Gebhard Rittger 1572 km auf dem Rad in fünf Tagen

Medaille zur Belohnung: Nach 1572 Kilometern war Gebhard Rittger zurück am Ausgangspunkt in London. Foto: red

Gebhard Rittger von der Bikesportbühne Bayreuth gehört zu den Randonneuren. Diese Radsport-Idealisten stellen sich ohne Wettkampfzwang großen Herausforderungen.

Für diesen Wettkampf benötigt man keine Qualifikation, keinen Nachweis irgendeiner Leistung, oder einen Sieg über irgendjemanden. Um bei der Langstrecken-Radtour London – Edinburgh – London teilzunehmen braucht man nur den Willen, innerhalb von fünf Tagen 1572 Kilometer auf dem Fahrrad zurückzulegen und dabei rund 14 500 Höhenmeter zu überwinden. Gebhard Rittger von der Bikesportbühne Bayreuth hat das getan und die Aufgabe innerhalb von 120 Stunden bewältigt. Am Start in der britischen Hauptstadt hatte der 66-Jährige zusammen mit 1547 Mitstreitern gestanden, aber nur 940 davon kamen innerhalb des Zeitlimits von 125 Stunden ins Ziel.

„Ich gehöre zu den Randonneuren“, erklärt Rittger. Das sei kein Verein, sondern eher eine weltweite Bewegung von Gleichgesinnten, deren Ursprung im radsportbegeisterten Frankreich liegt. An verschiedenen Orten bietet sie regelmäßig Fahrten über 200, 400 oder 600 Kilometer an sowie alle vier Jahre im Wechsel die Strecke auf der britischen Insel oder Paris – Brest – Paris. Auch beim französischen Marathon war Rittger schon am Start.

„Alles sind Selbstversorger-Rennen“, erklärt der frühere Rechtsanwalt. „Man ist auf sich allein gestellt.“ Vorgegeben werde jeweils nur eine Route mit Registrierungsstationen, an denen man seine Ankunft bestätigen lassen muss, sowie ein Zeitlimit für die Rückkehr zum Ziel. Wie lange man für eine Übernachtung pausiert, kann jeder selbst entscheiden. Im Gegensatz zu Etappenrennen gibt es am nächsten Tag keinen gemeinsamen Neustart.

Nach dem Start, der in London in Gruppen mit jeweils 30 Fahrern erfolgte, kann so eine Langstreckenfahrt dadurch über weite Strecken recht einsam sein. „An Anfang nutzt man schon auch noch die Gelegenheit, im Windschatten zu fahren, aber nach 50 oder 60 Kilometern hat sich das Feld doch auseinander gefahren“, berichtet Rittger. „Dann schaltet man komplett ab. Das sagen auch alle anderen Fahrer.“ Die Aufmerksamkeit gelte hauptsächlich dem Finden der richtigen Route, oder auch einfach nur der Landschaft.

Von einer reinen Freizeit-Ausfahrt kann aber wohl doch nicht die Rede sein bei einer Ausfallquote von 40 Prozent. Manchem in dem internationalen Feld fehle vermutlich die Erfahrung mit den örtlichen Gegebenheiten wie den Bergen auf dem Weg nach und in Schottland, erklärt Rittger: „Es waren relativ viele Inder dabei, die hatten damit ihre Schwierigkeiten.“ Typisch britisches Wetter könne auch den Unterhaltungswert schmälern, aber das sei diesmal nicht das Problem gewesen: „Dafür hatten wir Temperaturen bis zu 38 oder gar 42 Grad. Das ist auch nicht jedermanns Sache.“

Informationen über die Randonneure und ihre Veranstaltungen sind im Internet zu finden unter www.randonneure.de

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