Die Bänke für die Außenbewirtung sind hochgeklappt, die Tischplatten haben einen gelben Schleier aus Blütenstaub. Hier saß schon eine ganze Weile keiner mehr. Den Briefkasten hat auch länger keiner geleert. Der Hinweis auf frischen Spargel auf der Schiefertafel neben dem Eingang ist eigentlich abgewischt. Man kann die Buchstaben trotzdem gut lesen. Im Aushang hinter Glas macht der Blick auf die Speisenkarte Appetit auf fränkische Küche. Krenfleisch mit Klößen, Pfefferhaxe, Schnitzel und natürlich Bratwürste stehen drauf. Doch bestellen kann man nichts davon. „Wegen Krankheit vorübergehend geschlossen“ steht in großen schwarzen Lettern auf leuchtend gelbem Grund auf Schildern. Eins hängt vor der Speisenkarte, das zweite an der Haustür. Die ist verschlossen. Die „Zunftstube“ in der Kulmbacher Altstadt ist zu. Seit einer guten Woche hat die legendäre „Lina“ nicht mehr aufgemacht. In Kulmbach kursieren Gerüchte, ob das Lokal überhaupt wieder öffnet. Guido Kögel hat es erst vor wenigen Monaten als Pächter von der Kulmbacher Brauerei übernommen.