Ganz andere Vorzeichen Medi-Team fordert MBC zur Pokal-Revanche

Den größten Anteil an der spektakulären Korbjagd des MBC im Pokalspiel gegen Medi Bayreuth hatte Michal Michalak. Mit hervorragenden Trefferquoten sammelte der Pole 32 Punkte (8/13 Dreier, 4/6 Zweier). Foto: red

BASKETBALL. Gerade mal zehn Tage ist es her, dass Medi Bayreuth bei einem Pokalspiel in Weißenfels vom Mitteldeutschen BC mit 114:123 überrannt worden ist. Trotzdem erscheinen die Voraussetzungen nun schon vollkommen anders, wenn sich beide Mannschaften am Sonntag um 15 Uhr in der Oberfrankenhalle in einem Bundesliga-Punktspiel erneut gegenüber stehen.

Einen großen Unterschied zu den korbreichsten 40 Minuten in einem deutschen Profispiel seit Beginn der digitalen Datenerfassung 1998 haben die Weißenfelser bekanntlich schon drei Tage später aufgezeigt. Da wurde der Ruf von ihrer imponierenden Offensivkraft durch die ziemlich klägliche 66:84-Heimniederlage im ersten BBL-Punktspiel gegen Crailsheim gleich wieder schwer erschüttert. Und auf der Gegenseite hat das Medi-Team am Donnerstag dieser Woche mit dem 83:77-Sieg gegen Bonn bewiesen, dass es mit einer Woche mehr Abstand zur Virus-bedingten Quarantäne schon weitaus leistungsfähiger ist, als am Tiefpunkt der Formkurve im Pokal.

„Wir sind noch nicht ganz da, wo wir schon waren, aber doch annähernd“, bestätigt Medi-Trainer Raoul Korner. „Wenn man eine Mannschaft wie Bonn besiegt, die ich für sehr, sehr stark halte, dann ist man auf jeden Fall konkurrenzfähig.“ Vor allem das mit 27:11 dominierte letzte Viertel sei „in mehrfacher Hinsicht top“ gewesen: „Defensiv haben wir richtig Druck aufgebaut, und offensiv haben wir diszipliniert die Dinge gemacht, die funktioniert haben.“ Nicht zuletzt sei der Erfolg des unermüdlichen Kraftaktes wertvoll für die Moral nach den vorangegangenen Rückschlägen: „Besonderes gefreut haben mich die Emotionen auf der Bank. Da waren alle voll dabei!“

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Zwei Leistungsträger des MBC zusätzlich dabei

Bei der Auflistung der Unterschiede zum ersten „A-9-Derby“ der Saison vergisst der Bayreuther Coach aber auch nicht die Argumente zugunsten des Gegners. Mit den damals verletzten Roko Rogic als Spielmacher und Shavon Coleman als Korbjäger können die Weißenfelser schließlich noch zwei Leistungsträger zulegen. „Unabhängig davon, wie wir damals beieinander waren: Wer mit so einer Rumpftruppe derart scoren kann, der hat schon Qualität“, mahnt Korner. Man müsse sich darauf einstellen, dass die namhafte Verstärkung das MBC-Spiel nun auf jeden Fall verändern wird: „Das sind zwei Schlüsselspieler, die beide den Ball in der Hand brauchen. Den Ball hat die Mannschaft ohne sie also vielleicht sogar besser bewegt.“

Immerhin kann der Trainer sicher sein, dass er mit seinen Warnungen vor dem Gegner ernst genommen wird. Niemand in seinem Kader dürfte ja schon vergessen haben, wie in Weißenfels die große Chance auf die Teilnahme an der Pokal-Endrunde verloren ging, die man sich mit dem glanzvollen Sieg gegen Bayern München so hart erarbeitet hatte: „Da haben wir schon noch ein Hühnchen zu rupfen!“

Ex-Bayreuther David Brembly: Stammgast im Fichtelgebirge

Im Grunde ist David Brembly nur einer von vielen Spielern, die mal für ein Jahr das Trikot von Medi Bayreuth getragen haben und dann wieder gegangen sind. In der Saison 2014/15 war das, ist also auch schon lange her. Doch kaum jemand wurde von diesem Gastspiel so geprägt wie der inzwischen 27 Jahre alte Flügelspieler, den der damalige Trainer Michael Koch bei Trefl Sopot in Polen entdeckt hatte. „Es war mein erstes Jahr in der BBL, und das war Bombe“, schwärmt Brembly, der damals eine glänzende Debütsaison hinlegte und sogar für das Allstar-Spiel nominiert wurde. Am Sonntag kehrt er nun im Trikot des MBC nach Bayreuth zurück.

Spieler aus dem damaligen Team gibt es schon lange nicht mehr im Medi-Lager, noch bestehende Kontakte aber schon: „Betreuer Eddie Hübner – ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn wiedersehe“, sagt Brembly. „Oder auch den Doc Holger Eggers und Physiotherapeut Kevin Schneider.“ Viel ungewöhnlicher ist aber die Tatsache, dass der Ex-Bayreuther nach Möglichkeit noch immer in jedem Sommer die Region besucht: „Ich habe eine Wohnung in Mehlmeisel und liebe es dort. Es ist da nicht nur sehr schön, sondern vor allem auch sehr ruhig. Ich habe dort kein Internet, keinen Fernseher und sogar richtig schlechten Handyempfang – super! Statt dessen einfach mal im Wald spazieren gehen, das ist wunderbar zum Abschalten!“

Auch der bisher letzte Kontakt mit Bayreuth vor nur gut einer Woche hat Brembly sehr viel Freude bereitet: Beim 123:114-Sieg in der schon jetzt legendären Korbjagd beim Pokalspiel gegen das Medi-Team gelang ihm mit 24 Punkten (4/7 Zweier, 5/8 Dreier) eine persönliche Bestleistung. Genauso typisch für die Gesamtbilanz des MBC war dann aber auch nur drei Tage später im ersten BBL-Punktspiel sein Beitrag zur 66:84-Niederlage gegen Crailsheim: sieben Punkte bei bei 3/13 Würfen (23 Prozent). „Ein Spiel mit 123 Punkten gibt es eben nur, wenn alle einen Sahnetag haben“, erklärt Brembly den krassen Unterschied. „Das geht nicht jeden Tag, nicht jeden Monat und wahrscheinlich nicht einmal jedes Jahr.“ Während in diesem Spiel mit jedem Treffer das Selbstvertrauen gestiegen sei, habe man drei Tage später gar keinen Rhythmus gefunden: „Da wird dann alles immer schwieriger.“ Unter der abstürzenden Trefferquote habe daher auch das Zusammenspiel gelitten: „Wir hatten nur sechs Assists – das war bitter.“ Man habe dieses Spiel aber analysiert und Lehren daraus gezogen: „Ich hoffe nicht, dass wir noch einmal so einen Tag haben werden – aber wenn, dann werden wir sicher besser damit umgehen.“

Unter den Pandemie-Bedingungen müsse man in dieser Saison ohnehin bei jeder Mannschaft mit Formschwankungen rechnen: „Die Bayreuther haben grundsätzlich eine sehr gute Mannschaft. Sie sind immer gut organisiert, halten sich an ihre Strukturen und wissen, was sie wollen. Ihre Basis ist die Verteidigung mit Bastian Doreth als eine Wand ganz vorne. Gegen uns hat man jedoch gesehen, dass nach einer Zwangspause wegen Quarantäne einfach die Energie nicht mehr da ist.“ Das könne seinem Team genauso passieren: „Wir haben im Dezember neun Spiele. Wenn man da nicht fit ist, wird es schwer. Und allein mit Fahrradfahren in der Wohnung kann man das Niveau nicht halten.“