Gewässer: Schlamm erstickt Leben

Von Peter Engelbrecht

Es gleicht einem Tropfen auf den heißen Stein: Der Bezirk Oberfranken kämpft mit einem Rettungsprogramm für die Flussperlmuschel im Raum Rehau, doch der Niedergang dieser seltenen Tierart wird wohl nicht aufzuhalten sein. Im Landkreis Bayreuth gibt es nur noch „eine Handvoll“ dieser Muscheln.

Bedroht: Die Flussperlmuschel. Foto: dpa/Archiv Foto: red

Durch den hohen Eintrag von Sand und Feinsedimenten aus benachbarten Äckern, aber auch von Feld- und Waldwegen in die Bäche wird der kiesige Untergrund verschlossen – aber dort finden die Flussperlmuscheln ihre Nahrung. Die Tiere verhungern oder ersticken. Ein Problem ist die landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Äcker. Es gibt kaum noch Puffer zwischen Ackerland und den Flussläufen, bei jedem starken Niederschlag wird wertvoller Boden in die Bäche gespült.

Nach der Werbung weiterlesen

Doch nicht nur die Flussperlmuschel kämpft ums Überleben. Durch den Eintrag von Feinsedimenten sind kieslaichende Fischarten wie Nase, Barbe, Äsche und Bachforelle vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Auch deren Fortpflanzung wird erheblich gestört, weil die abgelegten Eier von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten werden und absterben. Diese Erkenntnisse hat eine wissenschaftliche Studie bereits 2005 erbracht, die Verfasser hatten „umgehend Gegenmaßnahmen“ gefordert. Doch große Erfolge blieben aus.

Der von der Verschlammung in Oberfranken am meisten betroffene Fluss ist die Wiesent in der Fränkischen Schweiz. Hier geht es neben dem Abschwemmen von Ackerland auch um hohe Nährstofffeinträge durch das Ausbringen von Gülle auf den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen, die bei starken Regen in den Fluss gespült wird. Die Gülle fördert Algenwachstum, das dem Wasser Sauerstoff nimmt. Nach Hochrechnungen befanden sich mehr als 95 000 Tonnen Feinsand und Schlamm in der Wiesent.

Die intensive Landwirtschaft, wie sie entlang von Bächen und Flüssen betrieben wird, verträgt sich nicht mit der Existenz von Flussperlmuscheln und Bachforellen. Notwendig wären Grünlandstreifen, um das Abschwemmen von Land zu bremsen. Die aber sind nicht in Sicht. Das leise, unscheinbare Sterben in den Bächen wird weitergehen.