Geldpolitik Robuster Arbeitsmarkt setzt US-Notenbank unter Druck

Feretigung von Schallplatten bei United Record Pressing. Der US-Arbeitsmarkt entwickelt sich nach wie vor äußerst robust. Foto: Mark Humphrey/AP/dpa

Zuletzt war die Hoffnung gewachsen, dass sich die Inflation in den USA abschwächt. Nun aber deuten Daten vom Arbeitsmarkt in die andere Richtung. Das könnte Folgen haben für die Zinspolitik der Notenbank.

Washington - Der US-Arbeitsmarkt entwickelt sich nach wie vor äußerst robust und setzt die Notenbank Federal Reserve unter Zinserhöhungsdruck. Im November wurden nicht nur mehr Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Auch die Lohnentwicklung zeigt klar nach oben und sorgt so für zusätzliche Inflationsgefahren. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf niedrigem Niveau.

Außerhalb der Landwirtschaft schuf die US-Wirtschaft im November 263 000 neue Stellen, wie das Arbeitsministerium am Freitag in seinem monatlichen Jobbericht mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt mit 200 000 zusätzlichen Stellen gerechnet. Der Beschäftigungsaufbau in den beiden Vormonaten wurde um insgesamt 23 000 Stellen nach unten revidiert.

Spiegelbild des Beschäftigungszuwachses ist die niedrige Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote verharrte auf dem Vormonatswert von 3,7 Prozent. Nach Angaben des Ministeriums waren im November etwas mehr als sechs Millionen ohne Job. In der Corona-Krise war der Arbeitsmarkt zeitweise eingebrochen. Mittlerweile hat er sich deutlich erholt, viele Unternehmen klagen sogar über einen erheblichen Arbeitskräftemangel.

Präsident Biden zeigt sich zufrieden

Dieser Engpass zeigt sich auch in der Lohnentwicklung: Die durchschnittlichen Stundenlöhne erhöhten sich im Monatsvergleich um 0,6 Prozent und damit doppelt so stark wie von Experten erwartet. Der Zuwachs im Vormonat wurde nachträglich von 0,4 auf 0,5 Prozent angehoben. Zum Vorjahresmonat legten die Löhne im November um 5,1 Prozent zu. Auch dieser Anstieg ist stärker als der Zuwachs im Vormonat.

Der US-Notenbank Fed dürfte diese Entwicklung nicht gefallen. Zentralbankchef Jerome Powell hatte unlängst einen Beschäftigungszuwachs von etwa 100 000 Stellen pro Monat als ausgewogen bezeichnet. Sonst droht der Arbeitsmarkt weiter zu überhitzen, was noch stärkere Lohnsteigerungen und möglicherweise höhere Inflationsraten nach sich ziehen kann. Fachleute sprechen in diesem Fall von einer Lohn-Preis-Spirale, also einem sich selbst verstärkenden Anstieg von Löhnen und Preisen.

US-Präsident Joe Biden hingegen lobte die Entwicklung. "Die Dinge bewegen sich, sie bewegen sich in die richtige Richtung", sagte er. "Die Amerikaner arbeiten, die Wirtschaft wächst, die Löhne steigen schneller als die Inflation."

An den Finanzmärkten war die Reaktion eindeutig: Der US-Dollar legte gegenüber vielen Währungen deutlich zu. Am US-Anleihemarkt stiegen die Renditen von Staatspapieren kräftig an. Beides deutet darauf hin, dass die Märkte eine straffere Gangart der Fed als möglich einstufen. Eigentlich hatte die Notenbank unlängst etwas weniger starke Zinserhöhungen signalisiert, um die US-Wirtschaft nicht zu stark zu belasten.

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