Graserschule: Wahlkampf im Schneeregen

Von Susanne Will

Es sind nur noch drei Wochen bis zum Stichtag: Neubau der Graserschule oder Sanierung? Der Bürger entscheidet - und beide Parteien kämpfen für ihre Lösung. Die einen mit Promis auf der Facebookseite, die anderen anderen mit Info-Abend. Und beide in Rufweite entfernt in der Fußgängerzone.

Thomas Bauske von der SPD erklärt Bürgern, wo die neue Graserschule stehen soll. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Die Wangen von Thomas Bauske sind rot vor Kälte. Seit ein paar Stunden steht er in der Bayreuther Fußgängerzone im Schneeregen. „Diese Form des Wahlkampfes hat sich überholt“, schnieft er genervt unter den Schirmen der SPD und der Mitstreiter FDP und CSU. Er drückt einem Passanten einen Flyer „Neubau der Graser-Grundschule: jetzt!“ in die Hand. „Wer ist bloß auf diese blöde Idee gekommen“, witzelt er.

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Es war er selbst, der Chef der Stadtrats-SPD. Der Schirm der CSU fällt um, wird vom Wind weggeblasen. Es sind nur noch drei Wochen bis zum Stichtag von Bürgerentscheid und Ratsbegehren. Der Kampf um die Stimmen ist in der heißen Phase. Auch für die Sanierer von der Bayreuther Gemeinschaft und der Bürgerinitiative, die die Graserschule erhalten wollen. Die stehen nur wenige Meter entfernt und drücken anderen Passanten Flyer „JA zur Sanierung“ in die Hand. Und frieren auch.

Einen Kaffee mit den Gegnern

Unter den Sanierern: Valentina König, eigentlich eine Genossin von Bauske. „Auch wenn die SPD den Neubau will, hier geht es nicht um die Partei, hier geht es um den mündigen Bürger - und auch darum, dass ich nicht mit der Fraktion einverstanden bin, dass über die Köpfe der Basis entschieden wird.“ Valentina König hat sich schnell ein zweites Paar Socken und eine Mütze gekauft, anders ist die Basisarbeit bei diesem Wetter nicht zu machen. Wem es zu kalt ist, der geht einen Kaffee trinken - gern auch mit den Gegnern.

Wahlkampf mit Promis

Die Neubau-Befürworter haben sich auf ihrer Facebookseite mittlerweile prominente Unterstützer geholt. Unter „Neubau der Graserschule: jetzt“ meldet sich der  Präsidenten der Universität Bayreuth, Stefan Leible, zu Wort: „...ein Neubau mit moderner Infrastruktur schafft die Voraussetzung dafür, dass unsere Kinder noch besser gefördert (...) werden können.“ Und darunter konstatiert Altoberbürgermeister und Stadtrat Michael Hohl, dass die alte Graserschule nicht kinderfreundlich sei. Dem widerspricht Sanierungsbefürworter Moritz Möller bibbernd in der Maximilianstraße: „Meine Tochter geht in die Schule und fühlt sich sauwohl dort.“

Nur wenige trotzen der Kälte

Für die Mobilmachung haben sich beide Parteien den denkbar schlechtesten Tag ausgesucht. Nur wenige halten unter ihren Schirmen inne, um sich im eisigen Wind mit den Anliegen zu befassen. Trotzdem werden beide Lager die nächsten Samstage bis zur Abstimmung wieder in der Fußgängerzone ausharren. Während die Sanierer gegen 13.30 Uhr den Pavillon zusammenklappen, geht der Wahlkampf für Thomas Bauske weiter. Zusammen mit Halil Tasdelen, stellvertretendem SPD-Fraktionsvorsitzenden, will er Bayreuthern vor Ort zeigen, wo die neue Graserschule hinkommen soll. Bauske hofft auf den Aha-Effekt, wenn die Leute das Grundstück erst einmal sehen. Und er scheint zu hoffen, dass wenigstens einer bei dem Termin erscheint. Ortstermin an der Cottenbacherstraße, Ecke Karl-Muck-Straße. Zu den SPD-lern gesellen sich tatsächlich doch noch acht Erwachsene und drei Kinder.

13.000 Quadratmeter

Durch ein Jägerzaun-Tor geht es über einen geplättelten Weg in eine grüne Oase, die so nicht zu vermuten ist zwischen Nordring und Cottenbacherstraße. 13.000 Quadratmeter groß ist das Gelände des Bezirks, das die Stadt kaufen könnte. „Eine viertel Stunde Fußweg von der Innenstadt“, das sei machbar, stellt Bauske fest. Eine junge Familie steht im Graupelschauer, der Sohn wird 2017 eingeschult. „Wir wohnen ums Eck“, sagt die Mutter, natürlich will sie, dass die Graserschule hier gebaut wird. Wie auch eine 38-Jährige. Ein Kind der dreifachen Mutter geht gerade auf die Graserschule, sie sagt, der Kleine sei täglich 25 Minuten zu Fuß in die Schule unterwegs. Und: Ein Umbau sei für die Kinder im laufenden Schuljahr „unzumutbar“.

Häuser sollen weg

Neben dem jetzt matschigen Grundstück steht ein von außen heruntergekommen aussehendes Wohngebäude. Ein Mieter tritt auf den Balkon, er fotografiert die Gruppe um Bauske, der gerade über die Erweiterungsmöglichkeit um eine Turnhalle referiert. Sollte die Graserschule hier gebaut werden, wird sich dieser Mann wohl eine neue Wohnung suchen müssen. „Der Bezirk sagte“, so Bauske, „dass er diese Gebäude nicht mehr brauche.“

Info-Abend im Bechersaal

Nach einer halben Stunde sind Bauskes Wangen blau. Der Wahlkampf geht nächstes Wochenende weiter, Infostand an Infostand werden die Lager die Bayreuther zu überzeugen versuchen. Immerhin eine Veranstaltung gibt es noch mit Dach über dem Kopf: Die Sanierer laden am Mittwoch, 9. März, in den Bechersaal zum Infoabend ein. Und dazu haben auch sie einen Prominenten eingeladen: den „Hausmann“ Klaus Wührl-Struller.