Genuss So! Geschichten aus der Glücks-Mühle

Weitab vom hektischen Alltag liegt der Gasthof Bischofsmühle. Seit dem 11. Jahrhundert werden hier Gäste bewirtet. Waren es früher Handelsreisende, sind es heute Hochzeitspaare, Wanderer und Radfahrer. Chefin Dorothea Strößner baut auf ein eingespieltes Team.

So glänzend wie die beiden Forellen auf dem Salatblatt liegen, bevor sich Claus Lepschi ihrer Zubereitung widmet, so glänzend sehen auch die stählernen Arbeitsflächen um ihn herum aus. Lepschi kocht seit 25 Jahren im Gasthof Bischofsmühle. Der gehört zwar offiziell zur Gemarkung Helmbrechts, liegt aber viel näher an Schwarzenbach am Wald und ist Teil des Frankenwalds. Er ist so abgeschieden, dass sich in Lepschis Reich in den vergangenen Monaten kein Rädchen gedreht hat. Essen zum Abholen? „Damit haben wir gar nicht erst angefangen. Wir sind zu weit ab vom Schuss“, sagt Chefin Dorothea Strößner. Umso glücklicher sind sie und ihr zehnköpfiges Team, dass wieder Gäste Platz nehmen dürfen.

Sieben Monate Stillstand – so etwas hat es in der Bischofsmühle wohl seit dem 11. Jahrhundert nicht gegeben. So lange stehen die Gebäude nachweislich schon in dem engen Tal. Verteilt auf drei Hektar und romantisch an die Wilde Rodach geschmiegt, haben sie Jahrhundert um Jahrhundert überstanden – und immer lag auf dieser Mühle Glück, erzählt die Chefin. Seit ihre Vorfahren den Hof in den 20er-Jahren kauften, ist er in Familienbesitz. Ihre Mutter Dora Strößner ist sogar hier geboren. Ihr ganzes Leben lang hat die alte Dame hier verbracht, und bis heute hilft sie mit, wo sie gebraucht wird. „Wunderbar, dass sie es kann, aber nicht mehr muss“, findet Tochter Dorothea Strößner. Die 57-Jährige ist mit drei Brüdern hineingewachsen in den Gasthof und alles, was dazugehört. Durch die Urlaubsgäste habe es trotz der einsamen Lage stets Spielkameraden gegeben. Viele Gäste seien immer wiedergekommen, es entstanden Freundschaften.

Trotzdem wollte sie erst mal in die Welt, als die Schule vorbei war. Ein paar Jahre war sie fort, dann zog es sie heim. Seit 2015 führt sie die Geschäfte offiziell allein. Streit, wer den Gasthof einmal übernehmen soll, habe es zwischen den Geschwistern nie gegeben. „Es war immer klar: Das zu übernehmen, ist eine große Aufgabe. So schön es hier ist – es hängt richtig viel dran.“

Richtig viel, das heißt vor allem richtig viel Arbeit. Auch wenn es Mühle, Sägewerk und Landwirtschaft längst nicht mehr gibt, gilt es, neben dem Gaststättenbetrieb drei Hektar Land zu pflegen. Inklusive Wald und Fischteiche. „Weil unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, gab es deshalb während der Zwangsschließung trotzdem viel zu tun für uns.“ Es seien harte sieben Monate gewesen – und am Ende war die Sehnsucht nach Gästen quälend.

Jetzt kehren sie zurück – und schaffen es, die eingefleischte Wirtin zu überraschen: „Dass sich unsere Gäste in diesem Maße freuen, wiederkommen zu dürfen, ist wunderbar!“ Der Gasthof lebe zwar auch von Feriengästen, vor allem jedoch von den Einheimischen, von Wanderern und Ausflüglern, die vorbeischauen, um eine Auszeit vom Alltag zu genießen. Die mit der Bischofsmühle Erinnerungen verbinden – an Schulausflüge, Familienfeiern, ihre Eltern und Großeltern.

Feriengäste können sich seit einigen Jahren auch in einem Blockhaus erholen – einem 5-Sterne-Chalet inklusive Whirlpool und Sauna. Mit dieser Idee musste sich die Chefin gegen viele Skeptiker durchsetzen. So was leiste sich im Frankenwald kein Mensch, hieß es. Heute weiß sie: Doch, das leisten sich die Leute. Und zwar solche, die sonst vielleicht nach Davos gefahren wären. Viele Urlauber würden sich ihr Ziel heutzutage nach dem Objekt aussuchen. So verschlage es Gäste in den Frankenwald, die sonst nie auf die Idee gekommen wären, hierher zu fahren. „Die Leute sind begeistert, wie mystisch es im Frankenwald ist, wie zurückgezogen sie sich hier erholen können“, erzählt Dorothea Strößner.

Überhaupt sei das Bewusstsein für die Naherholungsmöglichkeiten vor der eigenen Haustür während der Pandemie enorm gewachsen. Die Chefin macht das an den Wanderern, Radfahrern und Joggern fest, die an der Bischofsmühle vorbeipilgern. Sie liegt in einem mehr denn je frequentierten Wanderkreuz. Viel öfter als früher muss das Personal die aufgeweckte Hofhündin zurückpfeifen: „Billy, lass dem Jogger sei Ruh’!“

Dorothea Strößner selbst ist froh, sich abends außerhalb des Geländes zurückziehen zu können. 150 Stufen führen an der Wand des Rodachtales hinauf zu ihrem abseits gelegenen Haus. „Ich arbeite seit 35 Jahren hier und bin froh, wenn ich die Tür abends mal hinter mir zuziehen kann.“

Immer geht das nicht. Vor der Corona-Pandemie gab es kaum einen Samstag, an dem das Team keine Hochzeitsgesellschaften bewirtet hat. Oft sogar zwei parallel. Da geht es manchmal bis nachts um drei – „und morgens um sechs Uhr klingelt der Wecker wieder“. Verlässliches Personal sei dafür das A und O. Außerdem könne sie stets auf ihre Brüder und die Schwägerinnen zählen. Es klingt nach unerschütterlicher Zuversicht, wenn die Gastwirtin so erzählt. Und tatsächlich sei es eine Grundeinstellung, die sich aus der Erfahrung vieler Generationen speise: „Die Gastronomie ist gespickt mit Problemen. Egal, wie gut man vorbereitet ist – man muss immer kurzfristig Dinge ändern und Kompromisse finden. Zu akzeptieren, dass das nicht die Ausnahme, sondern Normalität ist, macht gelassen.“

Urlaub? Das gönnt sie ihren Gästen, aber sie selbst verreist so gut wie nie. „Urlaub ist für mich, in Ruhe darüber nachdenken zu können, wo es mit der Bischofsmühle hingehen soll, was ich als Nächstes angehe.“ Ziel sei, alles so zu erhalten, wie es ist. Dazu gehört auch die Küche. Gekocht wird nach uralten Rezepten, was Dorothea Strößner sehr wichtig ist. Nach wie vor kommt im Gasthaus vor allem Wild auf den Tisch, geschossen in der Region. „Berühmt sind wir aber auch für unsere Klöße.“ Die kommen ganz traditionell auf den Tisch – von Hand gerollt, gefüllt mit buttrigen „Bröggala“.

Wie gut die schmecken, hat sich bis weit über die Region hinaus herumgesprochen. „Wir profitieren vor allem von Mundpropaganda.“ Und von den Hochzeitsplanern, die Paare aus ganz Deutschland in den Frankenwald holen. Die Lage in der Mitte Deutschlands biete sich für viele weit verstreute Familien an. Vor Ort finden sie verwunschene Gärten und Räume, in denen sich Altes an Neues reiht – das uralte Deko-Schaukelpferd im Gebälk über modernem Tischschmuck. Die Liebe zum Detail fällt überall auf, nicht zuletzt bei der Pflanzenpracht auf dem weitläufigen Gelände. Die alte Ur-Gaststube, wo auch der Tresen steht, erinnert an frühere Zeiten. „Auf Bänken, wo heute vier Leute sitzen, haben sich früher zehn Leute aneinander gequetscht. Oft war es so voll, dass man gar nicht heizen musste“, erzählt Dorothea Strößner lachend.

Es sind nicht nur solche Bilder aus ihrer Kindheit, die die Bischofsmühle zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben. Die Familie hat hier auch stürmische Zeiten überstanden. Allen im Gedächtnis ist die Nacht auf den 19. Januar 2007, als der Orkan „Kyrill“ übers Land zog. Irgendwann, erzählen sie, sei der Strom weg gewesen, und dann habe man es rundherum nur noch krachen gehört. Die Fichten gaben nach, fielen zu Hunderten um. „Aber unserer Mühle ist wie durch ein Wunder nichts geschehen“, erzählt Dorothea Strößner und lächelt. Es liegt eben Glück auf diesem Fleckchen Erde.

■ Die Bischofsmühle im Rodachtal, wie sie heute angelegt ist, stammt aus dem 11. Jahrhundert. Aufzeichnungen aus dem Staatsarchiv Bamberg lassen jedoch vermuten, dass sie damals bereits auf Ruinen eines Vorgängerbaus entstand – und somit noch älter ist.

■ Zur Anlage gehörten Jahrhunderte lang eine Getreidemühle, ein Sägewerk und seit jeher auch ein Gasthof. Der heute versteckt im Wald gelegene Hof war damals gut frequentiert, lag er doch an der alten Handelsstraße zwischen Bamberg und Dresden.

■ In den 70er-Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt auf die Gastronomie. Mühle und Sägewerk wurden stillgelegt, der Gasthof dafür ausgebaut. Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten gab es vor allem durch die Westberliner, deren nächstgelegener Ferien-Anlaufpunkt der Frankenwald war.

■ Heute werden 24 Betten und ein 5-Sterne-Chalet inklusive Whirlpool und Sauna vermietet. Besonders beliebt ist das drei Hektar große Areal bei Hochzeitsgesellschaften. Ausgerichtet werden Feiern mit bis zu 180 Personen.

■ Den Hauptumsatz erwirtschaften Chefin Dorothea Strößner und ihr Team aber durch Einheimische und Ausflügler, die in die Gaststätte kommen.
 

Bachforelle in Mandelbutter gebraten

Zutaten für zwei Personen: 2 fangfrische, ausgenommene Bachforellen (zu Tiefkühlware sagt Bischofsmühl-Chefin Dorothea Strößner: „Kann man machen, schmeckt aber nicht!“), feines Meersalz, frisch gepresster Zitronensaft, frisch geriebener Pfeffer, Butterschmalz, Butter, Mandelblättchen oder -splitter, zwei Rosmarin-Zweige, Mehl.

So geht’s: Forellen gründlich waschen und trocken
tupfen. Außen und innen großzügig mit Meersalz und sparsam mit Pfeffer würzen. In die Forelle kommen ein paar Tropfen Zitronensaft und jeweils ein Zweig Rosmarin. Dann die Forelle von beiden Seiten leicht mehlieren, also in Mehl wenden und anschließend in reichlich Butterschmalz goldgelb braten. Das dauert je Seite etwa vier Minuten. Dann eine gute Portion Butter und die Mandelblättchen zugeben und alles bei mittlerer Hitze weiterbraten, bis die Mandeln leicht hellbraun sind.

Saison: Forellen gibt es in der Bischofsmühle, „bis unsere Teiche leer sind“, sagt Dorothea Strößner. Und das ist – etwa – von Ostern bis November.

Genusstipp: Dazu passen gestoßene Salzkartoffeln: kochen, bis sie weich sind, dann abgießen und den Topf einmal kräftig durchschütteln, damit die Kartoffeln ein bisschen aus der Form fallen. In der Bischofsmühle kommt dafür eine leicht mehlige Kartoffelsorte zum Einsatz – sie nimmt Butter und Fischaroma einfach besser auf als eine festkochende Sorte. Zum Gericht passen ein Frankenwein, etwa ein Silvaner, und ein frischer Salat.

Gasthof Bischofsmühle
Bischofsmühle 1, 95233 Helmbrechts
Telefon: 09289/367
E-Mail: info@gasthof-bischofsmuehle.de

Hinweis: Wer die Mühle mit Hilfe des Navigationsgeräts finden will, sollte „Rauschenhammermühle 8, 95131 Schwarzenbach am Wald“ eingeben – von dort aus ist der Weg durch den Wald ausgeschildert.

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag,
jeweils von 8 bis 22 Uhr

www.gasthof-bischofsmuehle.de

 

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