Das Computerprogramm GraphHopper plant, ähnlich wie die Maps-Funktion von Google, Routen zwischen mehreren Orten – abhängig davon, ob der Nutzer Wert auf Schnelligkeit, Kosten oder Streckenaktivität legt. So bekommt ein Radfahrer die schönste Tour und ein Paketlieferant die schnellste Reihenfolge für seine Lieferadressen. Außerdem unterscheidet GraphHopper zwischen den Fahrzeugarten Auto, Fahrrad, Lastenrad, Elektroscooter und Lieferwagen.

Das Programm richtet sich an Unternehmen, die für die Nutzung einen monatlichen Preis zahlen. Dieser hängt von der Firmengröße ab und beginnt bei etwa 40 Euro.Die Unternehmen können die Software verändern und in eigene Programme einbauen – zum Beispiel in Wanderführer oder Navigationsapps.

Vom Freizeitprojekt zum Unternehmerplan

Peter Karich - der Kopf des Projekts - hat eigentlich Physik studiert und ist dann in der Informatik gelandet. Der Familienvater trägt eine Jeans und ein hellblaues T-Shirt. "Das ist jetzt leider nicht mein bestes Shirt", sagt er. GraphHopper entstand vor drei Jahren als sein Freizeitprojekt.

Vor rund einem Jahr tat der 32-Jährige sich mit Stefan Schröder (36) aus München zusammen. Ingenieur Schröder arbeitet für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und ist Urheber des Programms Jsprit, dass Routen mit mehreren Zielen optimiert. „Ich schrieb ihm: Hey, wenn wir zusammenarbeiten, kann da was ganz großes draus entstehen“, erzählt Karich. Auch Schröder habe das erkannt.

Kein typischer Unternehmer

Das Unternehmen hinter GraphHopper will Karich bis Anfang 2016 in Bayreuth gründen. Derzeit arbeitet er als Freiberufler von zu Hause aus. Er ist kein Brust-raus-Typ, steht ein wenig gebeugt. Die Haare fallen ihm ins Gesicht. Am Nachmittag müsse er mal wieder zum Friseur, entschuldigt er sich. Nach seinem Alter gefragt, muss er erst einmal rechnen. „Jahrgang 83, das bedeutet dann... äh… 32. Das Alter ist so eine Information, die sich ständig ändert, sowas merk ich mir nicht.“ 

Routenplanung basiert auf Karten-Wikipedia

Der Name GraphHopper ist ein Wortspiel: Die Verbindung des englischen Worts für Grashüpfer mit dem Begriff Graph, der in der Informatik ein Netz aus Punkte bezeichnet. Von Punkt zu Punkt springen also.

Anders als Konkurrent Google Maps arbeitet GraphHopper mit den Kartendaten der Internetseite OpenStreetMaps. In diesem Projekt steuern Nutzer aus der ganzen Welt wie bei der Wikipedia Informationen bei und erschaffen so eine frei verfügbare Weltkarte. Der große Nachteil: Verkehrshindernisse - Stau, Unfälle, Sperrungen - erfasst die Karte nicht. Das Bayreuther Start-Up sucht bislang erfolglos ein Unternehmen, das die Verkehrsdaten bereitstellt.

Obwohl laut Karich schon mehrere dutzend Kunden GraphHopper nutzen, werde er von großen Firmen oft abgewiesen. „Die setzen nur auf etablierte Player“, sagt er. Die Arbeit mit Freiberuflern sei vielen Firmen zu heikel – daher der Schritt zur GmbH. Auch Mitarbeiter wünscht Karich sich, vor allem für das Marketing und die Verwaltung. Er konzentriere sich lieber aufs Programmieren.

Optimistisch trotz großer Konkurrenz

Zweifel, dass seine Unternehmerpläne scheitern könnte, plagen den gebürtigen Dresdner nicht. Die Nachfrage nach Routen-Programmen werde steigen, glaubt Karich. Viele Unternehmen liefern direkt zum Kunden. Nicht nur Essen, sondern auch der Einkauf wird mittlerweile zur Haustür bestellt. „Wir wollen vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen ansprechen“, sagt Karich.

„Unser Alleinstellungsmerkmal ist unsere Flexibilität“, sagt Karich. Das zweite Standbein der Firma werde nämlich sein, die Software an die Wünsche einzelner Kunden anzupassen und sie in deren Systeme einzuspeisen. Dadurch könne das Start-Up aus Bayreuth langfrsitig bestehen.

Auf GraphHoppers Internetseite gibt es auch eine einfache Version des Routenplaners für private Nutzer.

Weitere Gewinner des Gründerpreises

Durch den Gründerpreis IKT Innovativ unterstützt der Bund seit 2010 zwei Mal im Jahr fünf Unternehmen, die vor der Gründung stehen. In diesem Jahr wird er auf der Elektrnikmesse IFA in Berlin verliehen. Neben einem Preisgeld von je 30.000 Euro erhalten die Prämierten außerdem ein Coaching und werden Teil des Preisträger-Netzwerkes. Neben GraphHopper haben die folgenden Ideen einen Hauptpreis gewonnen:

- Innsystec: Mit einem Chip der Firma senken Betreiber von Mobilfunknetzen ihren Stromverbrauch deutlich.

- MiCROW: Ein Montagegerät, das auf einen Tisch passt, montiert kleinste Teile mit hoher Präzision, zum Beispiel bei Mikrochips.

- Sensape: Die Firma entwickelt ein Programm, durch das Werbebildschirme auf ihre Betrachter reagieren. Blickt ein Passant auf den Bildschirm, dreht sich zum Beispiel eine Werbefigur und zeigt sich von allen Seiten.

- Toposens: Ein Sensor, der seine Umgebung in Echtzeit erkennt und vielfältig einsetzbar ist, zum Beispiel als Einparkhilfe, zur Gestenerkennung oder in der Robotik.