Geschichtswerkstatt Ein Erinnerungsort mit Fragezeichen

Der Verein Werksiedlung Weidenberg will die Räume des bisherigen Glas-Knopf-Museums zu einer Geschichtswerkstatt umbauen. Unser Bild zeigt (von links) Vorsitzende Brigitte Hadlich mit drittem Vorsitzenden Martin Lochmüller sowie Herbert Hadlich (Beisitzer im Vorstand). Foto: Andreas Schmitt Foto: Andreas Schmitt

WEIDENBERG. Das Glas-Knopf-Museum hat seit Monaten geschlossen. Es soll Teil eines regionalen Glasmuseums in Warmensteinach werden. Das Gebäude aber – das Bernt-Haus – soll Erinnerungsort bleiben. Der Verein Werksiedlung plant eine Geschichtswerkstatt. Der Bürgermeister unterstützt und kritisiert zugleich.

Junge Leute sollen hier die Geräuschkulisse und die Atmosphäre von damals nachvollziehen können“, sagt Brigitte Hadlich. Die Weidenberger Künstlerin ist Vorsitzende des Vereins Werksiedlung. Er erinnert an die Integration von rund 1000 Vertriebenen aus dem Sudetenland, die zwischen 1951 und 1954 nach Weidenberg kamen.

Die meisten Neubürger stammten aus der Region um die Glasmacher-Hochburg Gablonz und nutzten ihr Wissen um die Glasveredelung in Weidenberg weiter. „Fast in jedem Haus der Werksiedlung war eine Glaswerkstatt“, sagt Hadlich, selbst Nachfahrin der Vertriebenen.

Auch die Familie Bernt stellte in der Kristallstraße 5 Glasgegenstände her – allen voran Knöpfe. Die Räume sind teilweise original erhalten – und noch Schauplatz der Exponate des Glas-Knopf-Museums. „Alles, was die allgemeine Glasgeschichte betrifft, kann nach Warmensteinach“, sagt Hadlich. So könne etwa eine Sammlung von Glasknöpfen, die zwar selten ist, aber keinen direkten Bezug zu Weidenberg hat, umziehen. In Warmensteinach hat sich der Gemeinderat mittlerweile für das Eisenbahnerhaus als Standort entschieden (wir berichteten). „Die Dinge, die die typische Weidenberger Geschichte erzählen, wollen wir hierbehalten“, sagt Hadlich. Allen voran die Drücköfen.

Den historischen Stand der 50er Jahre herstellen

„Es soll ein größeres Projekt werden, um diesen authentischen Ort zu erhalten“, sagt Martin Lochmüller, Gemeinderat (Bürgerforum) und dritter Vorsitzender des Vereins Werksiedlung. Die Pläne: Im Inneren werden die Museumsräume in den historischen Stand der 1950er Jahre zurückversetzt und um weitere ergänzt. Im Obergeschoss sollen Büros entstehen und im Außenbereich ein Pavillon für Cafeteria und Seminarraum.

Der Bund will den Plan mit 1,5 Millionen Euro fördern, berichtete Abgeordnete Silke Launert (CSU) im Dezember 2018 dem Kurier. Genaue Zahlen, wie teuer der Umbau der Immobilie wird, gibt es noch nicht. Launert aber sprach von einer fehlenden Million, an der sich alle politischen Ebenen beteiligen sollen – Landesstiftung Bayern, Oberfrankenstiftung und auch die Marktgemeinde.

Weidenberg aber ist Konsolidierungsgemeinde, erhält vom Freistaat Bayern zusätzliches Geld, um Schulden abzubauen. Freiwillige Ausgaben werden durch die Rechtsaufsicht des Landratsamtes Bayreuth kontrolliert. „Wir müssen uns bei jedem Projekt fragen, wie wir es finanzieren“, sagt Bürgermeister Hans Wittauer (FWG).

Wittauer übt Kritik an der Kommunikationsweise der Initiatoren der Geschichtswerkstatt. „Eigentlich wollten die Vereine Werksiedlung Weidenberg und der Glasmuseumsverein Warmensteinach ein Konzept umsetzen. Jetzt hört sich das anders an.“ Wittauer findet: „Ein starkes Museum hätte mehr Durchschlagskraft als zwei an getrennten Standorten.“

Dennoch unterstützt die Gemeinde das Vorhaben grundsätzlich. Diesen Beschluss traf der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, verwies jedoch darauf, dass der Markt laut derzeitigem Sachstand und ohne Klärung offener Fragen keine Trägerschaft übernehmen könne und auch kein Eigentum anstrebe.

Beides will, so erläutert Lochmüller, der Verein Werksiedlung organisieren. „Wir übernehmen die Trägerschaft und wollen die Immobilie auch erwerben.“ Gespräche mit der verkaufswilligen Besitzerin liefen bereits.
Außerdem sei ein Architektenwettbewerb geplant. Am vergangenen Wochenende wurde die Idee Geschichtswerkstatt zudem am Sudetendeutschen Tag in Regensburg vorgestellt.

Geld soll durch Spenden hereinkommen. Diamant- oder Rubinspender, die 500 oder 1000 Euro geben, bekommen dafür eine Glasstange mit eingraviertem Namen und werden in einem Kunstwerk vor dem Gebäude verewigt.

Einmalige Beteiligung in überschaubarer Höhe

Der Bürgermeister hat weitere Fragen – etwa, ob Personalbedarf im Museum bestehe und wer diese Kosten zahle. Eine einmalige Beteiligung an den Umbaukosten der Immobilie kann sich Wittauer in überschaubarer Höhe vorstellen. Die endgültige Entscheidung liege aber in Händen des Gemeinderats. „Wenn wir Gelder über die Städtebauförderung beantragen, müssen wir uns immer zwingend mit zehn bis 20 Prozent beteiligen“, erklärt Wittauer.

Das letzte Wort hat das Landratsamt, wo man sich bedeckt hält: „Mit dem Markt Weidenberg fand ein Gespräch statt. Ob und inwiefern eine finanzielle Beteiligung der Kommune in Vereinbarkeit mit den Konsolidierungsauflagen möglich ist, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden“, sagt Pressesprecher Herbert Retzer.

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