Graserschule Bayreuth Eine Baustelle von langer Dauer

Während die Arbeiten an der Generalsanierung der Graserschule nicht in Gang kommen, steigen die Kosten weiter. Im Ferienausschuss des Bayreuther Stadtrates gab es vereinzelt die Empfehlung, die Sanierung zu unterbrechen und neu nachzudenken.

Fünf nach dem Bürgerentscheid und drei Jahre nach der ersten Präsentation der Kosten für die Generalsanierung der Graserschule ist noch nichts geschehen. Nur die Kosten sind gestiegen. Foto: Archiv/Eric Waha

Bayreuth - Die Generalsanierung der Graserschule wird fortgesetzt. Nach vielen Wortbeiträgen und heftiger Kritik an den Grünen und der Bayreuther Gemeinschaft stimmten die Mitglieder des Ferienausschusses am Mittwoch dem Vorschlag der Verwaltung zu, die Maßnahme weiterzuführen. Nur Thomas Hacker (FDP) und Wolfgang Gruber (DU) lehnten eine weitere Sanierung ab.

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Deutlich höhere Kosten

Was manchen Stadtrat erzürnte, war der Anlass für die Diskussion im Ferienausschuss: eine deutliche Kostenmehrung von rund 20 Prozent. Stimmten die Stadträte im Dezember 2019 noch Sanierungskosten von rund 13,3 Millionen Euro zu, konfrontierte Stadtbaureferentin Urte Kelm den Ferienausschuss mit einer neuen Summe: rund 17 Millionen Euro. Nicht kalkulierbare Materialkosten, höhere Kosten für den Gerüstbau, bei den Malerarbeiten und der Hausschwammsanierung seien maßgeblich für die Kostensteigerung, sagte Kelm. Rund 1,5 Millionen Euro seien bereits in erste Baumaßnahmen geflossen. Die gute Nachricht: Das Schulgebäude werde mit einer fest installierten Lüftungsanlage ausgestattet. Und der Verdacht auf Asbest in den Wänden habe sich nicht bestätigt.

Keine Umkehr, aber Rückblick

Es sei nun ein Punkt erreicht, an dem man nicht mehr umkehren könne, sagte CSU-Fraktionssprecher Stefan Specht. Aber ein Rückblick war sehr wohl möglich. Und in dem teilte Specht gehörig aus gegen die Fraktionen der Grünen und der Bayreuther Gemeinschaft (BG). Diese hätten, wie im Flyer nachzulesen, beim Bürgerentscheid im Jahr 2016 mit falschen Zahlen hantiert, um die teilnehmenden Bürger von der Sanierung der Graserschule und gegen einen Neubau zu überzeugen. Die Mehrheit sei tatsächlich auf die Zahlen hereingefallen. Aus den vorgegaukelten Sanierungskosten von acht seien nun 17 Millionen Euro geworden, sagte Specht. Ein Neubau sei mit 14,7 Millionen kalkuliert gewesen. Umgerechnet entfielen damit 100.000 Euro auf jeden Schüler der Graserschule. „Eine Dimension jenseits aller Verhältnisse.“ Ein Neubau sei heute keine Alternative mehr, laute der Konsens in seiner Fraktion, weil es zu weiteren Verzögerungen komme. Specht: „Wir haben den Point of no Return überschritten und müssen in den sauren Apfel beißen.“

Zustimmung unter Protest

Seine Fraktion werde unter Protest der Kostenmehrung zustimmten, betonte SPD-Sprecher Thomas Bauske. Auch er bezeichnete die Zahlen im vor dem Bürgerentscheid verteilten Flyer als falsch. Auch seine Fraktion habe für einen Neubau gestimmt. Nun seien fünf Jahre vergangenen und es sei noch immer nichts geschehen, von einer Kostenmehrung abgesehen. Er bezweifle, dass das Ende bereits erreicht sei. „Vielleicht erreichen wir noch die 20 Millionen“, sagte Bauske. Aber einen positiven Aspekt wollte er nicht verhehlen: „Wir bauen für die Zukunft und für Generationen von Schülern.“

Auch ihrer Fraktion gefalle die Kostenentwicklung nicht, betonte Grünen-Fraktionssprecherin Sabine Steininger. Aber sie bleibe bei ihrer Meinung: In einer lebendigen Innenstadt müsse es auch Wohnen und Schulen geben.

Zahlen von der Verwaltung

Karsten Schießeck (Bayreuther Gemeinschaft) und Befürworter der Sanierung verwies darauf, dass die im Flyer aufgeführten Zahlen von der Verwaltung geliefert worden seien. Auch wenn das Gebäude eine andere Nutzung erfahren hätte, es hätte trotzdem saniert werden müssen. Man dürfe Kinder nicht an den Rand der Stadt drängen, die Schule gehöre in die Innenstadt.

Seine Fraktion könne der Kostenmehrung nicht zustimmen, sagte Thomas Hacker (FDP/DU/FL). Im Bürgerentscheid seien den Bürgern falsche Zahlen präsentiert worden. Außerdem entspreche das Gebäude keinerlei pädagogischen Ansprüchen.

Rettet die Kinder

Die Kinder retten wollte CSU-Stadtrat Helmut Parzen. Man könne ihnen unmöglich fünf Jahre lang Staub und Lärm zumuten. Vielleicht finde sich eine Möglichkeit, die Schule in einem anderen Gebäude unterzubringen. Christian Süß spürte angesichts der „Kostenexplosion“ „große Bauchschmerzen“ und fragte in die Runde: „Wie können wir das alles noch stemmen?“Er sehe allerdings keine Alternativen für eine Umkehr.

Teuerste Schule Bayerns

Das Rathaus II in der Graserschule unterzubringen, wäre die richtige Entscheidung gewesen, sagte Halil Tasdelen (SPD), der ebenfalls von falschen Zahlen beim Bürgerentscheid sprach. Wolfgang Gruber war überzeugt, dass „wir nicht verantwortlich handeln“. Und Beate Kuhn (SPD) bezeichnete die Situation als „niederschmetternd“. BG und Grüne hätten der Stadt einen „Bärendienst erwiesen“. CSU- Stadtrat Michael Hohl, der die Schule als die teuerste Bayerns bezeichnete, sprach sich hingegen deutlich für eine Unterbrechung der Sanierungsarbeiten aus. Die Schule solle ausziehen, das Gebäude bestandssaniert werden und möglicherweise die Mitarbeiter von Rathaus II einziehen. Man könne das Gebäude aber auch verkaufen. Ein Vorschlag, den auch Gruber aufgriff: Die Bremse reinhauen und noch mal nachdenken, so sein Vorschlag. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger verwies auf eine „ganze Reihe von Maßnahmen mit Kostenmehrung“, die alle notwendig seien. Man müsse aber auch die Finanzen im Blick behalten. Der Rückgang der Gewerbesteuer sei kräftig. Aber, betonte er, Geld werde nicht verpulvert.

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