Graffiti statt Wahlwerbung Die Sprayer-Szene zeigt, was sie drauf hat

Kunst aus Sprühdosen ist nicht immer erwünscht. Doch in diesem Fall ist sie ausdrücklich gewollt.

Bayreuth - Die städtischen Wände für Wahlwerbung gehören jetzt ihnen. Sie sind willkommene Flächen für Kreativität und künstlerischen Ausdruck. So bunt und vielfältig kann Graffiti-Kunst sein. Insgesamt elf Tafeln, die meisten an den Ausfallstraßen, haben in den vergangenen Tagen darauf gewartet, dass die Sprühfarbe kommt.

Manches Werk ist bereits fertig, andere wiederum brauchen noch ihre Zeit. Zu sehen ist das beispielsweise an der Bismarckstraße, an der Königsallee, der Nürnberger Straße, am Freiheitsplatz und in der Hammerstatt. Ob am Menzelplatz auf die Wahltafel gesprüht wird, war gestern noch unklar.

Die Szene ist begeistert. „Die Freigabe der Tafeln ist eine gute Gelegenheit für Bayreuths Sprayer, sich nach langer Pause wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen“, sagt Markus Porsch. Er ist wohl der Dienst älteste und erfahrenste Sprayer in der Stadt. In der Szene hat er den Namen Dusty. Seit einigen Jahren ist er der Ansprechpartner der Stadtverwaltung. Wie er sagt, sind gegenwärtig 16 Heranwachsende, darunter auch ein Mädchen und Künstler aus Nürnberg und Weiden, an den Wahltafeln mit ihren Sprühdosen unterwegs. Die Werke brauchen ihre Zeit. „Bis zu zwei Tage kann es schon dauern, bis ein aufwendiges Gemälde fertig ist“, sagt Porsch.

Für ihre Leidenschaft greifen die junge Leute tief in die Taschen: Vier bis fünf Euro kostet eine Farbdose. Der künstlerischen Freiheit sind dann eigentlich keine Grenzen gesetzt. „Nicht sexistisch und nicht politisch müssen die Aussagen der Bilder sein“, so Porsch.

Die Tafeln mit den Graffitis sind – wie in den Vorjahren – bis in den November hinein zu sehen. „Es gab stets gute Rückmeldungen. Die Aktion kommt gut an“, so Heiko Sollmann von der Stadtverwaltung. Bereits früher, in den Jahren 2016 und 2017 hat die Stadtverwaltung den Sprayern Wahltafeln überlassen. Dafür kooperiert das Jugendamt mit der Sprayer-Szene, für die Markus Porsch spricht.

Seit 2015 gibt es in Bayreuth die Hall of Fame für Sprayer. Dahinter steckt die Idee, Kunst im öffentlichen Raum zu etablieren und Graffiti in legale Bahnen zu lenken. „Ich sehe die Bereitstellung der Flächen für die Graffiti-Kunst als einen weiteren Beitrag zum Thema Kunst im öffentlichen Raum und Jugendkultur in Bayreuth“, so die damalige Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Insgesamt 30 Künstler aus der Bayreuther Szene beteiligen sich sodann an der Graffiti-Hall-of-Fame. Es entstanden zahlreiche Kunstwerke entlang der Radwege in Bayreuth.

Über Markus Porsch berichtete der Kurier übrigens schon vor mehr als 20 Jahren mit dem Titel „Wenn Wände plötzlich Bände sprechen“. Seine Graffitis dokumentiert der Sprayer auf seiner Homepage im Internet, Adresse www.dusty-graffiti.weebly.com.

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