Gesellenprüfung Bayerns bester Bestatter kommt aus Bayreuth

Maximilian Christ hat die beste Gesellenprüfung in Bayern abgelegt. Gelernt hat er im Bestattungshaus Himml seiner Eltern Gudrun und Alexander F. Christ (von links). Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Kann man sagen, dass man in diesem Beruf Spaß hat? Maximilian Christ sagt ja. Er ist der Sohn des Bayreuther Bestattungsunternehmers Alexander F. Christ und hat gerade seine Gesellenprüfung zur Bestattungsfachkraft als Bester in Bayern abgelegt.

„Seinen“ ersten Toten hat Maximilian Christ mit 15 Jahren gesehen. Das war auch ungefähr der Zeitpunkt, als sich der heute 19-Jährige überlegte: „Das könnte wirklich was für dich sein. Schließlich wächst man da auch ein bisschen mit rein, wenn die Eltern ein Bestattungshaus führen.“

Doch die haben ihrem Sohn erst abgeraten, sagt Vater und Inhaber Alexander F. Christ im Brustton der Überzeugung. Weil der Beruf so stressig sein kann, einen oft rund um die Uhr fordert und natürlich auch emotional nicht einfach ist.

„Natürlich gibt es auch Routine. Aber es gibt Sterbefälle, die man sein ganzes Leben nicht vergisst“, sagt Maximilian Christ. Vor allem, wenn ein Kind stirbt oder der Tod zum Beispiel durch einen Unfall plötzlich gekommen ist, dann gehe einem das auch persönlich sehr nahe. „Jeder bei uns kann bestimmt mehrere Beratungsgespräche nennen, wo ihm auch selber die Tränen gekommen sind.“

Arbeit auf dem Lehrfriedhof

Mit mangelnder Professionalität habe das nichts zu tun, ganz im Gegenteil, sagt Alexander F. Christ. Man müsse sich einfühlen können in die Trauernden, habe eine gewisse Verantwortung für sie. Trauerpädagogik heißt das entsprechende Fach in der Berufsschule, sagt Maximilian Christ, der aber betont, dass die direkte Begleitung der Trauernden nur einen kleineren Teil der gesamten Tätigkeit ausmacht.

Man sei Handwerker, Psychologe und bei der Arbeit an und mit den Verstorbenen auch irgendwie im medizinischen wie kosmetischen Bereich unterwegs und müsse sich in gewissen Rechtsfragen auskennen. „Mal bin ich im Anzug unterwegs, mal in Arbeitsklamotten, wenn wir ein Grab ausheben, und dann bei der Arbeit mit den Toten wieder in spezieller Schutzkleidung. Das macht den Beruf so abwechslungsreich“, sagt Maximilian Christ.

Die praktische Ausbildung hat er im elterlichen Betrieb gemacht, dem seit rund 90 Jahren bestehenden Bestattungshaus Himml, die theoretische in Blockseminaren in der Berufsschule in Bad Kissingen und in Münnerstadt. Dort in Unterfranken gibt es sogar einen Lehrfriedhof mit unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, auf dem zwar ständig Gräber ausgehoben werden, aber noch nie jemand bestattet wurde, erzählt Maximilian Christ. Dort wurde auch die Gesellenprüfung abgenommen.

Dass seit einigen Jahren immer mehr Bestattungsfachkräfte ausgebildet werden, finden die Christs gut. Dass es immer noch möglich ist, auch ohne solche Ausbildung ein Bestattungsunternehmen zu eröffnen, dagegen gar nicht. Das sei allein wegen der hygienischen Anforderungen unverständlich.

Meister als Ziel

Maximilian Christ jedenfalls will auf jeden Fall noch seinen Meister machen, den sein Vater auch hat. Zuerst aber steht die Fortbildung zum Thanato-Praktiker an, mit Praktika auch im Ausland, wo das Bestattungswesen oft einen ganz anderen Stellenwert habe.

Dabei geht es um alle Tätigkeiten, die über eine hygienische Totenversorgung hinaus nötig sind. Dazu gehört etwa das Einbalsamieren, also der Austausch aller Körperflüssigkeiten gegen spezielle Flüssigkeiten. Das sei etwa nötig, wenn zwischen Ableben und Beerdigung ein längerer Zeitraum liegt.

Außerdem geht es um kosmetische Rekonstruktion bis hin zu aufwendigen Fällen, etwa nach schweren Unfällen. „Ziel ist es, den Verstorbenen so weit wieder herzustellen, dass eine Verabschiedung am offenen Sarg möglich ist“, sagt Maximilian Christ.

Das sei trauerpsychologisch wichtig. Das dürfe aber nicht so weit gehen, dass die Toten aussehen, als wenn sie noch leben. „Das ist in den USA oft so, da sieht die Oma dann manchmal jünger aus als vor ihrem Ableben. So können die Hinterbliebenen den Tod aber nur schwer realisieren.“

Es wird anonymer

Das Bestattungswesen unterliege einem zunehmenden Wandel, sagt Alexander F. Christ: „Es wird anonymer. Die große Beerdigung unter allgemeiner Anteilnahme gibt es meist nur noch auf dem Land.“ Statt des Erdgrabes würden andere, meist auch pflegeleichtere Angebote wichtiger. Mancher lasse sich den Abdruck einer Hand oder eines Fingers des Toten machen – oft die Eltern kleiner Kinder. „Dann können sie ihren Trauerort quasi mitnehmen“, sagt Maximilian Christ.

Hat er selber mit Vorbehalten zu tun? „Selten“, sagt er, aber: „Wenn ich Auf Wiedersehen sage, höre ich schon mal: Hoffentlich nicht.“ Sonst gebe es eher interessierte Nachfragen: „Mit dem Thema Bestatter kann ich locker eine ganze Party bestreiten“, sagt der 19-Jährige, der zum Ausgleich Kung Fu betreibt und Wandern geht.

 

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