Gibt es noch mal eine G8-Reform?

Vor dreizehn Jahren kündigte der damalige Ministerpräsident Stoiber völlig überraschend die Verkürzung der Gymnasialzeit an. Die Folge: Bis heute wird über die Reform der Reform debattiert.

Soll das Gymnasium wieder neun Jahre dauern? Elf Jahre nach der Einführung des Turbo-Abiturs G8 bekommt die Debatte um G8 oder G9 neue Nahrung: Bei einer Umfrage sprechen sich vier von fünf Eltern für eine Rückkehr zu G9 aus. Archivfoto: Armin Weigel/dpa Foto: red

Die regierende CSU lehnt eine sofortige Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums in Bayern ab - peilt aber die Entscheidung über eine neuerliche Gymnasialreform bereits vor dem Ende des derzeitigen Pilotversuchs an. Die Entscheidung soll noch vor Ablauf der derzeitigen zweijährigen Testphase kommen, wie sowohl Ministerpräsident Horst Seehofer als auch Kultusminister Ludwig Spaenle (beide CSU) am Mittwoch am Rande der CSU-Fraktionssitzung im Landtag sagten.

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Eventuell neue Reform kommendes Jahr

Denn eine eventuelle neue Gymnasialreform soll zum übernächsten Schuljahr 2017/18 nahtlos an den derzeitigen Test anknüpfen: Der Pilotversuch gehe nächstes Jahr zu Ende, «und natürlich muss man rechtzeitig vor dem übernächsten Jahr entscheiden», sagte Seehofer - gemeint ist damit das übernächste Schuljahr 2017/18, das im September 2017 beginnt. Die Anmeldungen zu den Gymnasien stehen bereits im späten Frühjahr auf dem Terminkalender, so dass allerspätestens bis dahin entschieden sein müsste, wenn die CSU Klarheit für die Eltern schaffen will.

Die Freien Wähler fordern eine sofortige Entscheidung über eine Rückkehr zum G9. «Es besteht höchste Eile, um 2017 flächendeckend allen Schülern und Schülerinnen eine neunjährige Gymnasialzeit anbieten zu können, die das wollen», sagte Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Kultusminister Spaenle nannte diese Forderung nach einer sofortigen Entscheidung einen «billigen Schaufensterantrag».

"Mittelstufe plus" erfolgreich

Der Anlass für Aiwangers Begehr: In diesem und im nächsten Schuljahr wird an mehreren Dutzend Gymnasien in Bayern die «Mittelstufe plus» erprobt - und die Anmeldezahlen liegen zwischen 60 und 70 Prozent. Die Schüler können die Mittelstufe an diesen Testgymnasien in vier anstelle von drei Jahren absolvieren, so dass sich die Gymnasialzeit insgesamt wieder auf neun Jahre verlängert. «Es wäre fahrlässig, wenn Seehofer die politische Entscheidung weiter verschiebt, nur um das Gesicht zu wahren», sagte Aiwanger.

Seehofer betonte dagegen: «Da besteht jetzt kein Anlass, hektisch und oberflächlich etwas vorwegzunehmen.» Die Bildungspolitik der Staatsregierung werde verlässlich bleiben. «Das geschieht nur, wenn man sich nicht treiben lässt, sondern die Dinge in aller Ruhe aufbereitet.»

Argument Persönlichkeitsentwicklung

Seehofer hatte bereits vor einigen Jahren Sympathien für eine Wiedereinführung von G9 erkennen lassen, doch hatte die CSU-Landtagsfraktion dem damals einen Riegel vorgeschoben. Derzeit hält sich der Ministerpräsident bedeckt, was seine persönliche Präferenz betrifft. Doch zitierte er ein Lieblingsargument der G9-Befürworter: Dass eine neunjährige Gymnasialzeit mehr Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung lasse. «Wir sollten alle dazu beitragen, dass wir junge Menschen ausbilden, damit sie ein glückliches Leben führen können», sagte Seehofer. Das resultiere nicht nur aus angelerntem Wissen, sondern auch aus der Persönlichkeitsentwicklung.

Diskutiert wird nicht nur innerhalb der CSU, sondern auch bei der Opposition gibt es unterschiedliche Meinungen. Die SPD fordert, eine neunjährige Gymnasialzeit wieder zum Standard zu machen. «So wie wir es jetzt haben, ist es ein Gemurkse, und so kann es nicht bleiben», sagte der SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

Bessere wissenschaftliche Untersuchung gefordert

Die Grünen haben sich bislang nicht bei den G9-Anhängern eingereiht, sie forderten stattdessen eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung. Der bildungspolitische Sprecher Thomas Gehring warnte Seehofer und Staatsregierung vor einem neuerlichen unüberlegten Schnellschuss: «Jetzt ist die Gefahr da, dass man hoppla hopp etwas macht, was die Probleme an den bayerischen Gymnasien nicht löst.»

dpa

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