Greiner und Schick strikt gegen Tötung Schwerstkranker auf Wunsch - Bund für Geistesfreiheit dafür Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe

Von Elmar Schatz

Eine Mehrheit der Deutschen ist laut einer aktuellen Emnid-Umfrage dafür, dass Mediziner sterbewillige Schwerstkranke auf deren Wunsch hin töten dürfen. 58 Prozent der Befragten halten demnach aktive Sterbehilfe durch einen Arzt für einen "Gnadenakt". In den östlichen Bundesländern liegt die Zustimmung bei 71 Prozent, gegenüber 55 Prozent im Westen. Die Kirchen lehnen aktive Sterbehilfe strikt ab, der Bund für Geistesfreiheit ist dafür.

Die Hand einer alten Frau wird von einer Pflegerin gehalten. Die Kirchen plädieren für Palliativmedizin statt Sterbehilfe. Foto: dpa Foto: red

Die evangelische Regionalbischöfin Dorothea Greiner (Bayreuth) warnt, der assistierten Suizid für Einzelne werde jetzt als Weg zu größerer Selbstbestimmung empfunden. Der Fall etwa in Belgien aber zeige: "Die Eröffnung, die Ermöglichung, wird bei vielen einen Druck erzeugen, dem Sterben nachzuhelfen; sie wird die Freiheit, in Ruhe zu sterben, einschränken."

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Die aktive Sterbehilfe müsse verboten bleiben, betont der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick - und erklärt: "Die Menschen wollen an Menschenhand - und nicht von Menschenhand sterben; wer gewiss sein kann, dass er an Menschenhand stirbt, der will nicht mehr von Menschenhand getötet werden."

Regionalbischöfin Greiner erklärt: "Es scheint der Freiheit des Einzelnen zu dienen, wenn Möglichkeiten zum assistierten Suizid gegeben werden. Doch das Gegenteil wird der Fall sein: Unheilbar kranke und alte Menschen, die vermeintlich nichts Produktives mehr leisten, geraten unter Druck, sich aufzuräumen."

Viele Menschen hätten Angst vor einem qualvollen und einsamen Tod, so Erzbischof Schick. "Wenn diese Angst genommen ist, wird die aktive Sterbehilfe nicht mehr gewollt und nicht mehr bejaht." In der derzeitigen Diskussion sei es wichtig, zu vermitteln, dass heute jeder schmerzfrei und menschlich gut umsorgt sterben kann." Dazu sei die Palliativmedizin, die Hospizarbeit, die Pflege in den Altenheimen - und vor allem das Verhältnis in der eigenen Familie zu verbessern. Wenn das Leben am Ende zur Disposition stehe, "nimmt der Wert des Lebens insgesamt ab", so Schick. Das könne verheerende Folgen zum Beispiel für Menschen mit Behinderung und andere haben: "Das darf nicht sein! Das Leben jedes Menschen ist unantastbar und muss unverfügbar für jeden bleiben."

Greiner betont: "Dass wir einen Trend zum assistieren Suizid haben, liegt nicht zuletzt an einer Fehlentwicklung der Medizin der letzten Jahrzehnte." Durch Einsatz von Apparaten sei vielfach das Sterben verlängert worden - nicht aber das Leben. Greiner: "Wir brauchen eine Trendwende, und wir sind dabei, sie zu vollziehen." Diese Entwicklung brauche aber mehr Schwung: Weg von der Verlängerung des Sterbens hin zu begleitetem Sterben durch ausgebaute Palliativmedizin und Hospizarbeit. "Dazu gehört auch, dass bereitwilliger Schmerzmittel verabreicht werden, auch wenn sie als Nebenwirkung eine gewisse Lebensverkürzung zur Folge haben können."

Die Emnid-Umfrage sei seines Erachtens suggestiv geführt worden, so Erzbischof Schick: "Bei Umfragen muss man sehr auf die Frage achten; sie bestimmt meistens die Antwort." Frage man allgemein, ob man aktive Sterbehilfe durch einen Arzt als Gnadenakt betrachte - wie es die Emnid-Umfrage tue - dann stimmten viele Menschen zu. Laute aber die Frage, ob die Interviewpartner persönlich durch Palliativmedizin schmerzfrei und von liebenden Menschen umsorgt sterben möchten, anworteten alle mit Ja.

Für den Bund für Geistesfreiheit erklärt Heinz J.G. Gremer: "Der bfg Kulmbach/Bayreuth ist für die Sterbehilfe, weil sie menschlich geboten ist." Nicht ohne Grund habe der Bund für Geistesfreiheit Bayern die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) gegründet.