, sich auszuweisen.

Immerhin folgt der 26-Jährige den Beamten zum Dienstfahrzeug. Doch statt sich auszuweisen, sucht er sein Heil in der Flucht. Vergebens. Die Beamten halten ihn fest, drücken ihn gegen das Auto. Er tritt gegen die Polizisten, sie legen ihm Handschellen an. Mit nun auf dem Rücken fixierten Armen greift er einem der Polizisten in den Schritt. Der kann sich, bevor er zudrücken kann, mittels Handhebel aus der kniffligen Situation befreien. Im Auto randaliert der Mann weiter.

Es war nicht der erste Ausraster des Mannes gegenüber Polizisten. Schon einmal habe der wegen Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung vorbelastete Angeklagte eine Polizistin bei einer Verkehrskontrolle unter anderem mit dem Wort „Schlampe“ beleidigt, zitierte Richter Stefan Kolb aus den Akten.

Polizisten angezeigt

Mit der Übernachtung in der Arrestzelle ist für den Angeklagten das Ereignis noch nicht beendet. Er erstattet Anzeige gegen einen der Polizisten wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Verleumdung. In der polizeilichen Vernehmung bricht die Allergie wieder aus. Lars R. bezeichnet den von ihm angezeigten Polizisten als Schwein. Auch die beiden Polizisten erstatten Anzeige gegen den Angeklagten.

„Einfach mal die Schnauze halten“

Es mag dem dringenden Hinweis seines Verteidigers Karsten Schieseck geschuldet sein: Lars R. zieht vor der Verhandlung seine Anzeige zurück und beteuert, sich bei den Polizisten entschuldigen zu wollen. Sein Mandant sei in jener Nacht betrunken gewesen, sagte Schieseck. Und überhaupt reagiere er sehr sensibel, wenn er sich ungerecht behandelt fühle. Das könne aber keine Entschuldigung für sein Verhalten sein. Man müsse mit 26 Jahren wissen, so der Anwalt, „wann man einfach mal die Schnauze halten muss“. Er sah eine Geldstrafe, die in eine Arbeitsauflage umgewandelt werden sollte, für seinen derzeit arbeits- und mittellosen Mandanten als ausreichend an.

Anders die Vertreterin der Anklage: Besonders die Beleidigungen gegenüber den Polizisten wiegen schwer, betonte sie und plädierte für eine Freiheitsstrafe von elf Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage in Höhe von 2500 Euro.

Kein großer Fan der Polizei

Richter Kolb wertete das Geständnis, die Rücknahme der Anzeige und die Entschuldigung zugunsten des Angeklagten. Sieben Monate Freiheitsentzug auf Bewährung, eine dreijährige Bewährungszeit und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie die Übernahme der Prozesskosten verhängte der Richter. Er müsse kein großer Fan der Polizei werden, gab Kolb dem Angeklagten mit auf den Weg. Aber bei Problemen mit der Polizei sei er derjenige, der sich Ärger einhandele.

Autor

 

Bilder

MEISTGELESEN