Gegen zwei Spitzenteams Der Versuch des Unmöglichen

Stimmungsbild: Während die Göttinger (im Hintergrund) ihren Sieg feierten, war den Bayreuthern um Dererk Pardon (links) und Osvaldas Olisevicius (Nr. 31) wohl schon bewusst, dass sich die verlorenen Punkte in den nächsten Spielen nur schwer wettmachen lassen. Foto: / Peter Kolb

Drei Spiele innerhalb von fünf Tagen und nach einer Niederlage im ersten jetzt auch noch gegen zwei Spitzenteams: Medi Bayreuth scheint in der Basketball-Bundesliga Unmögliches zu versuchen in den Partien am Freitag in Berlin und am Sonntag gegen Oldenburg.

Basketball - Bastian Doreth war omnipräsent. Nur dort, wo er am meisten gebraucht wurde, konnte er nicht sein: auf dem Parkett. Sein Fehlen hinterließ im Spiel des Bundesligisten Medi Bayreuth eine klaffende Wunde, und jeder Versuch, sie zu stillen, war zum Scheitern verurteilt. Die 80:82-Heimniederlage gegen die BG Göttingen zeigte den Bayreuthern auf schmerzliche Weise, wie sehr sie von ihrem Kapitän abhängig sind.

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„Wir waren nicht in der Lage, sein Fehlen zu kompensieren, weder in der Offensive noch in der Defensive“, bekräftigt Medi-Trainer Raoul Korner. Sogar die Identität des Teams habe sich dadurch geändert. Das macht nicht gerade Mut für die ohnehin schon schwierigen Aufgaben am Freitagabend (19 Uhr) beim deutschen Meister Alba Berlin und am Sonntag (18 Uhr) zu Hause gegen die Baskets Oldenburg. „In Berlin wird er uns definitiv fehlen“, verrät Korner, und auch ein Einsatz gegen Oldenburg sei unwahrscheinlich: „Wir werden da sicher nichts riskieren.“ Der Österreicher hat nämlich bereits die folgenden Spiele im Blick, wenn die Bayreuther in Gießen (27. Februar) und Bonn (2. März) auf Gegner treffen, die eher ihrer Kragenweite entsprechen.

Auch Göttingen präsentierte sich am Mittwochabend als bezwingbarer Gegner. „Das hätte auch ein Start-Ziel-Sieg werden können“, verweist Korner auf die dominante Anfangsphase der Bayreuther. Doch mit den ersten Wechseln sank das Niveau im Medi-Team sofort beträchtlich ab. Frank Bartley erwischte einen schlechten Tag und sammelte ähnlich viele Ballverluste (sechs) wie Punkte (neun). Andreas Seiferth nahm sich selbst aus dem Spiel, indem er fünf Fouls in nur zehn Minuten sammelte. Und Philip Jalalpoor musste zwangsläufig in der Rolle als Doreth-Ersatz scheitern. Mit ihrer ersten Fünf waren die Bayreuther hingegen überlegen. „Wir haben nur nicht die Big Plays gemacht am Ende, weil wir zu hektisch wurden. Vielleicht ist uns auch ein bisschen die Luft ausgegangen“, sagt Korner über die Schlussphase, als das Medi-Team eine 77:70-Führung herschenkte.

Keine Konzentration auf den bezwingbareren Gegner

In Berlin und gegen Oldenburg gelte es nun, die Belastung auf die einsatzfähigen Spieler gut zu verteilen. Zwar erkennt auch Korner die Verlockung, in der Hauptstadt die Zügel ein wenig schleifen zu lassen, um zwei Tage später gegen den vermeintlich bezwingbareren Gegner aus Oldenburg mehr Reserven für einen Überraschungscoup zu haben, doch verwirft er diesen Gedanken schnell: „Wir sind nicht dafür gebaut, ausgerechnet im letzten von drei Spielen in fünf Tagen unsere beste Leistung abzurufen“. Von Bayern München abgesehen, gibt es ohnehin keine Mannschaft, die mit der Erwartung nach Berlin reist, dort zu gewinnen. 14 seiner bisherigen 15 Saisonspiele in der BBL hat der Tabellenzweite gewonnen. Doch es gibt Umstände, die die Außenseiterchance zumindest ein wenig erhöhen. Pech für die Bayreuther, dass diese Umstände diesmal aber nicht gegeben sind: Die Euroleague pausierte in dieser Woche, und damit entfielen für Alba die üblichen Reisestrapazen.

Nach dem beeindruckenden 101:77-Sieg in Crailsheim hatte die Mannschaft von Trainer Aito Garcia Reneses sogar einen Tag mehr als die Bayreuther Zeit, um sich auf die heutige Partie vorzubereiten. „Unsere Chance liegt darin, dass wir keine haben“, hofft Korner darauf, dass seine Mannschaft befreit auftritt. Dass die Aufstellung der Berliner von Spiel zu Spiel stark variiert, sei kein Faktor. „Sie agieren innerhalb fester Strukturen, da kommt es weniger auf den Einzelnen an, obwohl die individuelle Qualität natürlich enorm ist. Sie werden jeden Fehler von uns bestrafen.“

Erinnerung an Hinspiele macht Hoffnung

Immerhin: Beim Hinspiel am fünften Spieltag kam das Medi-Team einer Überraschung gegen den Meister ziemlich nahe (69:71). Noch recht frisch ist sogar die Erinnerung an die gute Leistung bei der 73:80-Niederlage in Oldenburg. Vor einem Monat erzwangen die Bayreuther auch ohne den verletzten Frank Bartley und noch ohne Lazeric Jones bis in die Schlussphase hinein ein ausgeglichenes Spiel, ehe Scharfschütze Keith Hornsby die Oldenburger zum Sieg führte. Auch am Mittwoch avancierte der US-Amerikaner mit der überragenden Dreier-Quote von 55,4 Prozent zum Matchwinner für die Niedersachsen, als er per Buzzer Beater zum 89:88 gegen die Hamburg Towers traf. „Man kann den Oldenburgern aber leider nicht alles wegnehmen“, verweist Korner auf die Qualitäten etwa von Center Rasid Mahalbasic, den er in Österreichs Nationalteam trainiert. „In der Außenseiterrolle fühlen wir uns aber wohler.“ Wenigstens das macht Mut.

 

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