Gastronomin Grit Thomsen versteht die Welt nicht mehr: Die Stadt wirft ihr Ruhestörung vor Ruhestörung: Wirtin muss vor Gericht

Von Frank Schmälzle

Grit Thomsen ist sauer. Und frustriert. „Sollen wir Gastronomen eigentlich gar nichts mehr für unsere Gäste tun?“ Was die Inhaberin des Restaurants Main-Journal derart aufbringt, ist eine Veranstaltung, die sie im vergangenen August organisiert hatte. Oder besser: deren Nachspiel. Die Angelegenheit beschäftigt jetzt sogar ein Gericht.

„Ich mach’ das für die Bayreuther“: Eine Veranstaltung im Main-Journal bereitet der Gastronomin Grit Thomsen eine Menge Ärger. Im März muss sie sich deshalb vor Gericht verantworten. Foto: Ronald Wittek Foto: red

 Die Musik nicht zu laut, die Gäste in gesetztem Alter. Alles im Rahmen, alles sehr gemäßigt, alles genehmigt. So beschreibt die 45-jährige Gastronomin die Feier unter freiem Abendhimmel, zu der sie im August vor das Main-Journal eingeladen hatte. Das Ordnungsamt der Stadt habe ihr erlaubt, bis 22 Uhr mit ihren Gästen zu feiern. „Um 20.10 Uhr stand dann die Polizei bei uns auf der Matte“, berichtet Thomsen. Fast hätten sich die Beamten entschuldigt, sie müssten der Sache eben nachgehen, wenn sich ein Nachbar beschwert. Aus der Frauengasse, 300 Meter Luftlinie vom Main-Journal entfernt, war ein Anruf bei der Polizei angekommen, dass es dort zu laut zugehe.

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Die Polizisten rückten wieder ab „und wir haben pünktlich um 22 Uhr Schluss gemacht“, sagt die Wirtin. Schluss war damit aber längst noch nicht. Wenige Tage später bekam Grit Thomsen Post von der Stadt. 100 Euro Strafe sollte sie bezahlen, wegen Ruhestörung. „Ich dachte, ich bin bei der Versteckten Kamera“, lacht Grit Thomsen. Eine Strafe für eine angemeldete und genehmigte Veranstaltung? Nicht mit ihr. Die Gastronomin legte Widerspruch ein und benannte zehn Zeugen, die ihre Version der Geschichte bestätigen könnten.

Noch immer nicht Schluss

Doch auch danach war immer noch nicht Schluss. Im Dezember bekam Grit Thomsen wieder Post, diesmal vom Amtsgericht Bayreuth. Sie müsse am 27. März erscheinen und sich verantworten. Wegen Ruhestörung. Seither zweifelt sie am guten Willen der Verwaltung: „Sollen wir Gastronomen eigentlich gar nichts mehr machen? Die Leute wollen ihren Spaß haben. Ich mach’ eine solche Feier doch nicht für mich. Ich mach’ das für die Bayreuther.“

Am guten Willen der Stadtverwaltung braucht nun wirklich niemand zu zweifeln, heißt es aus dem Rathaus. Ganz im Gegenteil: Grit Thomsen habe dem Ordnungsamt am Abend zuvor per E.-Mail mitgeteilt, dass sie keine 24 Stunden später eine Veranstaltung haben würde. Eine Sonderveranstaltung, die genehmigt werden muss. Normalerweise muss man die spätestens eine Woche vorher beantragen. Das Ordnungsamt, sagt Stadtsprecher Joachim Oppold, habe ihr kurzfristig eine mündliche Genehmigung für die Zeit von 19 bis 22 Uhr gegeben. „Aber auch bei einer genehmigten Sonderveranstaltung dürfen natürlich keine übermäßigen Lärmbeeinträchtigungen auftreten.“

Aus der Lagemeldung der Polizei zu der Journal-Feier im August lässt sich genau diese Art von Lärmbeeinträchtigungen herauslesen. Gegen 20 Uhr hätten sich Bürger beschwert, gegen 22.10 Uhr nochmals, heißt es in der Meldung. In einem solchen Fall greift laut Oppold das ganz normale Verfahren: Die Polizei meldet an die Stadt, die leitet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. „Das ist im Hinblick auf die immer häufiger werdenden Beschwerden über Veranstaltungslärm und auch mit Blick auf die erforderliche Gleichbehandlung mit vergleichbaren Fällen so geboten.“

Nichts Außergewöhnliches

Und auch dass der Streit jetzt vor Gericht ausgefochten wird, ist nach Angaben des Stadtsprechers nichts Außergewöhnliches. Gegen den Bußgeldbescheid der Stadt habe Grit Thomsen Einspruch eingelegt. „Dass sich das Amtsgericht Bayreuth mit dem Fall befassen muss, ist dann die zwingende Folge.“

Wenn es denn sein muss, dann geht die Sache eben vor Gericht, sagt Grit Thomsen. Bange ist ihr nicht: „Ich habe genügend Zeugen.“ Und: Es sei erst einmal zu beweisen, dass es überhaupt ihr Lärm war, über den sich Bürger an diesem Augustabend aufregten. Spaß macht ihr das alles längst schon nicht mehr. Und um den hätte es eigentlich gehen sollen.