Fall Caster Semenya sorgte für Aufregung
In der Leichtathletik hatte es in jüngerer Vergangenheit viel Aufregung um den Fall Caster Semenya gegeben. Die dreimalige Weltmeisterin kämpfte dagegen, sich vor Starts einer Hormonbehandlung zur Senkung ihres natürlichen Testosteronspiegels zu unterziehen. Sie betonte, sie sei eine Frau. Nach Angaben in ihrer Autobiografie hat sie keine Gebärmutter und keinen Eileiter.
Als Reaktion auf die Debatten durften bei den Weltmeisterschaften im Boxen in Liverpool und in der Leichtathletik in Tokio im vergangenen Jahr nur Sportlerinnen in der Frauen-Kategorie starten, die sich einem sogenannten SRY-Gentest zur Bestimmung des biologischen Geschlechts unterziehen und das Ergebnis „weiblich“ vorweisen.
Die Sportlerinnen werden bei diesem Test auf ein Gen auf dem Y-Chromosom untersucht, das für die Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale entscheidend ist. Auch das IOC will diese Methode anwenden. Diese sei verlässlich und im Vergleich zu anderen Optionen nicht invasiv.
Scharfe Kritik von Menschenrechtlern
Unter Athletinnen gehen die Meinungen über das Vorgehen auseinander, viele deutsche Sportlerinnen äußerten sich kritisch zu Geschlechtertests. Eine große Gruppe von Menschenrechtsorganisationen hatte das IOC vorab mit scharfen Worten aufgefordert, die Regel nicht in Kraft zu setzen.
Die Kritiker verweisen darauf, dass die Tests die Privatsphäre verletzen würden. Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht. „Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt“, sagte die Direktorin der „Sport & Rights Alliance“, Andrea Flores.
Schon früher gab es in der olympischen Welt Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968 Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Nach Problemen und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein.